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Sind Mutterkühe Winterüberlebenskünstler?

am Tag scheint die Sonne, Nachts ist's bitterkalt
am Tag scheint die Sonne, Nachts ist's bitterkalt
Buseck | das bewegt mich sehr!

Muss das wirklich sein?
Bodenfrost
Sind Mutter - Kühe Winterüberlebenskünstler?

Es ist – wie letztes Jahr.
Es ist bitterkalt, man jagt keinen Hund vor’s Haus.
Aber andere Tiere sollen und müssen es aushalten!
Selbst bestimmte Pferderassen - die diese Temperaturen weitaus besser vertragen, - haben jetzt einen gesicherten Unterstand gegen Wind, Eis, Schnee und Regen, und abends wirft man ihnen eine Decke über, zumindest sollte es so sein.

Noch nach 10°°morgens ist die Wiese vor dem Haus tief gefroren. 5 °grad minus zeigt das Außenthermometer und die Mutterkühe ziehen auf und ab, auf und ab, suchen Futter um sich und ihre Jungen zu ernähren und finden nur gefrorenes Gras, das die Milch in ihren Zitzen erstarren lässt.
Muss das wirklich sein, frage ich mich – wie letztes Jahr.
Im letzten Jahr hatte ich beim Ordnungsamt nachgefragt ob die Tiere nicht zu dieser Zeit eigentlich längst im Stall sein müssten.
Was haben sie zu dieser Zeit noch draußen verloren?!!
Es sind Mutterkühe die jetzt gerade alle trächtig sind und ihre Kälber ohne jeglichen Schutz in den Morgenfrost ablegen.
Mehr über...
Wann müssen Tiere in den Stall? (1)Verantwortlichkeiten (2)Tierschutz auf dem Dorf (1)Ordnungsamt (3)Aussiedlerhöfe (1)
Fast jeden Tag kann man damit rechnen, dass ein neues Kälbchen geboren wird.
Bei Wind und Eiseskälte. Es schert sich keiner drum.
Ob die Jungen diese Temperaturen überleben scheint wohl keinen zu interessieren.
Die große Herde, die mindestens 17 Tiere umfasst, hatte ich letztes Jahr, wenn es denn dieselben sind - auch schon direkt vor meinem Schlafzimmerfenster auf der eingezäunten Wiese.

Von dort brachen sie am frühen Morgen aus, weil sie kein Wasser hatten, die Tränke - wahrscheinlich war das Wasser darin eh angefroren - stand außerhalb des Geländes und die Tiere suchten sich aus einer alten verrosteten Badewanne die dornenverhängt direkt neben unserem Grundstück stand, verfaultes Brackwasser angefüllt mit Dornen und Laub, bis ich sie mit 10 Ltr. Eimern am Mittag mitten auf der Straße tränkte.
Als ich herum telefonierte um zu erfahren wem die Tiere gehörten, damit sie wieder eingefangen werden können, dauerte es bis zum späten Abend bis sich überhaupt jemand blicken ließ.

Auch zu diesem Zeitpunkt wurde fast jeden Tag ein Kalb geboren,
auch zu dieser Zeit hatten wir strengen Bodenfrost,
auch zu dieser Zeit stand ein Junges außerhalb des eingezäunten Areals und schrie, und keiner kümmerte sich tagelang darum dass es nicht zurück zu seiner Mutter fand.

Muss das wirklich sein, dass die Aussiedlerhöfe so mit ihren Tieren umgehen und keiner kümmert sich drum?
Ich hatte es gemeldet, weil ich mir diesen Zustand wirklich nicht mehr ansehen konnte..
Es tat sich nichts, außer dass die Herde ein paar Tage später auf eine andere Wiese verlagert wurde.
Ich finde es einen Skandal wie auf den Dörfern zum Teil mit dem Begriff "Tier " umgegangen wird und bin immer wieder, jedes Jahr auf’s neu entsetzt, wie wenig der Tierschutz doch greift.
Es fühlt sich keiner verantwortlich einzuschreiten!
Für jeden Tierfreund ist es ein quälender Anblick.

© Angelface

am Tag scheint die Sonne, Nachts ist's bitterkalt
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noch finden sie Futter, doch morgens ist das Gras gefroren
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bald kommt Schnee und Eis, wielange müssen wir dies Mal draußen bleiben?
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Kommentare zum Beitrag

Dr. Tim Mattern
629
Dr. Tim Mattern aus Wettenberg schrieb am 26.10.2010 um 12:57 Uhr
Hallo Frau Petri,

um ihre beiden Fragen auf die Schnelle zu beantworten: In beiden Fällen ein klares „jain“:

Muss das wirklich sein?
Ja – Winteraußenhaltung von Rindern ist tiergerecht, wenn sie richtig gemacht wird
Nein – Zustände ohne ordnungsgemäße Versorgung der Weidetiere müssen und dürfen nicht sein, egal zu welcher Jahreszeit.

Sind Mutterkühe Winterüberlebenskünstler?
Ja – wenn sie sich auf den Winter einstellen können und alles haben, was gebraucht wird
Nein – wenn sie von jetzt auf gleich vom warmen Stall auf die Weide gestellt werden, es an Futter und Wasser und Windschutz fehlt.

Nun die Langfassung:
Grundsätzlich gesehen, bei richtiger „Anwendung“, ist die ganzjährige Außenhaltung für die Kühe viel besser. Früher hat man sie in enge Ställe gesteckt, jede Ritze zugestopft, damit es keine Zugluft gab. An den Wänden lief das Kondenswasser herunter, die Kühe waren Krankheitsanfällig, die Kälber bekamen Grippe. Auf der Weide passiert so etwas nicht, die Tiere sind robuster. Natürlich darf man keine Tiere draußen lassen, die vorher schon krankheitsanfällig waren. Heute werden moderne Ställe für Milchkühe als „Außenklimaställe“ gebaut, um eben bessere Durchlüftung und gesünderes Stallklima zu erzeugen.
Rinder haben eine hohe Stoffwechselleistung und einen entsprechenden Wärmeüberschuss. Am wohlsten fühlen sie sich bei Temperaturen zwischen 5 und 15°C, verkraften dabei Kälte besser als wärmere Temperaturen. Auch die Kälber vertragen Kälte recht gut, wichtig ist nur, dass das Muttertier das Neugeborene sofort trockenleckt. Empfehlenswert ist hier aber eine Hütte, in die sich die Kälber auch vor den großen Herdenmitgliedern zurückziehen können. Bei einer Körpertemperatur von 39°C friert die Milch in den Zitzen gewiss nicht ein. Würde man ihnen über Nacht eine Decke überwerfen – sie würden schwitzen und am Morgen, wenn die Decke weggenommen wird anfangen zu frieren.
(Man darf von seinem menschlichen Empfinden her schlichtweg nicht auf das Empfinden der Tiere schließen, vom Schlafbedürfnis angefangen bis hin zur Wohlfühltemperatur! Rehe – auch Wiederkäuer-, Vögel, Füchse sind auch das ganze Jahr über draußen, nur dass diese nicht abhängig von einem Futtergeber sind.)
Sind die Rinder das ganze Jahr über draußen, wächst ihnen ein dickes Winterfell. Das Fell hält Kälte und Regen ab. Das beste Zeichen, ob das Fell gut isoliert ist es, wenn der Schnee auf dem Tier liegen bleibt ohne zu schmelzen. Problematisch ist nur, wenn Wind und Regen gleichzeitig auftreten – der Wind den Regen in das Fell drückt. Dafür ist eine im Fachjorgon „Wetterschutz“ genannte Einrichtung erforderlich. Das muss keine Hütte sein (bei Rindern mit Hörnern ist der Individualabstand meistens so groß, dass gar nicht alle in eine noch so große Hütte reingehen würden), es genügt eine Wand (z. B. aus Strohballen) oder auch eine dichte Hecke oder Böschung. Dazu muss bei jeder Tierhaltung natürlich der Zugang zu Futter und Wasser gewährleistet sein. Vorübergehende Unterbrechungen gibt es aber überall, sei es dass der Wellensittich mal sein Wasser ausgetrunken hat und es nicht sofort nachgefüllt wird oder die Rinder auf der Weide noch ein paar Stunden warten müssen, bis es auf die nächste Koppel geht. Wenn das Wasser auf der Weide über Nacht mal einfriert macht das nichts, wenn es denn morgens wieder zur Verfügung gestellt wird und die Tiere sich tagsüber satt saufen können.
Die „normale“ Weidesaison geht üblicherweise bis Anfang November. Aber bis Ende Dezember bieten die Weiden i. d. R. noch Futter mit guter Qualität, lediglich die Aufwuchsmenge ist oft nicht mehr so hoch. Das muss dann durch entsprechende Koppeleinteilung passend gemacht werden. Spätestens ab Januar muss dann zugefüttert werden, weil das Gras auf der Weide von Pilzen befallen oder unterm Schnee vergraben wird.

Für den von Ihnen geschilderten Fall gilt aber: Das ist so nicht in Ordnung. Ein Tierhalter muss dafür Sorge tragen, dass die Tiere Futter und Wasser und besagten Witterungsschutz zur Verfügung haben. Wenn die Tiere ausbrechen muss er sich darum kümmern, dass alles in Ordnung gebracht wird. (Je nach dem wo man sich gerade aufhält ist man aber nicht immer zwei Minuten nach dem Anruf vor Ort.)

Die Uni Gießen (ehem. Professur für Grünlandwirtschaft und Futterbau) hat zu diesem Thema lange Zeit geforscht (und auch ich habe mein Scherflein dazu beigetragen). Viel Literatur zu verschiedenen Aspekten der Winterweide finden Sie u. a. unter diesen Links

http://de.wikipedia.org/wiki/Winterau%C3%9Fenhaltung
http://www.uni-giessen.de/gruenland
Angelika Petri
1.756
Angelika Petri aus Mücke schrieb am 26.10.2010 um 13:15 Uhr
Vielen Dank Ihnen lieber Dr.Mattern - für Ihr Interesse zu meinem Beitrag.
Er ist in seiner Schilderung gewiss nicht überzogen -
meine Frage bezüglich der Tierhaltung bezog sich in erster Linie auf die artgerechte Haltung ( ordnungsgemäßige Versorgung ) - Wetterschutz kennen die Bauern hier nicht!
selbstverständlich ist mir klar, dass die Halter nicht jederzeit nach ihren Tieren schauen können, obwohl der Hof nur knapp 2 Kilometer entfernt liegt; - aber tagelange Nichtversorgung sollte, darf in meinen Augen auch nicht sein und dies ist hier zweifelsohne gegeben!
Wir haben schon gefangene Tiere aus den Zäunen befreit, Junge wieder ins Areal getrieben, getränkt wenn kein Wassertankwagen auf den Wiesen stand und manch einem Tier beim sterben zugesehen.
Von Zufütterung zu irgendeinem Zeitpunkt im Winter war nie etwas auch nur ansatzweise zu sehen.
das dürfte wohl nicht im Sinne vom Tierschutz sein.
Dr. Tim Mattern
629
Dr. Tim Mattern aus Wettenberg schrieb am 26.10.2010 um 18:24 Uhr
"tagelange Nichtversorgung darf auch nicht sein"

Da haben sie völlig recht! Es geht zwar immer mal was schief, aber die regelmäßige Grundversorgung und Betreuung muss gewährleistet sein.
Angelika Petri
1.756
Angelika Petri aus Mücke schrieb am 26.10.2010 um 19:59 Uhr
Und: was raten Sie mir zu unternehmen?
Die Tiere sind beispielsweise ohne jegliche Wasserversorgung auf dem eingezäunten Areal.
ich bin es heute wiederholt abgegangen.
Ein Gespräch mit dem Halter bringt keine Veränderung außer Ärger.
Wie lange soll man sich das anschauen?
Dr. Tim Mattern
629
Dr. Tim Mattern aus Wettenberg schrieb am 27.10.2010 um 11:04 Uhr
Zuständig ist hier das Veterinäramt bzw. ggf. auch die Untere Naturschutzbehörde. Die müssen tätig werden und können bei derartigen Dauerzuständen auch empfindliche Strafen verhängen.
Ilse Toth
33.270
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 19.11.2010 um 13:55 Uhr
Hallo Angelika, ich habe gerade erst diesen Bericht gelesen.
Ich stimme Herrn Mattern zu, dass eine ganzjährige Freilandhaltung für die Tiere viel besser ist. Aber eines sollte eine Selbstverständlichkeit sein- die Tiere müssen ausreichend Futter, Wasser und Witterungsschutz haben.
Und man muss täglich mindestens einmal nach ihnen schauen. Bitte schreibe an das Vet. Amt in Giessen, Herrn Dr. Schünemann oder Herrn Dr. Scherm. Oder rufe an! Das Amt ist zuständig für Tierschutz. Ehrenamtliche Tierschützer sind Privatpersonen ohne jeglich Kompetenzen. Wir können nur mit den Tierbesitzern sprechen , sie auf gesetzliche Anforderungen aufmerksam machen und an ihre Vernunft appellieren. Auflagen und Fristüberwachung ist die Aufgabe des Amtes.
Angelika Petri
1.756
Angelika Petri aus Mücke schrieb am 19.11.2010 um 16:10 Uhr
vielen Dank liebe Ilse, die Tiere sind jetzt schon seit einiger zeit oberhalb meines gesichtsfeldes auf andere Wiesen verlagert worden, im Moment haben sie auch Wasser in ihrer Tränke, ich werde die Lage weiter im Auge behalten, einen Witterungsschutz gibt es natürlich nach wie vor nicht, aber das Wetter ist ja auch momentan "gut" und die Kälber wachsen und gedeihen.
Wenn es mir erforderlich scheint werde ich deinem Rat folgen.
Ilse Toth
33.270
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 19.11.2010 um 20:11 Uhr
Wenn Du Hilfe benötigst, melde Dich!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Angelika Petri

von:  Angelika Petri

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Interessensgebiet: Mücke
Angelika Petri
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