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Zwei Hände

Buseck | Zweiter Advent

Als ich das Zimmer betrat brannte das Licht und das Zimmer war leer, ich sah dass der Rollstuhl weg war. Im kleinen Speisesaal der Küche war sie auch nicht zu sehen und ich fragte den Stationsleiter wo ist denn meine Mutter.
Er wies nach vorne den langen Gang lang und ganz hinten am Fenster das saß sie in ihrem Rollstuhl und blickte nach draußen.
Leise ging ich auf sie zu und strich ihr mit der rechten Hand sanft über das dünne weiße Haar, so dass sie den Kopf hoch und mich anblickte. Ich merkte gleich sie wusste nicht wer ich bin und ich fragte sie, na schaust du nach draußen auf den Fluss?
Da drüben wurde mein Mann geboren. Ja sagte ich in der Schützenstraße und das Haus steht noch. Wieder blickte sie mich an, das weißt du? Ja entgegnete ich das ist doch mein Papa, da erst erkannte sie mich und sagte du bist es, Christoph.
Du hast auch schon in dem Haus geschlafen und deine Schwester Gerda war auch schon drin. Langsam kam die Erinnerung wieder und sie hatte die Hände, die in die Jahre gekommenen, übereinander im Schoß liegen. Wenn ich jetzt diese Hände betrachte, die einst so ruhelos waren, mich als kleiner Bub in der Küche samstags wuschen, meine trockene Haut eincremten oder mich zum Kindergarten brachte.
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Mir die Erbsensuppe pürierte weil durch eine nicht entdeckte Engstelle in der Speiseröhre manchmal nichts durch ging. Mit ihren Fingern mir das Einmaleins abfragte. In der dunklen Jahreszeit die Dämmerstunde in der Küche abhielt und manchmal frische Brotscheiben auf der heißen Herdplatte röstet um sie danach mit Wurstfett zu bestreichen. Mir Geschichten erzählte und mich abends im Bett zu deckte.
Das alles und viel mehr, das war meine Mutter und jetzt wie ich sie da stehen sah hinter der Scheibe mit Blick nach draußen über den Fluss und als ich ihre Hände sah und später ihre Hände hielt kam sie wieder die Erinnerung an Vergangenes.
So abgemagert wie sie jetzt ist wird bald nur noch die Erinnerungen bleiben und dann wird nur noch eine Leere den Raum erfüllen.

Schönen zweiten Advent und lasset die Lichtlein brennen für die Ankunft dessen der kommt und die Ankunft derer die gehen wollen.

Kommentare zum Beitrag

Christine Stapf
7.677
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 09.12.2019 um 11:58 Uhr
Die Geschichte Ihrer Mutter läßt es einem warm ums Herz werden.
Wie wir alle Wissen fordert das Alter seinen Tribut. Für Ihre Mutter alle guten Wünsche.
Christoph Westrupp
493
Christoph Westrupp aus Buseck schrieb am 09.12.2019 um 16:43 Uhr
Danke und fröhliche Weihnachten
Hallo Lieber Leser
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von:  Christoph Westrupp

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Christoph Westrupp
493
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