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"Olympia ist immer etwas Besonderes"

Buseck | Über ihre Erfahrungen mit Peking und den Olympischen Spielen allgemein haben einige erfolgreiche Olympioniken beim Jahresabschlussempfang des Sportkreises Gießen am Dienstagabend im Kulturzentrum am Schlosspark in Großen-Buseck berichtet. Die Moderation des locker geführten Podiums unter dem Titel "Über Peking 2008 hinaus" übernahm dabei Professor Heinz Zielinski, Vorsitzender des Sportkreises. Als Podiumsteilnehmer standen ihm der Gießener Ruderer Jonathan Koch, die Sportschützin Manuela Schmermund (Paralympics-Silber), die Schwimmerin Meike Freitag, der Sportschütze Christian Reitz (Bronze in Peking) und die Hammerwerferin Betty Heidler (amtierende Weltmeisterin) Rede und Antwort - allesamt Athleten, die bei Olympia und auch darüber hinaus schon zahlreiche hochrangige sportliche Erfolge verbuchen konnten.
Im Mittelpunkt des Gespräches stand vor allem die Olympiade im Sommer in China, aber auch die persönlichen Wünsche der Athleten wurden vorgetragen.
Alle Leistungssportler betonten, sie hätten Olympia 2008 aus sportlicher Sicht absolut positiv erlebt. Die Chinesen hätten sich vorbildlich um alles gekümmert,
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kein Bus sei zu spät gefahren und das Olympische Dorf sei ein Traum gewesen. "China hat sich für die Olympischen Spiele geöffnet - hoffentlich geht das weiter in die richtige Richtung", freute sich Schwimmerin Meike Freitag. "Es gibt einmal die Spiele, und es gibt China", sagte Ruderer Jonathan Koch. Da müsse man deifferenzieren. Er habe die gigantischen Spiele erlebt. Was hinter den Kulissen passiere, könne er nicht einschätzen. Auch Manuela Schmermund berichtete von einem bilderbuchmäßigen Ablauf, der allerdings dadurch getrübt worden sei, dass Sie als Rollstuhlfahrerin einige Male nicht mitgenommen worden sei. Auch sei sie vom Umgang mit Körperbehinderten in China allgemein erschreckt: In Peking habe man nicht einen Rollstuhlfahrer gesehen, der kein Sportler gewesen sei. China müsse lernen, zu seinen Menschen, auch denen mit Handicap, zu stehen und mehr Toleranz zu zeigen.
Auch Christian Reitz berichtete von positiven Erfahrungen. "Die Menschen waren sehr freundlich zu mir, und man hat gemerkt, dass das ehrlich gemeint war". Betty Heidler hingegen hat auch ein anderes Gesicht von China gesehen. Sie hat die "Verbotene Stadt" besucht und musste mit ansehen, wie ein Mann, der Flyer verteilen wollte, verwiesen wurde. "Ich kann nur hoffen, dass sich die Chinesen an den Sportlern ein Beispiel nehmen". Alle Podiumsteilnehmer hoffen, dass sich in China durch die Olympiade künftig Einiges verbessern wird.
Zumeist zufrieden zeigten sich die Teilnehmer bezüglich ihrer eigenen Leistungen. "Ich konnte alles abrufen, was drauf hatte", freute sich Ruderer Koch. Betty Heidler hingegen ist ganz und gar nicht zufrieden mit ihrem neunten Platz: "Ich habe nicht ansatzweise meine Bestleistung abgerufen". Die Gründe dafür seien vielfältig - viele kleine Gründe hätten zu ihrem schlechteren Abschneiden geführt. Christian Reitz zieht ein positives Fazit: "Besser hätte es nicht laufen können", sagt der junge Mann, der erstmals an den Olympischen Spielen teilgenommen hat und derzeit Weltranglisten-Zweiter ist. Vom Gefühl her sei der Wettkampf etwas anderes. "Olympia ist immer etwas Besonderes", betonte Meike Freitag, die schon mehrfach an den Spielen teilgenommen hat und derzeit vom Leistungssport "abtrainiert".
Manuela Schmermund gab an, hin und hergerissen zu sein. Auf der einen Seite seien die olympischen Anlagen architektonisch gigantisch gewesen, andererseits sei bei ihr nicht das gleiche Gefühl aufgekommen wie bei den bisherigen Spielen.
Überhaupt - unabhängig von Olympia - "nagt der Behindertensport am Hungertuch", klagte die Sportschützin. In ihren Augen gebe es in Deutschland "nur einen Sport" und bei diesem müsse dringend der Grundsatz der Gleichbehandlung zählen. Man könne nicht erwarten, dass Sportler Profiergebnisse erzielten, wenn man Amateurbedingungen habe. "Wir müssen alle arbeiten und nebenbei trainieren", klagte sie. Häufig sei da die Toleranz des Arbeitgebers gefragt, der den ein oder anderen Freiraum für Trainingszeiten einräume. "Es gibt kein Privatleben mehr, sonst funktioniert der Erfolg nicht", erklärte Schmermund den Zuschauern, wie schwer es Leistungssportler haben.
Christian Reitz kann da froh sein, dass er in die Sportfördergruppe der Polizei aufgenommen wurde. So sei es möglich, die berufliche Karriere mit dem Sport zu vereinen. Statt drei Jahren haben die Absolventen viereinhalb Jahre Zeit, ihre Ausbildung zu absolvieren. "Ohne die Fördergruppe wäre ich soweit nicht gekommen".
Die Motivation für diese Belastung nehmen die Sportler aus konkreten Zielen, die sie sich setzen. "Wenn man ein Ziel erreicht hat, dann entschädigt das für alles andere", so Meike Freitag. Und Betty Heidler ergänzt: "Die schönen Erlebnisse machen einen süchtig nach mehr". Ein Sportler sei in seinem eigenen System "gefangen", berichtete Schmermund.
Von Moderator Zielinski nach ihren Zielen für 2009 gefragt, gaben alle Sportler an, dass die finzielle und berufliche Absicherung Priorität habe. Für Betty Heidler zählt jedoch nach wie vor der Sport: Im August 2009 gilt es für sie, ihren Weltmeistertitel zu verteidigen.

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von:  Sabine Glinke

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Sabine Glinke
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