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Gründer der Helios-Kliniken liegt falsch

von Ulrich Nassam 23.01.2021746 mal gelesen6 Kommentare
Buseck | Problematische Überlegungen zur Covid-19 Pandemie liefert der Arzt und Gründer der Helios-Kliniken Dr.Lutz Helmig im Interview mit der Gießener Allgemeinen. Schon im ersten Satz erklärt er, seine persönlichen Berechnungen zu den Infektionen in Berlin im letzten Frühjahr seien informativer gewesen als vergleichbare Analysen des RKI.

Die mit Überzeugung vorgetragenen Berechnungen zur Sterblichkeit durch Covid-19 irritieren vor dem Hintergrund, dass wir alle leider doch gemeinsam erleben, dass viele bisherigen Erkenntnisse zum Virus fast täglich korrigiert werden müssen.
Die aktuell diskutierten Mutationen erhöhen zusätzlich die Komplexität der Risiken über alle Altersgruppen hinweg und das individuelle Risiko mit 30 Jahren oder mit 70 schwer zu erkranken unterliegt vielen verborgenen Variablen. Was ist mit Reinfektionen ?

Sicher scheint inzwischen, das jüngere Menschen stärker zur Virusverbreitung beitragen als die 'Alten'. Helmigs Ruf nach Beendigung aller Lockdown-Maßnahmen, nach schneller Öffnung von Kinos, Restaurants, Hotels, etc. für unter 50jährige im Februar oder März, wenn die über 80jährigen geimpft sind, zeugt leider von einer verharmlosenden Sicht auf das Virusgeschehen . Das ist gefährlich.

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Covid-19 wird trotz Impfung bis auf weiteres noch einige Monate sehr gefährlich bleiben. Prognosen bleiben äußerst unsicher. Man schaue nach England, Portugal, Irland, Tschechien.

Eine neue Publikation vom 20.01.21 in Lancet ( *) gibt darüber hinaus großen Anlass zur Vorsicht und Sorge. “ Erhebliche Morbidität bei COVID-19-Überlebenden 6 Monate nach Klinikentlassung“(1733 Pat./Durchschnittsalter 57). Erschreckende Langzeitfolgen treten nicht nur bei über 80jährigen auf. Die Langzeitkosten werden hoch sein.

Falsch ist Helmigs Behauptung, eine konsequente Erhöhung der Dosierung und Verlängerung einer Therapie( hier Maßnahmen gegen Corona) seien sinnlos, wenn ein Medikament nicht wirkt. Wahr ist dagegen, eine Binse fast, dass Therapien oft gerade wegen zu geringer Dosierung und zu kurzer Therapiedauer versagen. Es liegt dann nicht am Medikament.

Dass wir bisher keinen Kollaps des Gesundheitssystems erlebt haben hat (cum grano salis) sehr viel zu tun mit vorsichtiger Strategie, Kooperation auf allen Ebenen und Solidarität der Bevölkerung, auch mit Glück.

Ich bin froh, dass in Deutschland bisher besonnene Frauen und Männer über die Maßnahmen gegen die Pandemie entscheiden.
Hellmig formuliert O-Ton FDP. Das überrascht nicht, ist legitim und zum Glück ist das Interview inhaltlich dann lediglich eine nicht mehrheitsfähige 'Minderheitenmeinung'.

Mir persönlich ist da einfach zu viel an Selbstgewissheit, Überschätzung eigener Kompetenz, zu viel Ego.

Ich meine, diese Haltungen sind nicht mehr zeitgemäß.

( * The Lancet ist eine der ältesten und renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften der Welt.)

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.762
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 23.01.2021 um 15:39 Uhr
Herr Nass, kurz zu Ihrem Satz:

(......) "Ich bin froh, dass in Deutschland bisher besonnene Frauen und Männer über die Maßnahmen gegen die Pandemie entscheiden." (.......)

Ist Ihnen mit diesem Satz Ihr Optimismus nicht "durchgegangen".

Zugegeben im Moment ist die Arbeit in verantwortlichen Stellen recht schwierig (oft ein rumtasten im Nebeln), aber ich habe nicht den Eindruck da wird versucht das Problem einfach auszusitzen. So etwas ist - mit Blick auf andere Länder - schon alleine zu loben.

Oder anders ausgedrückt: Wer arbeitet macht auch Fehler. D.h. es gibt ein Latte von Einzelfragen, ob in der Vergangenheit (näheren und aktuellen) es nicht besser gewesen wäre, die oder die Entscheidung (anders) zu fällen. Wir leben schliesslich in einer Demokratie, da ist so etwas regelrecht gefordert.

Die nächsten Wahlen stehen ja an, der Bürger kann spätestens dann die (in seinen Augen) Versager abwählen. Das ist etwa zu allgemein oder zu theoretisch, denn viele Fehler in der Pandemiebekämpfung sind durch die Kapitalismushörigkeit der herrschenden Parteien verursacht. Wo gibt es antikapitalistische Parteien in der BRD? Es wird schwer diese Kräfte auf einen Ruck zu entmachten.

Also was ist der Mehrheit der BRD-Mitbürger damit gewonnen, wenn zurzeit (......) "besonnene Frauen und Männer" (.....) am Ruder sind. Spätestens wenn es darum geht, dass die Kapitalisten auch bluten müssen werden aus den so überschwenglich Gelobten doch ganz kleine Befehlsempfänger der wahren Herrschenden in unserem Land.

Ich lobe auch den politischen Gegner, wenn er etwas richtig macht. Aber Vorschusslobeeren gibts bei mir nicht.
Ulrich Nass
147
Ulrich Nass aus Buseck schrieb am 23.01.2021 um 17:08 Uhr
Zu den Fragen der Pandemie und zum Verständnis des Virus bin ich auf dem Laufenden. Merkel bringt dieses Thema mit viel Sachverstand auf den Punkt. Die Wissenschaftler ihre Vertrauens sind auch meine. Prof. Drosten, Leopoldina, RKI,
Fr. Prof. A. Buyx.
Die Hintergründe zu Kauf und Bestellung der Impfseren sind kompliziert. Linke sollten akzeptieren, dass die Entscheidung als Europa zu agieren moralisch vertretbar ist. Die fürchterlichen Egomanen waren da 'besser'. Trump-Erdogan- Netanjahu, Johnson. In ihren Ländern möchte ich nicht leben.
'Antikapitalistische Parteien' antike Begriflichkeiten, die in der Zeit ihrer Entstehung zutreffend waren. Die moderne Welt lässt sich schlecht beschreiben mit Vokabeln aus der Vergangenheit. Das ist stressig.Wahrscheinlich haben wir viel Übereinstimmung, aber wir kommunizieren in unterschiedlichen Sprachen. und nun Gruß und Schluss
H. Peter Herold
29.489
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 28.01.2021 um 13:17 Uhr
Da wird sehr viel geredet aber das was wichtig wäre, da passiert nichts. Siehe Impfungen. Israel hat schon 50% der Bevölkerung geimpft und auch England scheint schon recht weit zu sein. Nur Deutschland gefangen in den Fesseln der EU hat gerade mal etwas über 1 %. und? Es wird wieder nur geredet. Noch nicht mal alle Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sind geimpft, von den über 80 jährigen ganz zu schweigen.
Bis Sommer hätten alle ein Angebot, sagt die Kanzlerin. Wer nimmt sie beim Wort?
Ulrich Nass
147
Ulrich Nass aus Buseck schrieb am 28.01.2021 um 16:43 Uhr
Handeln lasst sich,blickt man zurück, oft leicht als Fehler erkennen. Das ist nicht neu und manchmal entsteht daraus einfach billige Besserwisserei, gar Schadenfreude. Im Zusammenhang mit Covid-19 gab es sicher falsche Maßnahmen. Wer wollte es bestreiten ? Fast alles war neu. Bis heute überrascht uns das Virus fast täglich. Man mag nicht über worst-case-Szenarien nachdenken.
Ein echtes Wunder ist es, dass wir am Jahrestag der ersten Infektionen in Deutschland schon impfen können. Die derzeitige Diskussion über die Verfügbarkeit der noch knappen Ressource 'Impfstoff' berührt mich auch. Nerv, fürchterliches Gerangel.
Ärgerlich, dass die Dunkelmänner Trump,Netanjahu, Johnson einfach schneller ohne Rücksicht auf Zulassung, Wirkung etc. breit eingekauft haben. Nun gerieren sie sich als Sieger. ( naja Trump is weg )
Man möge sich die Diskussionen hier vorstellen, wenn unsere Regierung mit vollen Händen investiert hätte für Impfseren, für die völlig unklar war, ob sie die Zulassung erhalten würden ??
Der europäische Ansatz bleibt gut, war auf Solidarität ausgerichtet und im nachhinein zu moralisch. Haha, ja. An der derzeitigen Todesstatistik hätte sich gar nichts geändert. Zumindest nicht bis zum jetzigen Zeitpunkt.
Meine Kritik bezog sich ja auch eher auf die Forderung von Helmig, den Lockdown schnell im Februar, oder März zu beenden. Das halte ich nach wie vor für eine surreale Forderung. Kubicki und Lindner 'singen' da die gleiche Arie wie die AfD. Ätzend und aus meiner Sicht unverantwortlich. Prof. Drosten hat bisher wenig zu korrigieren. Er neigt nicht zu populistischen Sprüchen und er ist genau das, wss Wissenschaft ausmacht.
Wir werden sehn was wird. Die Zukunft ist grundsätzlich ungewiss.
H. Peter Herold
29.489
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 28.01.2021 um 18:37 Uhr
Ich würde sagen es dauert noch sehr lange und wird zu großen Schäden im Handel und Industrie führen. Mit Geld vom Bund kann da nichts geregelt werden.
Ulrich Nass
147
Ulrich Nass aus Buseck schrieb am 28.01.2021 um 19:00 Uhr
Komplexität und nichtlineare dynamische Systeme machen jede
Prognose schwer. Diese Erkenntnis hilft zwar nicht, aber sie macht bescheiden.
Schon Frederic Vester hat das 1975 gut in seinem Denken,Lernen,Vergessen' beschrieben. Unsere Welt, der Mensch, Kultur, Staaten ,Ökonomie, Gehirn . . .
äußerst schwer zu simulierende Systeme.
Manchmal liegt man intuitiv richtig, sehr oft auch nicht.
Das ist OK, man sollte das halt immer mit im Blick haben.
Gruß
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