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Kein Geld für marode Tierheime - aber 100.000 € für eine Reithalle

Buseck | “Die Kassen sind leer – aber nicht für jeden gleichermaßen…”

Für eine böse Überraschung sorgte in der vorigen Woche das Hessische Umweltministerium mit der Pressemitteilung vom 26. August 2011.

Dort wird berichtet, dass einem kleinen Reitverein in Beiserhaus/Renghausen von dem Umweltstaatssekretär Weinmeister der Bewilligungsbescheid für sage und schreibe 100.000 Euro zur Renovierung einer Reithalle überreicht wurde (PM anbei). Weitere knapp 40.000 Euro werden aus anderen öffentlichen Mitteln zugesteuert.

Das ist schön für den Verein, der immerhin 170 Mitglieder hat und seit fast acht Jahren besteht.

Völlig unverständlich ist es aber für die im Landestierschutzverband Hessen vertretenen 80 Tierschutzvereine in ganz Hessen mit rund 50 000 Mitgliedern.

Nur durch eine hohe Zahl an ehrenamtlichen Helfern ist es möglich, die eigentlich kommunale Pflichtaufgabe der Aufnahme, Verwahrung und Versorgung von Fundtieren, zu erfüllen. Dies wird nur zu einem verschwindend geringen Teil aus öffentlichen Mitteln unterstützt. Aufgrund steigender Kosten und häufig maroder Tierheimbauten wird das aber immer schwieriger. Viele Vereine, die zum Teil mehr als einhundert Jahre alt sind, stehen kurz vor der Insolvenz.

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Aus diesem Grund ist der Landestierschutzverband Hessen mit mehreren Vertretern schon im Frühjahr bei der Umweltministerin Puttrich vorstellig geworden. Sie hörte sich zwar die Sorgen und Nöte an, sagte aber gleich zu Beginn des Gespräches, dass die öffentlichen Kassen leer seien und auf keinen Fall Geld zu erwarten sei!

Die Tierschutzvereine des Landesverbandes engagieren sich ehrenamtlich in der Jugendarbeit mit Jugendgruppen, mit Projekttagen und Projektwochen in Kindergärten und Schulen. Es werden Besuche bei Behinderten- und Altenheime organisiert. Sie sind Arbeitgeber für viele schwervermittelbare Auszubildende.

Es fällt schwer die Mitglieder und Ehrenamtlichen davon zu überzeugen, dass ihr Anliegen und ihre Arbeit geschätzt und anerkannt wird, wenn solche Pressemitteilungen veröffentlicht werden.

Vielleicht mag die Ministerin diese Diskrepanz einmal erklären – die Tierschutzvereine in Hessen sind sehr gespannt!

Quelle: Presseinformation / Landestierschutzverband Hessen e.V.

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Kommentare zum Beitrag

Andrea Allamode
809
Andrea Allamode aus Buseck schrieb am 07.09.2011 um 14:17 Uhr
Wie oft haben auch wir als Antwort zu hören bekommen, dass die öffentlichen Kassen leer seien und auf keinen Fall Geld zu erwarten ist! Umso mehr ist diese Information für alle engagierten Tierschutzvereine, die die kommunalen Pflichtaufgaben übernehmen, schon schwer zu verdauen.
Andrea Allamode
809
Andrea Allamode aus Buseck schrieb am 07.09.2011 um 22:25 Uhr
Herr Büttel, zum Einen habe ich an dieser Stelle die Presseinformationen des Landestierschutzverband Hessen e.V. veröffentlicht und zum anderen spricht doch niemand gegen das Projekt an sich.

Es ist immer toll, wenn Vereine, in denen ohne das Ehrenamt nichts laufen würde, von öffentlicher Hand unterstützt werden. Aber, Fakt ist eben auch auch, dass wirklich sehr, sehr viele Tierschutzvereine sich ebenfalls "ehrenamtlich in der Jugendarbeit mit Jugendgruppen, mit Projekttagen und Projektwochen in Kindergärten und Schulen" engagieren. Auch werden Besuche bei Behinderten- und Altenheime organisiert. Auch an dieser Stelle passiert einiges.

Nur mussten leider gerade Tierschutzvereine in den letzten Jahren feststellen, dass das Ehrenamt im Bereich der tierschutzlichen Arbeit anscheinend bei vielen nicht die Würdigung erhält, wie es wünschenswert wäre. Gerade die Versorgung und Unterbringung von Fundtieren ist eine "Pflichtaufgabe" der Kommunen und diese Arbeit wird nicht so bezahlt wie es sein müsste. Ich denke, auch andere Tierschutzvereine haben schon oft ähnliche Situationen erlebt, dass sie böse Worte ernten, wenn sie eben mal nicht ein Tier aufnehmen können, weil die Aufnahmekapazitäten voll erschöpft sind , denn dann hört man sehr oft: Ihr müsst das tun, ihr seid ein Tierschutzverein. Tja, nur wie, wenn ein Verein sich hauptsächlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert. Und wie alle wissen, hat die Spendenbereitschaft in den letzten Jahren stark nachgelassen, weil immer mehr Menschen immer weniger Geld in dem Geldbeutel haben.
Andrea Allamode
809
Andrea Allamode aus Buseck schrieb am 08.09.2011 um 06:25 Uhr
Noch eine kleine Anmerkung: Nicht das "Hessische Ministerium für Jugend und Soziales" oder das "Ministerium des Innern und für Sport"
haben 100.000 Euro für den Reithallenbau zur Verfügung gestellt. Was ja in deren Zuständigkeit fallen würde (oder sehe ich das falsch?) Nein, das Hessische Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz war es - welches auch dem Tierschutz des Landes Hessen angehört.
Nicole Freeman
8.660
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 08.09.2011 um 10:08 Uhr
Danke fuer die Aufklaerung Herr Buettel. Es ist gut das auch mal eine Gegendarstellung geschrieben wird. Die Gelaende der meisten Reitvereine unterstehen der Landwirtschaft da Stallungen und Weiden fuer die Vereinspferde nun mal Landwirtschaftliche Betriebe sind. Natuerlich bin ich auch fuer den Tierschutz aber die Arbeit mit Jugendlichen und Kindern ist meiner Meinung nach wichtiger den je. Viele Kinder haben nur durch Vereine die Moeglichkeit ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten und in einem Reitverein lernen sie neben dem Sport noch Verantwortung fuer ein Lebewesen ,das Pferd zu uebernehmen. Das wiederum kommt im weitesten Sinne auch dem Tierschutz zu gute. Und was die Ueberschrift angeht ist es jedem selbst ueberlassen . Wichtig ist doch was am Ende dabei raus kommt.
6
Ralf Kurtze aus Gießen schrieb am 13.09.2011 um 12:04 Uhr
Liebe Leser,
tatsächlich sind Meinungsunterschiede wichtig! Und die "Entwicklungs- und Integrationsmöglichkeiten von behinderten und nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen mit dem Medium Pferd" streitet kein Tierfreund ab - im Gegenteil, diese Einrichtung ist förderungswürdig.

Aber Tatsache ist zum Einen, Reitvereine sind dem jeweiligen Pferdesportverband und dem Sportbund angeschlossen (und in der Regel so tierschutzorientiert und -interessiert, wie ein Gebrauchshundesportverein). Zum Anderen hat ein Reitverein soviel mit Landwirtschaft zu tun, wie ein Autorennen mit einem Balkenmäher.

Nun zurück zur ursprünglichen Aussage des Artikels:
Das Hessische Ministerium für UMWELT, ENERGIE, LANDWIRTSCHAFT und VERBRAUCHERSCHUTZ hätte guten Gewissens einen Zuschuss für die "Heizung nach neuesten energetischen Gesichtspunkten" leisten können. Ansonsten hat dieses Projekt - welches außer über den Zuschuss nirgends zu finden ist - nicht mal Ansatzweise einen Bezug zum HMUELV.
Im Gegensatz dazu ist diesem Ministerium die Landestierschutzbeauftragte, die Leitung aller Hessischen Veterinärämter und die Verantwortung des Landes gegenüber dem Tierschutz zugeteilt. Und hier schließt sich der Kreis, denn für den Tierschutz stehen keine Zuschüsse bereit........
Hallo Lieber Leser
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von:  Andrea Allamode

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