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Organspende - sinnvoll dass es die Möglichkeit gibt

Buseck | Meinungen und Ansichten, so verschieden wie die Welt....
der eine denkt so, der andere anders darüber. doch Gedanken machen, sollte man sich schon ob es nicht sinnvoll ist, sich rechtzeitig einen Ausweis zu besorgen.
Organspende


Dieses Thema war schon lange überfällig.
Unter all meinen bisherigen Themen hatte ich es, glaube ich, bisher vermieden darüber zu schreiben, warum eigentlich, - der Tod gehört schließlich wie das Leben zum Leben und die Gedanken darüber, was danach kommt, oder ob etwas danach kommt - auch.
Im Moment bietet die Tatsache, dass es Kasimir, meinem schwarzweißen Kater mit seiner Lungenerkrankung wieder so schlecht geht, die Gelegenheit, diese Gedanken erneut hervorzukramen. Aber im Grunde sind sie immer bei mir, weil ich nichts davon halte, ewig Unangenehmes zu verdrängen oder vor mir herzuschieben.
Es hätte auch wenig Sinn, denn ich bin hier auf dem Lande sowieso ständig vom Sterben umgeben, vom Kommen und Gehen in der Natur, bei den Tieren, egal ob es nun die Haustiere betrifft, oder die Kuh auf dem Feld, das überfahrene Eichhörnchen auf der Straße, die erschossene Katze vom Jäger,
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der Vogel, der sich beim Sturzflug den Flügel brach, die Taube die ins Autofenster schoss und sich das Genick brach, das Lamm, dass sich im Elektrozaun erhängte, der Hund den man an der Kette verhungern ließ, wer an all dem gedankenlos und unbeteiligt vorüber geht und sich nichts dabei denkt, nichts dabei fühlt, der hat kein Herz.

"Ich lebe nur im Heute und denke nicht an das Morgen", so kann man natürlich auch leben und damit Mitgefühl und Empathie aus seinem Leben ausschließen.
Doch ob das in allen Lebenslagen so ganz richtig ist?
Was wird morgen sein? Das sollte man sich natürlich auch nicht ständig fragen, das macht auf die Dauer trübselig oder unter Umständen traurig und traurig will ja keiner sein.
Aber an den Realitäten des Lebens kann man nicht einfach vorüber gehen ohne sie zu berücksichtigen und sie - in Maßen - mit in sein eigenes einzubauen.
Ich bin noch ganz, denke ich und so wird es wahrscheinlich auch noch eine ganze Weile lang sein, gesund und relativ fit denke ich, sollte man darüber auch einmal nachdenken, ob es nicht sinnvoll ist, im Leben schon vorher darüber nachzudenken, ob man nicht dafür sorgen kann, dass nach deinem eigenen Hinwegscheiden andere davon profitieren könnten.
O r g a n s p e n d e, wie oft habe ich schon mit Freunden darüber gesprochen und nichts gemacht. Ich habe ( noch) keinen Spenderausweis.
Einfach verschlampt, verdrängt, auf später aufgeschoben.
Irgendwie war der Gedanke und die Vorstellung daran nicht so angenehm.
Es hat so etwas Endgültiges.
Lieber dachte man an etwas anderes.
Oft hat man ja gehört, wie schön es sein müsste, unter einem Baum mitten im Wald begraben zu werden, in der romantischen Vorstellung, du ruhst dort im Grünen, die Vögel zwitschern über dir, wilde Blumen wachsen, die Erde über der Stelle an der du liegst, vermoost, wuchert zu, du bist wieder ein Teil des Ganzen, der Natur.
Mein Ex will dies so haben und hat dementsprechend vorgesorgt.
Das ist die billigste Beerdigung, und belastet keinen an dein Grab kommen zu müssen, meinte er einst - pragmatisch aber praktisch gedacht, zu mir.
Schöne Vorstellung, wobei die Vorstellung, dass meine Haare und Fingernägel in der Erde Meterlang weiter wachsen wenn alles andere schon längst vermodert und von Maden aufgefressen wird, eigentlich keine allzu schöne Vorstellung ist, aber man kann sich ja vieles schönreden.
Meine Oma wurde im Krematorium verbrannt, und in einem Sammelbegräbnis beerdigt. Keiner war dabei, es wurde vom Altenpflegeheim organisiert, kein Hahn kräht heute mehr nach ihr und um ihr Grab aufzusuchen, von dem ich nicht weiß wo es liegt - müsste ich über 100 km fahren. Sie wollte es so und wollte auch, dass keiner an ihrem Grab eine Krokodilsträne vergießt. Und - sie wollte möglichst wenig Platz auf dem Friedhof einnehmen, denn die Friedhöfe sind voll.
Den letzten Wunsch eines Toten sollte man ehren.

Meine Mutter hat eine Sterbeversicherung, hat sie mir erst neulich versichert, es ist alles geregelt, der Haushalt wird von ihrer Haushaltshilfe aufgelöst, ich nehme ihre Katzen und sie möchte katholisch in ihrem Glauben in die Erde kommen.
Den letzten Wunsch eines Toten sollte man ehren.

Ich dachte ja einmal in einer besonders romantischen Vorstellung, wahrscheinlich hatte ich gerade eine langatmige Schnulze im Fernsehen gesehen - meine Asche übers Meer verstreut - Blumen auf wogender See fließen mir hinterher, - alles weint - zieht seinen Hut, ja, das könnte ich mir gut vorstellen, mit 17 hat man noch Träume - aber wer soll das machen? So ein Quatsch, ich verabschiede mich von solchen Jungmädchen - Träumen. Sie sind keine Realität.

In einem früheren Gespräch mit einer guten Freundin beschlossen wir gegenseitig, uns zu unseren Katzen auf den Tier - Friedhof zu legen, um auf ewig bei unseren Lieblingen zu sein - auf ewig - Gott, wie pathetisch - aber das ist wohl eher eine unrealistische Vorstellung, eher noch so eine spinnerte Träumerei, okay, das war mal ein Wunsch, - doch keiner würde sich dazu bereit erklären, es zu tun, soviel ich weiß, ist's ja auch verboten.
Oh mein Gott, Kasimir, was bringst du mich nur auf solche Gedanken, nur weil es dir sauschlecht geht, träume ich schon von meinem Ableben!

Nein, sind wir doch mal ehrlich, wenn wir gehen, gehen wir - und irgendwann, sind wir auch vergessen.
Doch wir können vorsorgen -
Es gibt so viele todkranke Menschen um uns herum, und wir haben alle noch topfit gesunde Organe, egal wie alt, - sie sind gesund. Vieles in uns ist noch gesund und damit wieder verwertbar wie ein Auto mit Ersatzteilen. Sehen wir es doch mal ganz pragmatisch.
Auch wenn jetzt wahrscheinlich viele Gläubige mit den Augen rollen.
Nieren, Augen, Netzhäute, Herz, Lunge, Leber, die Milz, ja selbst Venen und vor allem die Haut unser größtes Organ können entnommen und transplantiert werden, einem anderen das Leben retten.
Und, du hast auch noch ein gutes Werk getan.
Selber kannst du es nicht mehr brauchen.
Wenn du es nicht tust, verschenkst du es quasi der Erde und dem luftleeren Raum,
deine Seele ist längst da wo sie sein soll oder du glaubst dass sie dahin entschwunden ist, was zurückbleibt, ist eh nur die leere Hülle deines Körpers, die sich im Laufe der Jahre langsam mit der Erde vermischt.
Egal ob das nun deine Asche oder dein Körper ist.
Ist es nicht viel vernünftiger etwas Gutes zu tun und dafür zu sorgen dass andere mit dir weiterleben können?
An dein Grab, kommt irgendwann, wenn überhaupt, eh keiner mehr.
Denn, meine Mutter ist dann längst tot, mein älterer Bruder lebt in Canada, mein Jüngerer in Tübingen - das sind an die 300 km Entfernung, der hat besseres zu tun, als sich für eine dusselige Beerdigung für eine lange Fahrt in den Zug zu setzen und bis nach Hessen zu fahren, nämlich, weiterzuleben und für sich und seinen Kater zu sorgen.
Meine Tochter in Berlin, da mache ich mir noch so meine Gedanken, mit der muss ich noch mal darüber reden, aber ich denke, sie wird mich verstehen.
Und meine Freunde, die wissen Bescheid und ich hoffe, sie billigen und befürworten meinen Entschluss.
Morgen, nehme ich mir vor, morgen besorge ich mir einen Spenderausweis.
Und ich denke, wenn ich so darüber nachdenke, dem Herrn da oben, dem wird es gefallen, denn der ist oft menschlicher als wir und der weiß, dass die Gräber nach 25 Jahren alle eingeebnet werden, in der Zwischenzeit können andere mit deinen Organen ein gutes Leben führen.
" Hopp Kasi, anziehen, hier wird sich nicht gedrückt, wir müssen zum Tierarzt, du musst deine Spritze kriegen!"

© Angelface


Gedanken über das weiterleben....

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Kommentare zum Beitrag

Andrea Mey
9.754
Andrea Mey aus Lollar schrieb am 21.12.2010 um 13:36 Uhr
Mein Vater ist schwer krank. Er hatte bereits vor 20 Jahren Krebs. Die damalige Chemo setzte den Nieren so sehr zu, daß sie vor einigen Jahren ganz versagten. Was folgte, war die Dialyse. 3-4 mal pro Woche viele Stunden auf der Dialyse-Station. Das Leben richtete sich künftig nur noch nach der Machine. Kein freies Leben mehr, aber man hängt ja daran, wie an einem seidenen Faden.
Vor 2 Jahren dann kam der erlösende Anruf: eine passende Spender-Niere ist da. Also, mitten in der Nacht ab in die Klinik!
Die Transplantation verlief ohne Komplikationen. Danach folgte eine schwere Zeit. Damit der Körper die neue Niere nicht abstößt, mußte mein Vater mit Medikamenten eingestellt werden, was wiederum den gesamten Organismus schwächte. Meinem Vater ging es nicht gut.
Da drängten sich irgendwann die Fragen auf:
War es das wert? Ist das nun mehr Lebensqualität?
Aber nach einiger Zeit verbesserte sich sein Zustand. Mein Vater hat inzwischen sogar wieder eine Kurzreise antreten können, er ist wieder frei und nicht mehr abhängig von der Maschine!
Inzwischen hat mein Vater eine andere Erkrankung. Dank der neuen Niere wird er es schaffen. Wenn er heute noch an der Dialyse hängen würde, wäre es fraglich, ob der Körper die ganzen Strapazen mitmachen würde!
Ich persönlich habe einen Organ-Spender-Ausweis. Sollte mir etwas zustoßen, hat mein Ableben wenigstens einen Sinn: einem anderen Menschen kann mit einem meiner Organe ein neues Leben geschenkt werden! Darüber sollte jeder nachdenken. Es kann alle von uns treffen. Einen selbst, den geliebten Partner, das eigene Kind, ein Elternteil...
In dieser Verzweiflung ist wohl jeder Mensch dankbar, wenn ein Spender-Organ zur Verfügung steht und einem nahestehendem Menschen ein neues Leben geschenkt werden kann!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Angelika Petri

von:  Angelika Petri

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Angelika Petri
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