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von Sparen und Verschwendung

Buseck | Vom Sparen und Verschwendung

So lautete auf Seite 7 der Tageszeitung unter "Region" die Geschichte von Burkhard Bräuning.

Ich werde sie mir aufheben diese Geschichte, sie spricht mir aus dem Herz, denn mein Vater war genauso. Als sein Ableger und Sohn habe ich viel von ihm und auch Teile von meiner Mutter mitbekommen. Sie waren allesamt alte Schule und in den Zeiten groß geworden wo es keinen Überfluss gab. Ich erinnere mich dann auch daran, dass ich später immer wieder hörte, das Geld muss unter die Leute, ich habe es aber nie unter die Leute gegeben, ich habe es in die Geschäfte getragen und habe mir davon was gekauft und mir vorher natürlich auch die Preise angesehen, denn ich hatte kein Geld zum verschleudern, zum Fenster rauswerfen, damit der Wind es unter die Leute verteilt.
Meine Eltern haben mich zur Sparsamkeit erzogen und bestimmt war ich auch manches mal geizig, und dann gab es ja auch die geizistgeil Mentalität. Mein Vater hat immer gesagt, Junge, halte dein Geld zusammen, meine Mutter sagte, spare in der Zeit dann hast du in der Not. Das heißt soviel, wenn du irgendwann mal was haben möchtest , damals eben Deutsche Mark, dann hast du diese und kannst darauf zurückgreifen.
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Und so mache ich es heute noch wenn ich was brauche dann gucke ich erstmal, lese die Testberichte, wenn es für das Produkt einen Testbericht gibt. Dann behalte ich es im Hinterkopf und wenn dann eines Tages das mir angenehme Preisangebot kommt, ja dann schlag ich zu, gnadenlos.
Jetzt im gesetzten Alter sag ich mir, alter Junge, du musst nicht alles haben, aber du kannst!
In jungen Jahren wollte ich viel und konnte nicht und heute habe ich alles was ich wollte und manches sogar im Überfluss.
Dazu kann ich aber nicht sagen ein Messi zu sein, in manchen Garagen sieht es viel Chaotischer aus. Ein jeder Mensch hat eine gewisse Sammelleidenschaft und will Dinge um sich haben, die er sonst vermissen würde.
Mir gibt dies ein Gefühl von Vollkommenheit, ein schließen des Kreises in dem noch eine Öffnung bleibt für weiteres.
Ein paar Dinge müssten entsorgt werden, alles nach und nach, in der Ruhe liegt die Kraft.

Mit friedlichen Wohlgefühl sitze ich in der Sonne und lass mir die Wärme auf den Pelz brennen, es ist Sommer.
Wann machen denn nun wieder die Flohmärkte auf?

Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.669
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 22.06.2020 um 11:08 Uhr
Herr Westrupp; vielen Dank für Ihren sehr nachdenklichen Beitrag.

Einerseits reflektieren Sie ihre Lebenserfahrungen rund ums Thema Konsum und anderseits ist das Thema zurzeit "angesagt" (ja die Lokalzeitungen verbreiten sich in Coranazeiten dazu). Nicht zu vergessen ist die (schon vor Corona wachsende) Small-is-beautiful-Bewegung mit Ihrem (teilweise) Ziel: Ich kann mit 100 Dingen leben.

Wenn ein Mensch aus seinem Leben erzählt, vermischt sich automatisch die eigenen Persönlichkeitsstruktur mit den in der Lebenszeit erlebten Realitäten. Bewusst lebende Menschen reflektieren dabei, ob sie mit ihren Haltungen im "Mainstream" liegen oder nicht. Wer drin liegt hat kein Problem; wer nicht drin ist unterliegt einem gewissen Zwang sich seinem sozialen Umfeld gegenüber (zumindest) zu erklären.

Was ist der "Mainstream" in der bald für beendet werdenden Pandemiezeiten? (Ich finde die Propaganda der Kapitalisten - siehe die Beiträge nicht nur in Lokalzeitungen, sondern auch im TV - ist recht früh angelaufen.) Etwas überspitzt formuliert: Bürger konsumiert was "die Schwarte hergibt", denn die BRD-Wirtschaft muss wieder anlaufen, Menschen brauchen Arbeitsplätze, nur durch Wachstumn ist der jetzige Lebensstandart zu halten ......! (Um das anzuregen, schütten die herrschenden Kreisen in unserem Land Milliardenbeträge an die Bevölkerung aus, damit auch die Mitbürger das Geld dafür haben. Dabei verwenden sie keinerlei Gedanken, dass das Geld unsere Kinder und Kindeskinder auch einmal zurück zahlen müssen; also wir schlicht und einfach die Zukunft der nächsten Generationen "verspeisen".)

Ich empfinde das regelrecht als einen direkt ausgeübten Zwang, dass ich mich so und so (eben kapitalismusfreundlich) verhalte. Warum? Nur die fest in bestimmten politischen Positionen verankerte Menschen sind in der Lage die soziale Kälte der Mitmenschen auszuhalten (volkstümlich ausgedrückt: Wer setzt sich schon ohne Not zwischen die Stühlen), wenn sie aus dem "allseits-anerkannten-Spektrum" herausfallen. Aber Herr Westrupp ich teile aber ihre Einschätzung, dass bei einer Lebenssituation "es hat sich etwas gesetzt" der Verzicht auf bestimmte Konsumgüter für den einzelnen Menschen keine Einbußen seiner Lebensqualität bedeuten muss.

Auf der individuellen Ebene gehe ich davon aus, dass immer größere Bevölkerungssegmente entweder sich den "alten" Konsum nicht mehr leisten können (es gibt die ersten Untersuchungen, dass die Pandemie den Verelendungsprozess der unteren Schichten der Mittelschicht beschleunigt) bzw. (teilweise aus Verschleierungstendenzen heraus) Menschen die Fahne für das "Small-is-beautiful" hoch halten werden. Aber Herr Westrupp, ich teile ihre Einschätzung, dass bei einer Lebenssituation "es hat sich etwas gesetzt" der Verzicht auf bestimmte Konsumgüter für den einzelnen Menschen keine Einbußen seiner Lebensqualität bedeuten muss.

Schwieriger finde ich im Moment eine Einschätzung zu formulieren, wie die aktuelle Entwicklung sich auf den Weiterbestand des Kapitalismus auswirken wird / muss. Geschenkt, die herrschenden Kreise fördern nicht nur dieses Wirtschaftssystem nach Kräften, sondern sie treten ganz offen als Strukturförderer auf (siehe die gerade in der Pandemie mit einem endlosen Geleier vorgetragene leere Formel: BRD hat die Digitalisierung verschlafen - wir als Staat sind in der Pflicht "unsere" Wirtschaft eine moderne technische Struktur hinzustellen).

Wird das reichen? Kann ich nicht beantworten - ich bin Maurer und keine Wirtschaftswissenschaftler. Aber ich zweifele. Gut durch Vergrößerungen des Absatzmarktes schaffen es die Kapitalisten immer wieder höhere Gewinne einzufahren. Aber im letzten Winkel kannst du Coke kaufen und für dein Spielzeug in der Hand hast du selbst im letzten Winkel von Thailand Empfang. Sprich die Welt ist fest in der Hand der Kapitalisten (die letzten nichtkapitalistischen Inseln sind so klein, die sind ohne Bedeutung) aber es gibt keine Mondmännchen, denen die Kapitalisten etwas verkaufen können. Also müssen Konsumgüter weniger lang halten. Sprich die Abfallhalden quellen über. Dazu kommt (spätestens seit 1972 - Bericht des Club of rome), dass klar ist, dass bei der momentanen Bevölkerungsexplosion irgendwann die Natur kaputt ist bzw. die Energie- und Rohstoffe dafür nicht mehr da sind.

Ich komme vom Thema ab ..... oder auch nicht: Ja Herr Westrupp es wird Zeit, dass Garagen, Keller und Dachböden entrümpelt, die gefundenen Sachen zum Flohmarkt geschleppt und so einer Weiternutzung zugeführt werden.
Elke Jandrasits
1.338
Elke Jandrasits aus Buseck schrieb am 22.06.2020 um 15:47 Uhr
Ich habe diesen Artikel auch gelesen, er regt zum Nachdenken an. Und man sollte sein eigenes Verhalten wie der Autor Burkhard Bräuning immer wieder selbstkritisch überprüfen.

Schön auch die Ankündigung der Zeitung, in nächster Zeit verschiedene Artikel zum Thema Klimawandel zu veröffentlichen.

Herr Wagner, ihr Kommentar geht in eine ganz andere Richtung, vielleicht sollten Sie den Artikel mal lesen. Er ist online hier zu finden:

http://www.giessener-allgemeine.de/hessen/sparen-verschwenden-13804916.html
Stefan Walther
4.769
Stefan Walther aus Linden schrieb am 22.06.2020 um 22:46 Uhr
Ich habe den Artikel gelesen Frau Jandrasits, und ich bin der Überzeugung dass Herr Wagner schon den ein oder anderen wichtigen Punkt hier aufgreift ( auch wenn ich es anders formuliert hätte, aber das ist nebensächlich ).
Sicher regt der Artikel zum Nachdenken an und sicher sollte man auch das eigene Verhalten immer selbstkritisch überprüfen und ggf. ändern... Und die Tendenz des Artikels hier: "früher war alles besser", da war Sparsamkeit noch eine Tugend ( und nicht etwa bei vielen aus der Not geboren? ), und heute sind alles Verschwender, die alles Geld - womöglich noch für völlig überflüssige Dinge - zum Fenster rausschmeissen... diese Verallgemeinerungen teile ich weder in der einen noch in der anderen Richtung.

Tja, Sie sprechen es selbst an, es sollen Artikel zum Klimawandel folgen. Und da soll es wahrscheinlich auch wieder nur um das eigene Verhalten gehen? Darum muss es natürlich auch gehen, aber ich bin sehr froh, dass es mittlerweile selbst bei fridays for future eine ständig stärker werdende antikapitalistische Plattform gibt, von Leuten geprägt die die Hauptverursacher der drohenden Umwelt- und Klimakatastrophe auch beim Namen nennen und nicht auf Greenwashing und Sonntagsreden hereinfallen, genauso wenig wie auf manche selbsternannte FührerInnen von fridays for future... oder wie es Greta Thunberg formulierte: "we need to change the system!"
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Christoph Westrupp

von:  Christoph Westrupp

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Christoph Westrupp
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