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Von Gießen nach Frankfurt zur IAA-Demo mit der Fahrradsternfahrt am 14.9.2019

Buseck | Samstagmorgen, 7.30 Uhr, die Sonne geht gerade über dem Schwanenteich auf. In Gießen ist noch nicht viel los; und so bemerken nur einige, die zu dieser frühen Zeit schon unterwegs sind, den Start des Gießener Beitrags zur großen Verkehrswende-Demonstration vor der Frankfurter Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA). Etwa 70 Personen und ihre Drahtesel treffen sich auf dem Messeplatz in der Ringallee. Einige haben schon etliche Kilometer hinter sich, sind in der Nacht in Marburg losgefahren.

Nach einer kurzen Ansage mit den Regeln (möglichst rechts fahren und am linken Rand eine Spur für Polizei und Ordner freilassen), an die im Laufe der Fahrt immer wieder erinnert werden muss, geht es los und über den Anlagenring nach Süden. Am Elefantenklo stößt die nächste Gruppe RadlerInnen dazu, bevor in der Frankfurter Straße erst einmal warten angesagt ist: Die Schranken sind unten.

Über Kleinlinden, Großen-Linden und Langgöns geht es nach Butzbach, überall schließen sich Menschen dem Radelkonvoi an. In Butzbach können sich alle mit Apfelsaft, Kaffee, Tee, Obst und Wasser stärken; einige Glückliche bekommen auch noch ein leckeres Stück Kuchen. Organisiert hat den Verpflegungsstand der BUND, der die Gelegenheit nutzt, um über seine Arbeit zu informieren.

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Kurz vor 10 dann wieder aufs Rad. Erst in Friedberg gibt es die nächste kurze Pause und sogar ein Dixi-Klo. Die Abfahrt bekommt dann nur ein Teil der inszwischen mehrere Hundert Personen großen Gruppe mit, und nach einigen Hundert Metern muss gewartet werden, bis der Konvoi wieder komplett ist. Nun folgt ein längeres Stück auf dem Rad. In Bad Vilbel schließt sich eine große Abordnung aus Richtung Niderrau der Sternfahrt an. Längst kann die Demonstration nicht mehr im Ganzen betrachtet werden, es dauert etliche Minuten, bis alle eine Stelle passiert haben.

Größtenteils warten die anderen VerkehrsteilnehmerInnen geduldig, bis der Weg wieder frei ist. Neben unterstützenden Zurufen und hochgereckten Daumen fallen aber auch unschöne Äußerungen in Richtung der Demo-TeilnehmerInnen wie "Hurensöhne", "Terroristen" und "Volksparasiten". Dies wohlgemerkt bei einer ordnungsgemäß angemeldeten und polizeibegleiteten Demonstration, die Ausübung eines Grundrechts.

Die Altersspanne der Radelnden reicht vom schlafenden Baby über unermüdlich mitstrampelnde Kinder und Teenager bis zu der Eltern- und Großelterngeneration. Auch die Fahrräder könnten unterschiedlicher nicht sein. Bei einem gemächlichen Durchschnittstempo von 12-15 km/h ist die Teilnahme aber auch mit einem älteren Modell ohne Akku-Unterstützung möglich.

Hinter der letzten Pause am Bahnhof von Bad Vilbel ist noch ein steiler Anstieg zu bewältigen, bevor die Skyline von Frankfurt in Sicht kommt. Auf der gesperrten Friedberger Landstraße geht es wieder bergab. Am Nibelungenplatz treffen sich gegen 14 Uhr die Korsos, die z. B. in Gelnhausen, Aschaffenburg und Darmstadt gestartet sind. In Mannheim musste man sehr früh aufstehen, hier war der Start schon um 5.40 Uhr.

Für eine Weile heißt es absteigen und schieben, bis der Korso wieder in Gang kommt und Richtung Messegelände rollt. Dort werden schließlich ca. 18.000 Radelnde und ca. 7.000 FußgängerInnen ankommen, eine riesige Menschenmenge, die sich am Fuße des Messeturms versammelt, um die abschließende Kundgebung anzuhören.

Zitat von der Homepage www.iaa-demo.de:
"Größere Autos, mehr PS, höherer Verbrauch – für solche Autos steht die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt. Betrügerische Autokonzerne feiern dort ihre dicken SUVs und Spritschlucker – und die Bundesregierung applaudiert. Anstatt Konsequenzen aus Klimakrise und Abgasskandal zu ziehen, schützt Verkehrsminister Andreas Scheuer die Autokonzerne.

Doch wir Bürger*innen haben die autofixierte Verkehrspolitik schon längst satt. Mit der Verkehrswende könnte es ganz anders aussehen: Spielplätze statt Parkplätze; Flaniermeilen statt Blechlawinen; sicheres Radfahren; entspanntes Reisen mit Bus und Bahn; kluger Einsatz von erneuerbaren Energien statt klimaschädlichem Benzin und Diesel, saubere Luft statt krankmachende Abgase. Die Bundesregierung kann jetzt die Weichen umstellen: Mit dem Klimaschutzgesetz in diesem Jahr muss Tempo in die Verkehrswende kommen!"

Und die Forderungen im Überblick:

Sofortiger Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor

Klimaneutraler Verkehr bis 2035

Ein starkes Klimaschutzgesetz bis Ende 2019, das das Erreichen des 1,5 Grad Zieles sicherstellt

Vorrang für Fuß- und Radverkehr und massiver Ausbau von Bus und Bahn

Einführung einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h auf Autobahnen, 80 km/h außerorts und 30 km/h innerorts

Effiziente Elektromobilität statt dicker E-SUVs

Saubere Luft in unseren Städten

Besonders stark die Ansprache der Fridays-for-Future-Vertreterin, die eindringlich daran erinnerte, dass die persönliche Freiheit des Einzelnen nicht so weit gehen kann, dass die Folgen die Gesundheit und Überlebenschancen von Millionen beeinträchtigen.
Fridays for Future habe sich dagegen entschieden, an einer Diskussion mit Vertretern der Autoindustrie teilzunehmen, da sie Beteuerungen zum Klimaschutz nicht als ernsthaft empfinden. Auch bei dieser IAA gilt immer noch die Devise immer größer, immer schneller, was auch mit Elektromotor keine echte Verkehrswende darstellt.

Um 16 Uhr ist die Kundgebung beendet, die Picknick-artige Versammlung rund um den Messeturm aber noch lange nicht. Lange Schlangen bilden sich an den Verpflegungs- und Wasserzapfstellen. Alles geht friedlich und rücksichtsvoll zu. Die IAA in Sichtweite wird in Ruhe gelassen. Viele Polizisten haben vorsichtshalber die andere Straßenseite gesperrt, haben aber einen ruhigen Tag.

Wir treten die Heimfahrt mit dem Zug ab dem Westbahnhof an. Eng gedrängt stehen die Fahrräder, doch wir sind froh, überhaupt im Zug zu sein.

Ein ereignisreicher Tag, der aber nur eine von vielen Aktionen war. Die nächsten Termine:

Freitag, 20.09.2019: Globaler Streik für Klimaschutz
11.00 Uhr Kirchenplatz Gießen
14.30 Uhr Bahnhof Wetzlar
https://fridaysforfuture.de/allefuersklima/

Samstag, 21.09.2019
11.59 Uhr Kirchenplatz Gießen
Kundgebung der Parents for Future mit musikalischer Begleitung durch das Paul-Simpson-Project



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Kommentare zum Beitrag

Otmar Busse
832
Otmar Busse aus Lahnau schrieb am 15.09.2019 um 08:44 Uhr
Eine großartige Aktion, die schon eine Menge eigene Bereitschaft voraussetzt.
Bleibt zu hoffen, dass daraus mehr als nur eine "Wahrnehmung" übrig bleibt.
Kurt Wirth
2.295
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 15.09.2019 um 08:49 Uhr
Ein eindrucksvoller und informativer Bericht. so etwas braucht man in Ergänzung zu Tagesschau und Heute.
Bernd Zeun
11.290
Bernd Zeun aus Gießen schrieb am 15.09.2019 um 21:39 Uhr
Tolle Aktion, gut dass das Wetter mitgespielt hatte.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Elke Jandrasits

von:  Elke Jandrasits

offline
Interessensgebiet: Buseck
Elke Jandrasits
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