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Washington,Trump, die Welt und wir

von Ulrich Nassam 08.01.2021425 mal gelesen5 Kommentare
Buseck | Menetekel? Die schockierenden Bilder der Stürmung des Capitols in Washington machen deutlich, wohin Verschwörungsdenken, Desinformation, die strategische Diffamierung aufgeklärten Denkens führen können. Wird der öffentliche Diskurs erst zu einer Art Glaubenskrieg, dann wird zunehmend alles möglich.

Wenn Argumente immer weniger zählen, aus Gegnern nach und nach Feinde werden, die Gräben immer tiefer werden, dann naht die (Stern)Stunde der Populisten, Einfachdenker, Zyniker der Macht, der Skrupellosen. Der Weg von Washington nach Berlin ist nicht so weit, wie man aufgrund der geografischen Entfernung annehmen könnte.
Wir alle müssen verstehen lernen, dass wir nicht mehr alles verstehen können in unserer modernen Welt.

Es muss endlich in die Köpfe, dass das Leben ein stetiger Lernprozess sein muss. Wir können vieles aus der Welt der Wissenschaft, die Komplexität von Wirtschaftssystemen, die hoch komplizierte Vernetzungen der existierenden Welt nicht völlig durchdringen. Damit müssen wir umgehen, einfach hartnäckig versuchen, die Muster der Beschaffenheit menschlicher Existenz zu verstehen.
Die Medien, die
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Politik, die Universitäten, die Führungskräfte der Wirtschaft, alle sind aufgefordert, am Prozess des Erkenntnisgewinns teilzunehmen. Die parlamentarische Demokratie bietet dafür großes Potenzial. Jede(r) kann sich tatsächlich einbringen-eine große Chance.

Höchste Priorität haben immer die in der Verfassung formulierten Prinzipien humanistischer Moral. Vernunft bleibt die Basis aller Ethik. Das Handeln wird den anspruchsvollen Prinzipien oft nicht gerecht : die Börse, die Globalisierung, die Umweltzerstörung, die globale Schere zwischen arm und reich, der ungerechte Zugang zu Bildung, die Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, sexueller Orientierung, falsche Mythen etc. - in wichtigen Feldern bleiben wesentliche Ziele unerreicht, sind meist nicht einmal ausformuliert.

Die Folgen dieser moralischen Orientierungslosigkeit zeigen sich weltweit. Die aktuellen Vorgänge in Washington und die Präsidentschaft von Trump sind Beleg für die resultierenden Risiken. Es ist intellektuell zutiefst unredlich, auf Dauer gegen eigene Überzeugungen zu leben.

Man kann nicht den Klimawandel bedauern und gleichzeitig Kreuzfahrten buchen und Steaks essen. Man kann nicht über das beängstigende Waldsterben und die Austrocknung unserer Böden jammern, das globale Abtauen der Permafrostböden beklagen, gegen den Ausbau von Windkraft protestieren und gleichzeitig weiterhin aufgeblasene SUVs fahren, weiterhin zu viele Produkte in Plastik eingeschweißt kaufen, Nahrungsmittel in erschreckender Menge in den Müll werfen.

Wenn die Unterprivilegieren dieser Welt lediglich den Lebensstiel der Wohlhabenden anstreben, dann wird es nicht klappen mit der Rettung des Planeten. Das Versprechen, der technische Fortschritt löst alle Probleme, erweist sich seit mehr als einem halben Jahrhundert als naiv.

Ohne eine gerechtere Verteilung von Wohlstand, eine Reduzierung des Konsums kann es nicht gehen.
Die globale Migration, die Massenflucht vor Kriegen und Klimawandel, stehen in Zusammenhang mit unserer Art zu leben. Dass die materiell Abgehängten, die völlig Machtlosen in der Folge allzu leichtfertig paranoiden Verschwörungstheorien folgen, dummen und zynischen Populisten auf den Leim gehen, kann dann nicht mehr überraschen. Die Spaltung unserer Gesellschaften folgt daraus ebenso zwangsläufig.

Nur eine auf Vernunft und Humanismus basierende Moral kann die Ziele menschlicher Existenz in Übereinstimmung bringen mit den überaus anspruchsvollen Aufgaben, die uns eine globalisierte Welt mit derzeit 8 Milliarden Menschen aufgibt.

Es ist einfach und extrem schwierig zugleich: unsere Vorstellungen und unser Denken entscheiden über unsere Zukunft

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.758
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 08.01.2021 um 12:05 Uhr
Herr Nass Sie schreiben:

(......) "Die parlamentarische Demokratie bietet dafür großes Potential. Jede(r) kann sich tatsächlich einbringen. Das ist eine große Chance." (......)

Kann es sein, dass bei diesem Satz Ihr Optimismus "mit ihnen durch gegangen ist"?

Sicherlich haben Sie recht, wenn sie das geschriebene Wort der BRD-Verfassung zu Grunde legen. Aber wie sieht denn seit Jahrzehnten die Verfassungsrealität aus?

Eine sehr umfangreiche Frage, deswegen hier nur pro Segment der "Machtteilung" eine Frage.

Verwaltung:
Haben sich die Parteien nicht die Verwaltung "unter den Nagel gerissen". Wird nicht sehr oft dort im Sinne der Parteien des herrschenden Blockes - und nicht nach Notwendigkeiten - entschieden?

Justiz:
Meiner Meinung nach gehört zur Demokratie, dass alle Parteien des herrschenden Blockes ausgetauscht werden können. Aber die Organisation der schärfsten Kritiker (KPD) ist in der BRD seit 1956 durch das oberste Gericht verboten und kann an keiner Wahl teilnehmen.

Parlamente:
In den meisten Parlamenten sitzen doch nur noch - egal welche Partei man sich anschaut - "Kopfnicker"; kaum noch Querdenker. Durch die teilweise jahrzehntelange Praxis des Fraktionszwanges (der in der Verfassung nicht drin steht) sind fast nur noch "Absahner" (Mitbürger, welche auf die pauschalen Entschädigungen und / oder auf die Möglichkeit einer Karriere in den Parlamenten und / oder Parteiapparate scharf sind) in den Parlamenten, welche den Kreis der wirklich an Entscheidungsprozessen Beteiligten teilweise auf die Spitzen der Verwaltung in Verbindung mit dem "Rückdeckung holen" mit den Fraktionsvorständen reduziert. Oder kurz: Kontrolle sieht anders aus.
Ulrich Nass
145
Ulrich Nass aus Buseck schrieb am 08.01.2021 um 12:20 Uhr
Da kann ich nicht zustimmen. Sorry.
Ich weiß aus meiner Familie sehr genau, dass die Teilnahme an unserer Demokratie für jeden mit Erfolg möglich ist. Vater, Schwester, meine Frau haben das überzeugend gezeigt. Meine Frau tut es noch heute.
Gruß
Ulrich Nass
Bernt Nehmer
2.744
Bernt Nehmer aus Hungen schrieb am 08.01.2021 um 18:06 Uhr
Herr Nass, Ihren Beitrag als Mist abzutun verbietet Ihr Anspruch an die Demokratie und den Anspruch, etwas ändern zu können. Dennoch glaube ich, dass nur eventuell die ohnehin im Sattel sitzen Äusserungen ausschlachten können um sich fester zu etablieren. Vielleicht doch Mist den Vollgefressene in einer Demokratie lebende, von sich geben?
Ulrich Nass
145
Ulrich Nass aus Buseck schrieb am 08.01.2021 um 18:35 Uhr
Da versagt leider mein Sprachverständnis.
Gruß
Ulrich Nass
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Herzlichst, Ihr(e) Ulrich Nass

von:  Ulrich Nass

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Ulrich Nass
145
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