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Zuständigkeitsbereiche für Blindengeld und Hilfe

Buseck | Blindengeld

Verantwortungsbereiche streiten sich.
Wer – ist für was – wann – zuständig?
Sollten Sehbehinderte mit dieser Frage alleine bleiben?
Das ist meine Frage zum heutigen Tage.

Eine alte Dame, 89 ist sie, sieht nichts mehr, ihr Sehvermögen ist stark eingeschränkt, sie erkennt nichts mehr. Nur noch Umrisse, hell und dunkel, keine Gesichter mehr, Schatten an der Wand, manches ist überhell - überzeichnet sich.
Kein Schriftbild, auch nicht mit Lupe und besonderem Licht.
Kein Fernsehbild
Keine lesbaren Zeilen im Buch
Keine Zeitung, Illustrierte
Sie malt nicht mehr weil sie nichts mehr erkennt,
auf das Hörbuch ist sie längst umgestiegen.
Das Fernsehprogramm bekommt sie am Telefon vorgelesen, dann kann sie wenigstens hören in den langen Abendstunden.
Aber in der Fernbedienung verdrückt sie sich oft, alle verfügbaren Programme muss sie sich nun im Kopf abspeichern und dann: sich ertasten…
kleinere und größere Haushaltsfallen ergeben sich, sie stolpert, ob sie will oder nicht, in sie hinein. Tagtäglich mehr.
Den Herd - obwohl die einzelnen Stufen schon zu ihrer Sicherheit erhöht wurden, stellt
Mehr über...
Zuständigkeitsbereiche (1)Landeswohlfahrtsverband (2)Blindengeld (1)
sie beim Kochen auf Stufe eins, so meint sie, dabei gurgelt die Suppe bei 3 über, das Gemüse, die Kartoffeln brennen oft im Topf an, sie meint, sie macht ihn aus, dabei ist er noch auf Stufe I an, vom Übersalzen, Überpfeffern und Überzuckern der Speisen ist nicht zu sprechen.
Die landen eben dann im Abfalleimer. Die Küche bleibt kalt.
Beim Gehen ist sie noch recht sicher, doch Stufen kann sie nicht mehr sehen, egal wie groß oder klein, man wird gangunsicher, das heißt
Einkäufe werden in Zukunft ohne Hilfe unmöglich sein.
Bei der Bank hat sie längst Vollmachten erteilt, damit ihr die Auszüge vorgelesen werden können.
Sie ist bei all den alltäglichen Verrichtungen damit auf fremde, verlässliche Hilfe angewiesen.
Stundenweise hat sie sie, doch reicht das auf Dauer? Nein
Doch wer zahlt dann die Hilfen?
Essen auf Rädern irgendwann
Die Augenärztin untersucht, stellt den Sehbehinderungsgrad fest, sagt:
„Da ist nichts mehr zu machen, aber meint gleichzeitig es ist noch zu früh, es gäbe kein Blindengeld für sie, das käme für sie nicht in Frage“.
Wer ist nun dafür zuständig, dass dieser alten Dame die benötigte Hilfe zugewiesen werden kann?
An wen wendet man sich
Zur Antragstellung auf Blindengeld dass dann für alles reicht.
Das Versorgungsamt?
Der Landeswohlfahrtsverband?
Die Krankenkasse natürlich nicht, das weiß ja jeder.
Die Pflegestelle ebenso nicht, sie hat Pflegestufe I, Sehbehinderung fällt nicht bei der Beurteilung darunter, angeblich hat das nichts mit der Pflegestufe, der Krankenkasse oder einer zusätzlichen privaten Absicherung zu tun.
.Aber essen muss ja jeder.
Man sagt ja, alte, auch sehbehinderte Leute sollen so lange als möglich in ihrem heimischen Zuhause bleiben,
„so lange es geht“, was immer man damit meint.
Heimplätze sind teuer, da will auch nicht jeder hin.
Nicht jeder ist dafür geeignet, manche sterben und siechen dahin sobald man den alten Baum verpflanzt hat.
Betreutes wohnen wäre eine Alternative, doch da, möchte sie ( noch) nicht hin, denn sie sagt, :ich kann ja noch vieles in meiner gewohnten Umgebung tun“.
Ich taste eben und arrangiere mich, soweit es geht, auch wenn es schwer fällt.
Außerdem hat sie 2 Katzen, die möchte sie noch selbst versorgen und behalten, sie sind nun ihr letzter geliebter Lebensinhalt in den nun leeren und blinden Tages - Zeiten in denen sie früher las und zeichnete, fernsehen sah und sich informierte.


© Angelface

Kommentare zum Beitrag

Stefan Walther
3.935
Stefan Walther aus Linden schrieb am 10.10.2010 um 10:10 Uhr
Hallo Frau Petri,

habe diesen Beitrag jetzt erst gelesen....eine Antwort auf Ihre konkrete Frage "wer ist zuständig?" leider auch nicht!

Es ist fast unglaublich, erschütternd und macht zumindest mich wütend wie mit (auch hier) hilfsbedürftigen Menschen umgegangen wird...
im Alter abgeschoben? allein gelassen? kein Interesse an den Problemen?

ich will keinem "auf die Füsse treten"(!!), aber alle die, die sich zu recht über Hartz IV Sätze und Sozialabbau hier melden und aufregen = diese Situation der oben beschriebenen älteren Frau ist es auch wert, beachtet und kommentiert zu werden, und nicht nur weil es vielen von uns vielleicht auch mal so ergehen könnte !!!

Auch wenn ich keine Antwort zur zuständigen "Behörde" habe: Öffentlichkeit herstellen, das hilft nicht immer, aber immer öfter!
Es nützt zwar meist nur in diesem einen Einzelfall und damit ist das generelle Problem nicht gelöst, aber besser als nichts!?
Bin kein (geborener) Hesse :-)) , aber ich denke ich schreibe es richtig...es gibt da so eine Mglichkeit im hessischen Fernsehen "ebe langt`s!" = und dort wurde schon so einiges erreicht! wäre einen Versuch wert, zu verlieren gibt`s ja nichts...
Angelika Petri
1.756
Angelika Petri aus Mücke schrieb am 10.10.2010 um 10:24 Uhr
lieber Stefan Walther, ich danke Ihnen herzlich für Ihren Kommentar zum Beitrag - den ich versuchte, möglichst "kurz" zu halten und dennoch ansatzweise ein Problem zu beleuchten,
wenn man an gewisse Problemlösungen - egal aus welchem Grund - nicht mehr selbst herangehen kann, resigniert und sich nur noch arrangiert, -müssen, sollten, dürfen eben andere herangehen und versuchen zu helfen, soweit man das kann.
Ich stellte bei meinen Nachfragen fest ,dass einem eher Knüppel zwischen die Beine geworfen werden und man von einer Stelle zur anderen verwiesen wird - Zuständigkeitsbereiche - erschaffen werden die es garnicht gibt und Unwissenheit vorgetäuscht wird, ja man einfach vertröstet wird, als löse sich das Problem von selber - irgendwann,
das tut es ganz sicher, wenn die Patientin stirbt bevor man erreicht hat ihr das restliche Leben etwas leichter zu machen.
Hallo Lieber Leser
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von:  Angelika Petri

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