Bürgerreporter berichten aus: Buseck | Überall | Ort wählen...

Es war einmal.......

Buseck | ... vor langer, langer Zeit, da gab es in der kleinen Innenstadt beim Kirchenplatz im zerbombten Städtchen Gießen ein kleines Möbelgeschäft.

Das kleine Möbelgeschäft hieß Blum.

In dieses kleine Möbelgeschäft kam vor vielen, vielen Jahren eine junge Frau, die mit ihrem Töchterchen, aus Berlin ausgebombt, nun eine kleine Wohnung in der Ederstraße bezogen hat.
Die junge Frau bat um das Anfertigen eines kleinen Wohnzimmerschrankes, der in ihr kleines, mit Dachschrägen versehenen Wohnzimmers passte.

Herr Blum machte sich sofort an die Arbeit. Mit in seinem Geschäft gab es ein kleines Mädchen, das hieß Ilse.

Herr Blum arbeitete ganz genau und präziese, er arbeitete Tag und Nacht und hat für die junge Frau aus Berlin einen richtig schönen kleinen Wohnzimmerscharnk geschreinert.

Eine sehr sorgfältige Arbeit und die junge Frau freute sich von ganzem Herzen über diesen schönen kleinen Schrank.

All die Jahre, Jahrzehnte, die da kamen, war er etwas ganz wertvolles für sie und wurde gehegt und gepflegt.

Das Töchterchen wurde erwachsen, heiratete und bekam ebenfalls ein Töchterchen. Das Töchterchen hieß Jenny.
Mehr über...
Nachkriegszeit (3)Alte Geschichten (1)
Die kleine Jenny hat ganz viel Zeit ihrer Kindheit bei ihrer Omi in
der Ederstraße verbracht, der kleine Wohnzimmerschrank beinhaltete auch das eine oder andere Spielzeug. Die Omi musste immer sehr viel arbeiten, sie saß tagein tagaus an ihrer Nähmaschine und nähte Kleider für Frauen, die sich etwas besonderes schneidern ließen.

Viele, viele Jahre vergingen und unzählige Kundinnen betrachteten sich während der Anprobe in dem Spiegel, der in dem kleinen Wohnzimmerschrank angebracht war.

Auch die Jenny wurde größer, aber am allerliebsten war sie bei ihrer Omi.
Die Omi wurde immer älter und konnte auch nicht mehr viel an der Nähmaschine arbeiten und so kam es, dass sie vor wenigen Jahre starb.

Ihre Tochter und auch die Enkelin Jenny waren darüber sehr, sehr traurig und so trug es sich zu, dass man viele Dinge von der geliebten Omi in Ehren hielt.

Nun, nach ein paar Jahren, als selbst das Töchterchen von der
Jenny von Zuhause auszog, wurde der alte kleine Wohnzimmerschrank wieder aufgebaut.
Die Jenny und ihr Mann haben nie zuvor eine so
perfekte Arbeit von Hand gesehen und freuten sich über diese Meisterarbeit während des Aufbaus.

Er steht nun in Jenny`s Zimmer und sie erinnert sich ganz genau an viele, viele wunderschöne Stunden ihrer Kindheit.


(Diese Geschichte begann 1952)

Kommentare zum Beitrag

Jenny Burger
1.588
Jenny Burger aus Buseck schrieb am 18.07.2011 um 14:39 Uhr
Danke sehr.
Ilse Toth
33.270
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 18.07.2011 um 15:25 Uhr
Jenny, Du glaubst gar nicht, welch riesige Freude Du mir mit dieser Geschichte und dem Bild gemacht hast.
Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen. Mein Opa war für mich die erste, große Liebe! Er war so wunderbar, weise, humorvoll und voller sozialem Engagement. Ich war 6 Jahre, als die Flüchtlingswelle aus dem Osten auch nach Giessen kam. Ich kann mich noch gut erinnern, dass mein Opa, selbst ausgebombt, diesen Menschen half. Er fertigte Möbel an und verkaufte, als wieder Fabrikmöbel geliefert wurden, die Möbel an viele Flüchtlinge. Sie durften in Raten zahlen, manchmal DM 10 im Monat. Alle waren meinem Opa dankbar. Als KInd durfte ich immer Möbel mit ausliefern. So ist manche Freundschaft mit den "Flüchtlingskinder" entstanden.Viele Erinnerungen sind durch Deine Geschichte wach geworden. Ein paar Tränen durften fließen, oder? Danke Jenny!
Andrea Viehl
301
Andrea Viehl aus Reiskirchen schrieb am 18.07.2011 um 16:00 Uhr
Wie schön es doch ist, wenn man nicht immer alles einfach wegwirft!
Ilse Toth
33.270
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 18.07.2011 um 16:13 Uhr
Wie wahr, Frau Viehl!
Jutta Skroch
11.635
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 18.07.2011 um 16:23 Uhr
Das ist eine sehr anrührende Geschichte, vielen Dank.
Jenny Burger
1.588
Jenny Burger aus Buseck schrieb am 18.07.2011 um 16:24 Uhr
Nein Andrea, SO eine handwerkliche Meisterarbeit, so präzise, so genial, wirft man nciht einfach weg. Auch wenn der Schrank jetzt nicht rein vom Stil her mein Typ "alte Möbel" ist, so hat dieser Schrank einen unglaublichen ideellen Wert für mich. Mein Mann und ich haben gestaunt, mit welche Präzission dieser Schrank gebaut wurde. Konstruktionen, so genial und einfach und doch so unverwüstlich, die man heute bei KEINEM aufzubauendem Möbelstück mehr sieht.
Echtes Holz. Jedes kleine Detail wurde von Hand geschnitzt und/oder gesaägt. Da passt selbst nach Ab- und Wiederaufbau alles perfekt aufeinander.
Jenny Burger
1.588
Jenny Burger aus Buseck schrieb am 18.07.2011 um 16:44 Uhr
Ilse, ich freue mich, dass ich Dir mit dieser Geschichte eine so ungeahnt große Freude gemacht habe.
Meine Mutti hat als Kind sehr oft die Arbeiten meiner Omi zur Kundschaft nach Hause gebracht. Manchmal stundenlang, zu Fuß. Mehr als 40 Jahre lebte meine Omi in der Ederstraße, meine Mutti wuchs dort heran, ich wurde geboren und lebte mein erstes Lebensjahr dort, weil mein Vater beruflich nicht in Gießen war. So lebten wir zu dritt in dieser klitze kleinen Dachgeschoßwohnung. Und einen Hund, Pudelmännchen Quicki, gabs dort auch noch. Eine wunderbare Zeit.
Ilse Toth
33.270
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 18.07.2011 um 18:08 Uhr
Mein Elternhaus, auch im Krieg völlig zerstört, steht Ecke Steinstrasse/Schottstrasse. Die Gegend dort, so auch die Ederstrasse, waren mein "Spielplatz"! Der heutige Anlagenring, damals noch eine große Anlage, sind in meiner Erinnerung das Paradies. Das alte Brauhaus mit seinen Kaltblutpferden und der Hundezucht ein gern aufgesuchter Ort. Noch heute gehe ich oft in der Gegend spazieren und lasse meinen Gedanken freien Lauf. Es war eine entbehrungsreiche, aber schöne Zeit. Ohne Luxus und Disignerspielsachen, aber mit Phantasie und Freunden.
Ich möchte den Schrank so gerne "besuchen" und ihn einmal anfassen.
Nicole Kocaoglu Schmidt
710
Nicole Kocaoglu Schmidt aus Heuchelheim schrieb am 18.07.2011 um 19:23 Uhr
Und so gehen die Generationen weiter, besagter Herr Blum ist mein Urgroßvater.
Jenny Burger
1.588
Jenny Burger aus Buseck schrieb am 18.07.2011 um 21:27 Uhr
Der Großvater und Urgroßvater, schon lange nicht mehr da, lebt nur noch in den Herzen seiner Lieben und deren Erinnerungen, aber seine Werke stehen noch und tun ihren Dienst :-)
Ilse Toth
33.270
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 18.07.2011 um 21:31 Uhr
Mein Opa hat mir so viel mit auf den Lebensweg gegeben. Ich versuche, dies an die nächsten zwei Generationen weiter zu geben. Ich denke, das ist bei meiner Tochter gelungen und die mein Enkelkind Paula hat sehr viele gute Anlagen, ein sozialer Mensch zu werden.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Jenny Burger

von:  Jenny Burger

offline
Interessensgebiet: Buseck
Jenny Burger
1.588
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Zwei Katzenmädchen verlieren ihr Zuhause // sind in Obhut
Die beiden Katzenmädchen Meggy und Peggy sind Geschwister und sind...
Eine Trainingsstunde der besonderen Art
Eine Trainingsstunde der besonderen Art bot die Ausbildungs-und...

Weitere Beiträge aus der Region

Mit dem Schwertschlag begrüßt Barbara ihre Jünger
Raketenartilleristen feiern den Barbara-Tag
Traditionell trafen sich ehemalige Gießener Artilleristen um das Fest...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.