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Grenzerfahrungen -

Buseck | Grenzerfahrungen


Wer hätte das je gedacht
Wer hätte je daran gedacht, dass ihn ein Unglück trifft, wobei zu differenzieren ist, was für den Einzelnen das Wort Unglück bedeutet.
Für den einen ist das Tod, Krankheit und Sterben, für den anderen Hilflosigkeit und Verlassenheit, auch plötzlich allein, blind oder verkrüppelt zu sein, kann und wird ein großes Unglück sein.
Wenn einer stirbt, aus dem Kreise von Familie und Freunden, ist es ein Unglück für den Zurückgebliebenen, der nicht loslassen kann oder will.
Wenn der Lebenspartner unheilbar krank oder zum jahrelangen Pflegefall wird.
Wenn man den Job in jungen Jahren verliert und zum jahrzehntelangen Arbeitslosen wird.
Wenn man unverschuldet in Not gerät.
Wenn man ein Bein, einen Arm, das Gedächtnis bei einem Unfall verliert,
all das sind Unglücke die einen unvermittelt, unerwartet streifen können.
Wenn man Freunde verliert an die man jahrelang glaubte.
Wenn man investiert, verschenkt und man dessen beraubt wird, ist es ein Unglück erkennen zu müssen, dass man sich getäuscht hat.
Wenn einen der Liebste unwiederbringlich verlassen hat.
Unglück pur, erst einmal – bis alle Wunden verheilt sind, dauert es meist ein Weilchen, es hinterlässt deutliche Spuren in der Seele.

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verlassen (3)Infiziert (1)Grenzerfahrungen (1)allein (5)
Mich hat eine andere Art von Unglück gestreift.
Doch kann man das Unglück oder besser eine andere Art von Erkenntnis nennen.
Ein bösartiger Virus hat nicht mich, damit könnte ich besser umgehen – erfasst und meine jahrzehntelange Arbeit zunichte gemacht.
Eine Arbeit, die mir ans Herz gewachsen war, die mich ausfüllte, mir Freude machte und mir eine große Anzahl neuer Freunde brachte.
Alle meine Wortkinder, in Jahren gewachsen, durch Leid geprägt, in der Sonne geboren, durch Himmel und Hölle gegangen, durch wilde Wasser gereinigt, in Flüssen geschwommen, über Berge geklettert habe ich verloren durch den Eingriff eines anderen, den ich nicht mal kenne, der mich nicht kennt.
Er hat all meine Arbeit infiziert, nun ist sie wertlos, nicht mehr sichtbar für all jene, denen ich sie schenken wollte.
Das ist bitter.
Vor allem ist bitter zu erkennen, dass wirkliche tatkräftige Hilfe in solchen Fällen nur in leeren, relativ nichts aussagenden Worten besteht.
Bis auf ganz wenige Ausnahmen, von Menschen - die sich bemühten und mich umsorgten, mich anriefen und fragten, versuchten zu recherchieren und mit mir überlegten welche Möglichkeiten es noch geben könnte, meine Arbeit zu retten, fühlte ich mich in Stich gelassen und sehr allein.
Andere wollten sich an mir bereichern, mir etwas aufschwatzen um selbst davon zu profitieren, an mein Problem wollten sie nicht heran. Wozu auch, ja, wozu auch – es bringt ja für diesen nichts ein.
Ja, in diesem Moment fühlte ich mich sehr allein.
Genau so allein wie ich mich fühle wenn ich als Katzenretter unterwegs bin um arme, kranke, halbverhungerte und zurückgelassene zu retten an die sonst niemand mehr denkt.

Allein gelassen von denen auf die ich mich bisher – wie ich dachte – fest verlassen konnte.
Hinter der Aussage - Ich kann dir nicht helfen – stand klar und deutlich, ich hab keinen Bock,
keine Zeit, das ist mir zu kompliziert.

Das sind Grenzerfahrungen auf die man gerne verzichten, die man gerne nie kennen lernen möchte, doch manchmal müssen sie wohl sein um zu erkennen, in wirklich brisanten Situationen bist du als Mensch – der Unterstützung braucht, allein.

© Angelface

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von:  Angelika Petri

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Angelika Petri
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