Bürgerreporter berichten aus: Buseck | Überall | Ort wählen...

Servicewüste Deutschland... oder die unendliche Geschichte Teil 37

Buseck | Es passiert jeden Tag, jedem von uns.. Aber manchmal geht diese Servicewüste einfach zu weit! Man steht im Supermarkt oder Schnellrestaurant in einer nicht endenden Schlange, trotzdem ist nur eine Kasse besetzt, an der natürlich jemand arbeitet, der sich gerade in der Einarbeitungsphase befindet.

Oder man möchte in irgendeinem Geschäft eine Beratung und sucht eine(n) der vielen gut ausgebildeten Fachberater/innen. Klar, die verstecken sich zwischen Grünpflanzen, Pulloverstapeln oder hinter großen Plasmadisplays... jedenfalls muss man mindestens fünfzehn Minuten verzweifelt durch den ganzen Laden laufen, bis man, wenn man Glück hat, jemanden findet, der, wenn man gaaaaaaaaaanz großes Glück hat, auch noch für die Abteilung zuständig ist.

Nun gut, man übt sich also in solchen Situationen in Geduld und ärgert sich aber gleichzeitig, dass man selbst im Berufsleben immer versucht, zehn Dinge auf einmal zu machen und niemanden warten zu lassen. Und besonders, dass man selbst zu sehr unfreundlichen und unverschämten Menschen immer noch freundlich und höflich bleibt. Auch das scheint nämlich nicht mehr üblich zu sein in vielen Fällen.

Mehr über...
Ärger (2)Supermarkt (7)Servicewüste (1)Kundenorientierung (3)
Aber dann gibt es Situationen, in denen würde man am Liebsten platzen. Jetzt und sofort!!! Sie möchten ein Beispiel dafür?
Brandaktuell steht ein großer Supermarkt im Schiffenberger Tal auf Platz eins meiner persönlichen Schwarzärgercharts. Jener hat diese Woche ein alkoholisches Getränk 20% günstiger im Angebot. Da jubelt das Partyherz, erstrecht, wenn eine größere Feier ansteht. Also begibt man, bzw. frau sich dienstags mit dem Auto (30 Flaschen transportiert man leider nicht mit Bus und Bahn) Richtung Gießen. Selbstverständlich steht man dann vor einem ausgeräumten Flaschenregal in der Spirituosenabteilung. Na gut, denkt sich der durchschnittlich intelligente Mitteleuropäer, irgendwo ist sicher jemand, der mir da weiterhelfen kann. Vielleicht steht ja im Lager noch Nachschub? Man hält Ausschau nach einem Mitarbeiter der Abteilung... man ruft ganz leise "hallo...", aber es antwortet einem nur ein noch leiseres Echo aus den leeren Gängen. Aber an der nächstgelegenen Kasse wird einem sicherlich weitergeholfen! Eine sehr freundliche Dame ruft auch umgehend an der Information an. Von dort erklingt dann über den Lautsprecher eine freundliche Stimme, die einen Mitarbeiter der Spirituosenabteilung zur Kundenberatung ruft. Also wartet man als Kundin brav in der Abteilung (sehen Sie eigentlich den Uhrzeiger, der unaufhörlich weiterrennt, während um mich rum sich nichts bewegt?). Nach zehn Minuten klopft man noch einmal ganz leise bei der nächstgelegenen Kassierin an, die einem rät, vielleicht selbst zur Information zu gehen. Klar, die liegt ja nur einen Katzensprung entfernt auf der anderen Seite des Marktes... kein Problem.. wir sind ja sportlich. An der Information angekommen, wartet man natürlich brav, bis man an der Reihe ist. Waren ja lediglich 2 Reklamationen vor mir, für die gefühlte zehn Papiere ausgefüllt werden müssen, bis man das Geld zurück bekommt. Schnarch. Huch, ich bin schon dran? Nun erzählt man der Dame an der Information den bisherigen Leidensweg. Diese erinnert sich, dass sie den zuständigen Mitarbeiter vor einiger Zeit schon ausgerufen hat und entschuldigt sich für das Fernbleiben mit den Worten: "Sicher ist der Herr noch am Telefon, er wird aber gleich in die Abteilung kommen." Na dann mal zurück dahin sprinten, nicht, dass wir den heiß erwarteten Mitarbeiter noch verpassen. Mit leichten Schweißperlen auf der Stirn vor dem noch immer geplünderten Regal angekommen, fühlt man eine erste kleine Welle Unmut aufkochen. Weitere 10 Minuten später schnaubt man dann mit den Worten "Sie wollen scheinbar nichts verkaufen... mal sehen was die Geschäftsleitung dazu sagt... vielleicht sollte ich es telefonisch versuchen...und vielen Dank für Ihre Bemühungen, Sie können ja nichts dazu, dass Ihre Kollegen nichts arbeiten" an der armen Kassiererin vorbei, die sich wirklich bemüht hat, einem weiterzuhelfen.
Im Auto holt man dann Trick 17 aus dem Zauberhut. Mobiltelefone sind wirklich eine tolle Erfindung! Und kaum zu glauben, am anderen Ende der Leitung natürlich zuerst die obligatorische Bandansage: Herzlich Willkommen bei ****, bitte warten Sie, Ihr Anruf wird gleich entgegengenommen. Dann erklingt üblicherweise eine qualitativ nicht hochwertige Klassikmelodie, die man, bis eine menschliche Stimme antwortet, schon als Ohrwurm für die nächsten drei Tage abgespeichert hat. Bei diesem Markt allerdings erklingt ______. Richtig, quasi gar nichts. Vielleicht in der Hoffnung, man legt wieder auf, wenn nur lange genug (mindestens drei Minuten) einfach nichts zu hören ist. Aber da hatten Sie die Rechnung ohne Festnetzflatrate gemacht. Nach einiger Zeit hat man dann eine überdurchschnittlich freundliche, tatsächlich menschliche Stimme am anderen Ende der Leitung. "Wie kann ich Ihnen helfen?". Fraglich, ob mir noch zu helfen ist... "Guten Tag, können Sie mich bitte mit der Spirituosenabteilung verbinden?"... "Einen Moment bitte"... "Ähm, wäre es vielleicht möglich, dass Sie in ca. 10 Minuten noch einmal anrufen, der zuständige Herr kommt erst um drei Uhr?" WAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAS?????????? Irgendwie wechselt meine Gesichtsfarbe spontan auf puterrot! Darf ich mir bitte spätestens jetzt einfach nur noch verkackeiert vorkommen? Eben, als ich noch in natura vor der netten Dame, die ich jetzt am Telefon hatte, stand, hieß es, der gute Mann sei am Telefon und käme sicher sofort danach in die Abteilung! Und jetzt will die gute Frau mir erzählen, ich habe 30 Minuten auf einen Mann gewartet, der eigentlich erst 45 Minuten später im Haus ist und seinen Dienst antritt?!? Na gut, getreu dem Motto "wer veräppelt jetzt hier wen?" rufe ich natürlich 10 Minuten später wieder an und habe nach einigem Warten und Durchfragen tatsächlich den bisher abhanden gekommenen zuständigen Mitarbeiter der Abteilung am Ohr. Der sagt, am nächsten Tag so am späten Nachmittag sei die gewünschte Ware wieder erhältlich und notiert sich sogar meine Bestellung, damit die gewünschte Anzahl an Flaschen zurückgelegt wird. Prima, geht doch!
Denkste...
Am späten Mittwoch Nachmittag stehe ich wieder in den menschenleeren Gängen. Das fühlt sich an wie Murmeltiertag!!! Wieder kein Mitarbeiter.. diesmal ein nicht ganz so fitter Kassierer in der Nähe.. aber gut, auch er ruft an der Information an.. wieder die nette Stimme aus dem Lautsprecher... und dann wieder... NIX. Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah!
Ganz ruhig bleiben. Der Kassierer ruft sogar noch einmal an der Information an, was mir den schweißtreibenden Ritt durch den gesamten Markt erspart. Und dann, nach nur 20 Minuten.. unglaublich: der zuständige Abteilungsmitarbeiter in natura vor mir! Mir verschlägt es fast die Sprache (und das will echt etwas heißen). Dann mal schnell erklärt, wer ich bin und dass für mich bestellte Ware im Lager stehen müsste. Er erinnerte sich sogar an mich, wow! Mit den Worten "ich seh mal nach" verschwindet der Mitarbeiter im Lager... um mit dem Satz "ich möchte Sie eigentlich nicht enttäuschen, aber..." zurückzukommen. Kurz: Keine Ware! Macht ja nichts, ich habe sowieso zu viel Zeit und Benzin kostet ja nichts heutzutage! Auf Nachfrage meinerseits bekomme ich immerhin die Möglichkeit eröffnet, an der Information (oh nein, doch wieder quer durch den Markt!) meine Telefonnummer zu hinterlassen. Dort angekommen, wieder nur zwei Reklamationen vor mir. Prima. Dann noch einmal meine lange Leidensgeschichte der Dame mit der netten Stimme erzählt... "Das war aber mutig, von unserem Mitarbeiter, dass er sie für den nächsten Tag bestellt hat. Bestellt heißt ja nicht, dass die Ware auch da ist..." BITTE?!?! Jetzt weiß ich wirklich nicht mehr, wer hier gerade wen veräppelt... Oder komm nur ich mir doof vor?
Noch schnell meine Daten hinterlassen... mal sehen, wann die nette Stimme von der Information mir mitteilt, dass die Ware zwar mittlerweile nicht mehr im Angebot ist, aber ich sie trotz des abgelaufenen Haltbarkeitsdatums dennoch abholen kann?!

Ich hoffe, dass der ersehnte Anruf noch in diesem Leben erfolgt.. denn mindestens eine der dreißig Flaschen brauche ich schon, um diesen Ärger herunterzuspülen!

Irgendwie stelle ich mir unter dem Wort "Kundenorientierung" etwas anderes vor..

Fortsetzung folgt...


...übrigenes ist der ganze Spaß jetzt schon 2 lange Wochen her... und ich warte bisher vergeblich auf den Anruf.. zum Glück hält sich Alkohol ja ein bisschen... (****Saftladen!***)

Kommentare zum Beitrag

Sabrina Möser
170
Sabrina Möser aus Buseck schrieb am 06.11.2009 um 19:54 Uhr
...ganz ehrlich? Als ich heute in dem Saftladen anrief um mal zu hören, ob das in diesem Leben noch was wird, musste ich mich schon sehr beherrschen, als dies verneint und mit unfreundlichen, fadenscheinigen Ausreden kommentiert wurde...
Sabrina Möser
170
Sabrina Möser aus Buseck schrieb am 06.11.2009 um 21:46 Uhr
Da gibt es noch mehr was helfen könnte, aber diese dunklen Gedanken verdrängen wir doch besser ;-)
754
Peter Kirch aus Gießen schrieb am 07.11.2009 um 12:50 Uhr
Ich habe nicht den geringsten Zweifel an Ihren Schilderungen haarsträubender Zustände in Deutschlands Servicewüsten. Und das Schlimme daran ist die Tatsache, dass sich niemand schuldig fühlt.
Trotzdem ein kleines Beispiel dafür, dass es auch anders geht.
Ich habe in meiner Heimatstadt Lich ein Verkehrsschild moniert und meine Meinung dazu dem Magistrat mitgeteilt. Nach kurzer Zeit erhielt ich die Mitteilung, dass sich dann und dann eine sog. Verkehrsschau mit der Beschilderung befassen werde. Na ja, war mein erster Kommentar. Der Termin stand und - ich bekam kurz darauf mit Mitteilung, dass mein begründeter Wunsch nicht nur akzeptiert sei, sondern auch realisiert werde. Und drei Tage später war das neue Schild an der richtigen Stelle montiert. Man sieht also, dass es auch Oasen in der Servicewüste gibt.
Vielen Dank, Stadtverwaltung Lich!
Sabrina Möser
170
Sabrina Möser aus Buseck schrieb am 09.11.2009 um 11:54 Uhr
Dass ausgerechnet eine Stadtverwaltung eine Oase ist, ist bemerkenswert :-). Aber die Stadt Lich ist auch mir positiv in Erinnerung geblieben. Nicht umsonst haben wir als Abijahrgang der Gesamtschule Hungen 2001 unseren Abiball nach Lich ins Bürgerhaus verlegt, nachdem sich die Stadt Hungen unnacharmlich unkooperativ zeigte :-)
Simone Hofmann
71
Simone Hofmann aus Hungen schrieb am 10.11.2009 um 14:15 Uhr
Letztlich ist es doch schön, dass es eben in Ämtern und der freien Wirtschaft auch positive Beispiele gibt. Leider sind die oft in der Minderheit oder man nimmt eine nette Behandlung als allzu selbverständlich hin. Sicherlich ist es für Verkäufer/innen nicht immer leicht, mache Kunden sind einfach unmöglich, Geiz ist leider manchmal viel zu geil und jeder trägt ja auch seine ganz eigenen Probleme mit zum Arbeitsplatz (Kind krank, Angst um den Job wegen der Wirtschaftskrise). Außerdem wird überall gespart, eine Angestellte, die kassieren, Ware auffüllen, den Laden putzen, das Fenster mit neuesten Werbeangeboten dekorieren soll kann sich eigentlich gar nicht mehr um Kundenwünsche kümmern (von Beratung will ich gar nicht sprechen). Ob der immense Druck von oben allerdings der langfristige richtige Weg sein kann, das wage ich zu bezweifeln. Denn wenn ich beim Betreten eines Ladens schon einen genervten Blick ernte und mich als Störfaktor Kunde empfinde, macht Einkaufen keinen Spass, man verlässt den Laden schnellstmöglich und außer gespartem Geld und Frust bleibt nix. Deshalb an dieser Stelle mal ein respektvolles Lob, für all jene, die den Faktor Service im Job wirklich ernstnehmen und auch in stressigen Situationen gelassen und freundlich bleiben, das wirkt sich auch positiv auf die Menschen jenseits der Ladentheke aus!
Sabrina Möser
170
Sabrina Möser aus Buseck schrieb am 17.11.2009 um 22:09 Uhr
Es darf echt nicht wahr sein... es rührt sich keiner von diesem Saftladen...
Sabrina Möser
170
Sabrina Möser aus Buseck schrieb am 30.11.2009 um 11:30 Uhr
Möchtet Ihr wissen, wie diese Geschichte ausgegangen ist?
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Sabrina Möser

von:  Sabrina Möser

offline
Interessensgebiet: Buseck
Sabrina Möser
170
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Auf die Bänke, fertig, los… heißt es beim zweiten großen Zeltfest am Aartalsee
Der Kartenvorverkauf läuft bereits auf Hochtouren und bald ist es...
Die Dorfrocker rocken im März den Aartalsee
Wo sie hinkommen, geht die „Lutzzzi“ ab, und am Samstag, den 15. März...

Weitere Beiträge aus der Region

Mit dem Schwertschlag begrüßt Barbara ihre Jünger
Raketenartilleristen feiern den Barbara-Tag
Traditionell trafen sich ehemalige Gießener Artilleristen um das Fest...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.