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Franziskaner sind der Schutzpatron der Tiere, eine wahre Geschichte

ich will überall dabei sein
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Buseck | Immer “meede“

Kommunikationsübermittlungsschwierigkeiten.

Gestern rief mich meine Mutter an und erzählte mir, ihre „Hilfe“ hätte das Pfarrhaus in ihrem Auftrag angerufen und darum gebeten, ob es nicht möglich sei, die alte Dame, - in diesem Fall meine Mutter- , mal am Sonntag abzuholen um sie in die katholische Pfarrkirche zu begleiten.
Jene befindet sich ungefähr drei Straßen weiter.
Meine Mutter ist schwerst augenbehindert und mit ihren 89 nicht mehr allzu gut zu Fuß, versorgt sich aber, bis auf zweimal die Woche eine Hilfe für putzen und einkaufen, soweit noch alleine.
Es klingelte bei ihr zur versprochenen Zeit.
Meine Mutter öffnete mit dem Türdrücker und harrte der Dinge, die da zu ihr kommen sollten.
Ein noch junger, sehr dunkelhaariger und schicker Pater, angetan mit Soutane und dem entsprechenden Überwurf, als wolle er die Sakramente verteilen, stand vor der Tür.
Sie war etwas perplex und stammelte ihn an „ was soll das, ich denke, das sollte ein Gemeindebesuch werden?“
Er kam erst einmal herein, nahm auf ihre Aufforderung hin Platz, errötete etwas und entschuldigte sich wortreich auf halb
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Tierisches (74)nur allzu menschliches (1)Franziskaner Pater (1)den Segen geben (1)
polnisch, halb deutsch, dass man ihm wohl im Sekretariat etwas Falsches ausgerichtet – oder dass er den Auftrag wohl falsch verstanden hätte, schlug beschämt die Augen nieder und fragte sie aber dann doch, ob sie wohl die Beichte ablegen wolle, nun, da er nun schon mal da sei.
Die Kommunion wagte er - unter ihren scharfen Blicken - ihr wohl nicht mehr anzutragen, zwar ist sie fast blind, aber scharf – stechend kann sie noch sehr gut ein“ wenig böse“ blicken.
Zwischenzeitlich wuselte ihr schwarzweißer alter Kater äußerst interessiert um den Franziskaner Pater herum, beschnüffelte ihn kommunikativ freundlich und wollte ihm sogar auf den Schoß springen.
Der Pater bückte sich, streichelte den Kater und murmelte etwas was meine Mutter nicht verstand.
Sie fragte nach was er – der den Tieren wohl näher als den Menschen sei, wohl dem Kater leise ins Ohr geflüstert habe und da erzählte er ihr mit brüchigen Worten, auch er hätte in Polen einen alten Hund, den er heiß liebe, aber wenig zu sehen bekäme und der sei“ immer meede“, was wohl die Bezeichnung für „müde“ darstellen sollte.
Meine Mutter lachte herzhaft auf und dann hatten sie ein sehr fürsorglich seelsorgerisches Gespräch miteinander während sie einen Tee zusammen tranken.
Zum Abschluss des Gespräches fragte er nochmals, ob sie nicht doch die Beichte wolle, er könne sie ihr gerne abnehmen, bedrängte sie aber nicht damit, sondern bot es ihr nur an.

Meine Mutter fand das ganz süß und beruhigte ihn, dass sie, seit der letzten Beichte nur kleinere Verfehlungen und keine allzu großen Sünden begangen hätte, bedankte sich und bekam ein Gebet über ihren Kopf hinweg gesprochen.
Dann segnete er sie mit einem gezeichneten Kreuz auf die Stirn, beugte sich zum Abschluss über den neugierigen Kater, der starr und mit großen Hallo wach - Augen auf dem Sessel daneben saß und bekreuzigte diesen ebenfalls.
Dann verschwand er samt seiner wehenden Soutane und Kreuz nicht ohne noch eine segnende Gebärde über ihren Haushalt zu machen..
Jetzt habe ich einen geheiligten gesegneten Kater erzählte sie mir heute unter unterdrücktem Lachen und war ganz stolz darauf, denn jetzt wären sie beide für die große Reise in den Himmel gewappnet und gut vorbereitet ohne Sünde dem Herrgott zu begegnen..
Ist das nicht eine rührende Geschichte?
Die Franziskaner sind doch der Schutzpatron der Tiere.
Das Leben schreibt doch
die schönsten Geschichten.


© Angelface

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Kommentare zum Beitrag

Jörg Jungbluth
5.093
Jörg Jungbluth aus Lollar schrieb am 15.09.2010 um 13:33 Uhr
Das ist eine sehr schöne Geschichte, die mir ein Lächeln herausgelockt hat. Zum einen weil ich mir deine Mutter vorgestellt habe und zum anderen den Geistlichen.

Aber wer sagt das die Kirche nur für uns Menschen da ist. Wenn dann wacht Gott über alle Ledewesen. Und das der Pater die Katze gesegnet hat, spricht für ihn.

Aber eine Frage habe ich noch. Lebt deine Mutter hier im Kreis Gießen oder weiterweg?
Angelika Petri
1.754
Angelika Petri aus Mücke schrieb am 15.09.2010 um 13:41 Uhr
lieber Jörg, meine Mutter lebt in Kirchhain, das ist zwar nun nicht gerade um die Ecke, d.h. ich brauche eine knappe 3/4 Stunde quer über die Dörfer, je nach Verkehr - bin also bei solch überraschenden Excursionen nicht immer dabei, ja - auch mich hat diese Geschichte gemeinsam mit ihr, sehr belustigt aber auch gefreut, dass die Zuwendung so nett kam.
Auf jeden Fall, bei all der Auf und Anregung ist es eine amüsante Episode in ihrem mittlerweile dunkler werdenden Alltag, der uns beiden sehr weh tut..
ich danke dir für deine netten Worte zum Beitrag.
Doris Kick
3.565
Doris Kick aus Hungen schrieb am 15.09.2010 um 17:49 Uhr
Das ist ja eine nette Geschichte, auf jedenfall ist ein Pater vorbei gekommen und Deine Mutter samt Kater, hatten ein schönes Stündchen Privatgottesdienst.. :-))
lg. Doris
Angelika Petri
1.754
Angelika Petri aus Mücke schrieb am 15.09.2010 um 19:19 Uhr
liebe doris, ja stimmt, hab dank für deinen Kommentar...und fürs lesen meiner Geschichte...
ich sag ja, die nettesten, skurrilsten und manchmal auch heitersten schreibt tatsächlich das Leben, es muss nur einer kommen und sie aufschreiben...lacht...liebe Grüße Angel...
Ilse Toth
33.256
Ilse Toth aus Heuchelheim schrieb am 15.09.2010 um 21:51 Uhr
Das haben Sie sehr schön geschrieben. Stimmt Frau Petri, das Leben schreibt in der Tat die tollsten Geschichten!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Angelika Petri

von:  Angelika Petri

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Interessensgebiet: Mücke
Angelika Petri
1.754
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