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Fahrradweg-Aktion Frankfurter Straße am 27.09.2019

Räder und Autos gleichberechtigt
Räder und Autos gleichberechtigt
Buseck | Die Frankfurter Straße ist eine der gefährlichsten Strecken für Radfahrende. Immer wieder kommt es zu Unfällen mit Verletzten; im Juli 2015 starb sogar eine Radlerin, als sie im Kreuzungsbereich mit der Klinikstraße von einem abbiegenden Lkw erfasst wurde. Passiert ist seitdem wenig, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Aus diesem Grund wurde am Freitag, den 27.09.2019, im Rahmen einer angemeldeten Demonstration zur Selbsthilfe gegriffen:

Von Kleinlinden kommend gibt es gar keinen Radweg an der Frankfurter Straße. Daher wurde die rechte Fahrspur bis zur Einmündung Schubertstraße abgeteilt und mit bunter Sprühkreide in einen farbenfrohen Behelfsradweg verwandelt. Die linke Spur stand weiterhin den Autofahrenden zur Verfügung, daher kam es zu keinen größeren Verkehrsbehinderungen.
An der Kreuzung mit der Klinikstraße bauten derweil ab 14 Uhr Aktive von Greenpeace und den Parents/People for Future Pavillons auf.
Um 15 Uhr startete eine Fahrraddemo mit ca. 50 Teilnehmern am Berliner Platz. Kein Vergleich zu den Tausenden, die vor genau einer Woche zum globalen Klimastreik gekommen waren, doch getreu dem Motto "Global denken, lokal handeln" sind auch kleinere, stadtbezogene Aktionen wichtig.

Mehr über...
Am Vorabend hatten die Stadtverordneten dem Bürgerantrag der Initiative 2035Null, in Gießen bis 2035 Klimaneutralität zu erreichen, zugestimmt, wofür herzlich applaudiert wurde. Ein Baustein zur Klimaneutralität ist die Förderung des Fahrradverkehrs, wie es Städte wie Groningen oder Kopenhagen vormachen. Sobald Radfahrenden eine sichere Infrastruktur zur Verfügung steht, wird das Rad deutlich mehr genutzt als in einer "autogerechten" Stadt. Und so ist folgerichtig eine Forderung verschiedener Verkehrswende-Initiativen, die beiden inneren Fahrspuren des Anlagenrings für den Kraftfahrzeugverkehr zu sperren und den Radfahrenden zur Verfügung zu stellen, idealerweise im Zusammenhang mit einer autofreien Innenstadt.

Doch in Gießen denkt man derzeit noch über eine Tiefgarage unter dem Brandplatz nach. Um diese kostendeckend betreiben zu können, müsste sie etwa das zehnfache der jetzt vorhandenen 70 Parkplätze umfassen. Zusätzlicher Autoverkehr wäre die Folge. Radfahrende werden auf längere Umwege verwiesen, um sicher durch die Stadt zu kommen. Soll das Rad für den Arbeitsweg genutzt werden, ist aber eine möglichst direkte Verbindung unerlässlich.

Mit viel Mühe...
Mit viel Mühe...
Nicht einmal die seit Jahrzehnten als Fahrradstraße vorgesehene Goethestraße ist entsprechend ausgezeichnet. Der Bürgermeister erklärte, man brauche dazu trockene Witterung. Merkwürdige Aussage in diesen Zeiten, wo reihenweise Bäume aufgrund ausbleibender Regenfälle vertrocknen.

Anschließend fuhr die Demonstration die Frankfurter Straße hoch - mit einem kurzen Stop für ein Die-in auf der Kreuzung Klinikstraße - bis zur Auffahrt zum Gießener Ring, um dort zu wenden und sich erwartungsvoll an der neu geschaffenen Radspur aufzustellen. Mitglieder der Initiative verwiesen auf das schlechte Beispiel der Gegenfahrbahn. Hier wurde nur ein schmaler Radweg abgetrennt und dem Autoverkehr eine übermäßig breite Fahrspur belassen, auf der trotzdem nicht zwei Fahrzeuge nebeneinander fahren können. Der nun von der Initiative gemalte Radweg ist hingegen ausreichend breit. Nach einer kurzen Ansprache wurde die Radspur feierlich eingeweiht und getestet. So sollte es ganz offiziell sein!

Wieder an der Kreuzung mit der Klinikstraße angekommen, wurde an die an dieser Stelle umgekommene Radfahrerin erinnert und gegenüber an einer Straßenlampe (der eigentliche Unfallort war aus "Verkehrssicherheitsgründen" nicht genehmigt worden) ein mit Blumen geschmücktes "Ghostbike" befestigt. Die weiß gestrichenen Ghostbikes, also Geisterräder, dienen als Mahnmal und Erinnerung für im Straßenverkehr getötete Radfahrende.

Nachdem die Fahrräder ordentlich auf die Seite gestellt waren, konnte auch der Autoverkehr wieder fließen. Unter den Pavillons gab es Informationen zu den beteiligten Gruppen und Initiativen, die sich für eine Verkehrswende einsetzen. Außerdem war selbst gebackener Kuchen und Obst für den kleinen Hunger verfügbar, und man konnte seinen persönlichen ökologischen Fußabdruck berechnen (s. Bilder im Anhang zum Nachmachen). Für die Kinder war der Bürgersteig zum Bemalen freigegeben, was diese ausgiebig nutzten.

Räder und Autos gleichberechtigt
Mit viel Mühe...
1
... wird die Fahrradspur...
... abgeteilt und markiert.
Start der Raddemo am Berliner Platz
Das Die-in
Das Die-in
Das Die-in - die Umrisse der Liegenden werden mit Kreide markiert
Das Die-in
Das Die-in
Die Fahrräder haben einen Moment Pause
Wende am Ende der Frankfurter Straße


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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.559
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 28.09.2019 um 15:00 Uhr
Ich finde den Beitrag informativ.

Kurz zu der Passage bezüglich der Stadtverordnentenversammlung am Donnerstagabend.

Unsere Parteien sind einfach blutleer. Denen fällt eben Nichts mehr ein. Die wollen - wenn es eben nur geht - allen sich organisierenten Mitbürger und deren Forderungen gerecht werden.

Siehe Ausweisung von Fahrradstraßen und Bau einer Tiefgarage unter dem Brandplatz.

Das geht einfach nicht. Jemand muss in den "sauren Apfel" beissen. Hier die einpendelnden Autofahrer nach Giessen, denn die Messwerte in der Innenstadt sind immer noch über dem Grenzwert!
Christine Stapf
7.587
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 28.09.2019 um 16:29 Uhr
Jemand muss in den "sauren Apfel" beissen. Hier die einpendelnden Autofahrer nach Giessen, denn die Messwerte in der Innenstadt sind immer noch über dem Grenzwert!

Herr Wagner wie soll das mit dem sauren Apfel in der Praxis aussehen, bei Schichtarbeit wie bei Polizei, in der Pflege, Feuerwehr usw. ? Menschen, die auf dem Land wohnen und in Gießen arbeiten kommen ab einer gewissen Uhrzeit auch mit den Öffentlichen nicht mehr aus dem Ort.
Elke Jandrasits
1.165
Elke Jandrasits aus Buseck schrieb am 28.09.2019 um 19:14 Uhr
Die Initiativen für eine Verkehrswende setzen sich deswegen gleichzeitig für einen Ausbau des ÖPNV ein, damit die Einpendelnden nicht mehr aufs Auto angewiesen sind. Fahrradstraßen sind nur ein Teilaspekt. Nachzulesen unter www.giessen-autofrei.tk

Die vielen Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen kein Auto haben, wären wesentlich flexibler.

Auch im Seltersweg und in der Plockstraße fuhren einmal Autos, und man sagte bei der Schaffung der Fußgängerzone pleite gehende Geschäfte voraus. Immer neue Straßen und Parkhäuser werden die bestehenden Probleme nicht beheben, im Gegenteil.
112
Julius Epstein aus Gießen schrieb am 30.09.2019 um 11:51 Uhr
Warum immer problematische Beispiele wie Schichtarbeiter?
Die wenigsten Menschen arbeiten Schicht, und viele kommen zwar von den Dörfern und haben schlechte Verbindungen, aber genauso viele kommen auch von Wohnorten die gute Verbindungen haben und könnten auf das Auto verzichten.
Christine Stapf
7.587
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 30.09.2019 um 13:44 Uhr
Warum immer problematische Beispiele wie Schichtarbeiter?

Weil es die Realität ist. Selbst wenn es in Ihren Augen wenige Menschen sind welche in schichtarbeiten gibt es sie, und die schlechten Verbindungen. In meinem Umfeld gibt es Arbeitnehmer die, wenn sie zum Nachtdienst müssen ohne ihr Kfz den Dienst nicht antreten können. Nach Ihren Worten Herr Epstein dürfte man nur tätig werden wenn es viele Menschen betrifft.
So denkt dann wohl auch die Stadt Gießen zu dem Thema behinertengerecht. Ist hier nicht das Thema jedoch sollte man auch wenige Menschen berücksichtigen, auch zu oben genannten Thema und ÖPNV.
Elke Jandrasits
1.165
Elke Jandrasits aus Buseck schrieb am 01.10.2019 um 20:04 Uhr
Wo hätten denn die Schichtarbeiter einen Nachteil, wenn es in der Frankfurter Straße eine Fahrradspur gäbe? Nachts ist die Straße doch weitgehend leer, und selbst tagsüber an einem Werktag kam es durch die Sperrung für die Aktion nicht zu Staus, wie man auf den Bildern gut erkennen kann.

Auf Fahrradstraßen dürfen Autos ebenfalls fahren, sie haben nur keinen Vorrang, ähnlich wie in sogenannten Spielstraßen. Ich sehe also nicht, dass den Autofahrenden unzumutbar viel zugemutet werden würde.

Wer einen guten Grund hat, das Auto zu nutzen, wird das auch weiterhin tun können. Nur maximale Freiheit und Bequemlichkeit auf Kosten der anderen Verkehrsteilnehmenden ist nicht mehr zeitgemäß.
Hallo Lieber Leser
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von:  Elke Jandrasits

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Elke Jandrasits
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