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Covid-19 - die Welt hält den Atem an

von Ulrich Nassam 22.03.20201723 mal gelesen4 Kommentare
Buseck | Ich vermisse schon ein wenig die Kondensstreifen der Flugzeuge am blauen Himmel. In den Straßen meines Dorfes kaum noch Menschen. Der Schulhof ist verwaist und das Geschrei und Gejauchze der Kinder an der Kita ist verstummt. Selbst die Spielplätze wurden abgeschlossen. Hier und da erscheint jemand vor seinem Haus, es ergibt sich ein kurzes Gespräch. Wie gut tun ein paar Worte ein kurzes Gespräch - wir hatten es fast vergessen, auch wenn derzeit Sorge in jeder Silbe ist.

Das Virus beherrscht und formt unser Denken, zuerst kaum spürbar, dann immer intensiver. Ein merkwürdiges Gefühl.
Was tun die Menschen in den Häusern ihres wie tot wirkenden Dorfes ? Entstehen in Stadt und Land gerade nie gedachte Gedanken in den Köpfen der Menschen, die man nicht mehr sieht in Gaststätten, Restaurants , auf den Plätzen in den Straßen. Erzeugt die erzwungene Klausur Veränderungen in uns, die wir erst nach und nach spüren werden?

Kann uns das Hoffnung machen oder muss es uns ängstigen? Kommen wir uns in der Krise näher, obwohl wir uns kaum noch sehen, nicht mehr einander umarmen dürfen? Und die Stille, die sich ausbreitet und über uns ergießt, ist sie nicht jetzt schon eine Bedrohung für Gefühle und Seele ?

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Die Kirchenglocken läuten, aber die Gottesdienste finden nicht statt. Die Priester und Pfarrer haben kaum noch Kontakt zu ihren Gemeinden. Die Kranken in Kliniken und Krankenhäusern warten vergeblich auf Besuch, genau wie die Alten in den Heimen. Was macht das mit uns Menschen ?

Werden die Wirtschaftsführer, die Banker, Politiker endlich neu und gründlich über die Welt nachdenken, die sie ohne es je zu wollen an den Abgrund geführt haben, immer den ewig als unvermeidbar deklarierten Zwängen folgend, die unser System angeblich für das Funktionieren und das Wohlergehen aller vorgibt. Fallen da in diesen Zeiten nach und nach erstmals Schuppen von allen Augen, wird endlich die Sicht frei auf eine Welt, die nur überleben kann, wenn das 'weiter so' umgehend endet ?

Betet der Papst im Vatikan gerade in diesem Augenblick zu Gott und wird ihm geantwortet? Wurde ihm in den letzten zwei Jahrtausenden jemals geantwortet?

Kann Krise wirklich Chance sein?

Das Virus verändert die Welt. Wir werden es erleben. Wir dürfen hoffen und gleichzeitig auch große Sorge haben.
In welcher Welt werden wir leben, wenn sie wieder anfängt tief zu atmen ?

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.620
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 22.03.2020 um 15:17 Uhr
Einmal davon abgesehen, ob heutzutage Religionsgemeinschaften noch Gestaltungskraft über den engen Rahmen der "Getreuen" ausübt (oder nicht) bin ich bei der Frage, ob ein Kirchenführer irgendwo betet oder nicht schon etwas erstaunt.

Um es mit der beliebten Metapher vom Reissack der in Chína umfällt zu beschreiben .... so etwas kann aller höchstens unterstützend sein. Wir - das heisst alle Nichtkapitalisten und Nichtparteileutchen - müssen nicht beten, sondern konsequent handeln.

Nach dem Weltkrieg haben wir es doch erlebt: die Massen der Verunsicherten wurden mit Heilsversprechen in die Kirchen gelockt und dort haben (fast alle) Angestellten der Amtskirchen (auf ausdrücklichen Aufforderungen ihrer Oberen, welche mit dem damaligen herrschenden Block engstens verbandelt waren) weiter die "ewige" Allianz zwischen Thron und Altar gepredigt.

Und genau das brauchen wir heute überhaupt nicht; wir brauchen - wie vor ein paar Jahrzehnten in Lateinamerika - eine Volkskirche gegen den herrschenden Block. Wir brauchen eine europäische Befreiungstheologie. Politisch heisst das erst einmal Entmachtung der Amtskirchen, sei es über die politische Schiene (Weg mit dem Konkordat) oder sei es über die Mitgliedschaft (Aufkündigung des Gehorsams gegenüber der Amtskirche).
Ulrich Nass
70
Ulrich Nass aus Buseck schrieb am 22.03.2020 um 16:37 Uhr
Danke für den Kommentar Herr Wagner. Die Frage nach Religion, Papst und Glaube war mir heute gar nicht wichtig. Eine Frage nur von vielen, die ich eher rhetorisch stellte. Denkanstöße sollten es sein. Inspiriert war ich , konnte man das überlesen, durch die neuen und irritierenden Eindrücke im Dorf meiner Geburt , die sich derzeit ergeben. Ich wünschte mir als 'Naturalist' tatsächlich alle Kirchentüren offen in diesen Tagen.
Im Urlaub in Portugal saß ich fast täglich in einer kleinen, nüchternen Kirche.Ein guter Ort, um nachzudenken und Ruhe zu finden.
Liebe Grüße, bleiben Sie gesund.
Günther Dickel
3.311
Günther Dickel aus Pohlheim schrieb am 22.03.2020 um 20:59 Uhr
Wenn auch unsere Sorgen, Gedanken, Fragen, Hoffnungen ... zur Zeit noch ohne Antworten durch unsere Köpfe schwirren, habe ich mal wieder begonnen Tagebuch zu führen. Dabei hoffe ich auch, dass irgendwann die momentanen Fragezeichen durch kluge Antworten/Sichtweisen ersetzt werden.
Ulrich Nass
70
Ulrich Nass aus Buseck schrieb am 23.03.2020 um 08:37 Uhr
Tagebuch schreiben ist immer eine gute Idee, Herr Dickel.Gedanken aufschreiben ist immer gut. Es zwingt uns zum Denken. Das ist überhaupt nicht anders möglich. Wenn wir uns unterhalten gilt of die alte Weisheit : woher soll ich wissen was ich denke, bevor ich gehört habe, was ich sage. Da ist was dran.
Kommen Sie gut durch die Krise. Ach ja, ich werde mir nie alle Fragen beantworten können, die ich (mir) stelle.
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von:  Ulrich Nass

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Ulrich Nass
70
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