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BUND-Bienenspaziergang durch Gießen am 25.05.2019

Frühe Doldensandbiene auf Wiesen-Kerbel
Frühe Doldensandbiene auf Wiesen-Kerbel
Buseck | Zu einer Führung des BUND-Kreisverbands unter der Leitung von Sabine Wolters trafen sich sich Naturinteressierte neben der Alten UB. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und schon fast frühsommerlich warm.

Zunächst stellte Lione Stienecke die von Greenpeace Gießen betreute Bienenweide an der Alten UB vor. 2015 wurde diese eingerichtet, und man konnte bereits einen deutlichen Unterschied zum restlichen Grünstreifen neben der Alten UB sehen. Verschiedene ein- und mehrjährige Wiesenblumen sowie ein Obstbaum sorgen für ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot für Bienen. Hierzu musste erst das Gras entfernt werden, um anschließend Wiesenblumen auszusäen. Wirft man die Samen einfach auf eine bestehende Wiese, wird sich die Pflanze meist nicht durchsetzen können.

Viele Leute verbinden oft zunächst nur die Honigbiene mit dem Stichwort "Biene", doch gibt es rund 570 Wildbienenarten in Deutschland. Viele dieser Arten leben im Unterschied zur Honigbiene und den Hummeln solitär und sind teilweise auf bestimmte Blütenpflanzen angewiesen. Ihre Eier legen sie in Brutröhren in Holz oder im Boden ab; die Larven entwickeln sich über den Winter, und die fertigen Bienen schlüpfen erst im Folgejahr. Außerdem gibt es Kuckucksbienen, die wie bei den gleichnamigen Vögeln ihre Eier einer anderen Art unterschieben.

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Viele Insektenarten sind durch den Einsatz von Pestiziden, die industrielle Landwirtschaft und die Versiegelung von Flächen stark zurückgegangen.

An der Bienenweide hat die Gießener Greenpeace-Gruppe auch ein kleines Insektenhotel errichtet. Leider war dies geschehen, ohne sich vorher genügend über die Bedürfnisse der Insekten zu informieren. Und so ist dieses Insektenhotel mit seinem Inhalt aus Lochsteinen, Zapfen und Heu eher als Beispiel zu sehen, wie man es nicht machen sollte. Demnächst will die Gießener Gruppe einen besser geeigneten Ersatz bauen und aufstellen.

Anschließend ging es zum Alten Friedhof. Auf dem Weg dorthin erklärte Sabine Wolters anhand eines Vorgartens die Bedeutung der vierten Dimension bei der Gartengestaltung. So sollte man darauf achten, dass vom zeitigen Frühjahr (z. B. Winterlinge) bis in den Herbst hinein (z. B. Astern) durchgehend Blüten im Garten vorhanden sind. Empfehlenswert ist es, sich mit den Nachbarn abzusprechen und so für Abwechslung zu sorgen. Ebenso sollte man gefüllte Blüten, die kein Nahrungsangebot für Insekten bereitstellen, vermeiden. Hierzu zählen z. B. viele Rosen. Auch die Forsythie ist für Insekten wertlos, da sie weder Nektar noch Pollen bildet.

Auf dem Alten Friedhof wies Sabine Wolters auf die Bedeutung großer Bäume (besonders Linden, Robinien) für die Ernährung der Bienen hin. Bienen sammeln Nektar (als Kohlenhydrat-Energielieferant) und Pollen (Eiweiß zur Aufzucht der Larven), außerdem ähnlich wie Ameisen die zuckerhaltigen Ausscheidungen von Blattläusen (Honigtau). Honig besteht daher überwiegend aus Glukose und Fruktose.

Auf einer ungemähten Fläche mit Wiesenkerbel konnten wir Wildbienen entdecken (zu Hause anhand der Fotos als Frühe Doldensandbiene bestimmt).

Dann ging es über die Wolfstraße zum THM-Platz am Schwanenteich mit einem schönen Blick über den Teich zu den großen Kastanien der Eichgärtenallee.

Hier erklärte Sabine Wolters, dass beim Obst- und Gemüseanbau diejenigen Kulturen den meisten Ertrag lieferten, die sowohl von Honig- als auch von Wildbienen bestäubt wurden. Sie zeigte auch einen Fotovergleich jeweils einer selbst-, wind- und insektenbestäubten Himbeere.

Eine weitere Station des Bienenspaziergangs war der botanische Garten. Hier sind für Wildbienen Holzstücke mit unterschiedlich großen Bohrungen aufgehängt. Trotz der einfachen Ausführung waren viele Röhren bereits belegt und weitere wurden rege von Wildbienen angeflogen.

Lione Stienecke stellt die Bienenweide von Greenpeace vor
Lione Stienecke stellt die Bienenweide von Greenpeace vor
Daneben konnten auf einer sandigen Fläche Höhleneingänge von Sandbienen entdeckt werden. Sabine Wolters erklärte, dass z. B. die Efeu-Seidenbiene in Gießen lediglich im Botanischen Garten sowie im Sandkasten einer Kindertagesstätte vorkommt.

Bevor wir am Tor zur Sonnenstraße den Botanischen Garten wieder verließen, sahen wir noch ein Honigbienen-Volk, das wild in einer Höhle hoch im Stamm einer riesigen Platane lebt.

Die letzte Station des Spaziergangs lag zwischen Werra- und Schottstraße, wo der Nordstadtverein auf einem Grundstück der Wohnbau 8 Bienenvölker hält. Klaus Kiehne stellte die "Summerei" vor und erklärte anschaulich den Umgang mit den Honigbienen.

Etwa 20-25 Freiwillige betreuen derzeit die Bienenvölker, die seit 2015 auf dem Gelände leben. Den Winter verbringen sie bei einem Imker in Salzböden.

Größtes Problem bei Honigbienen ist der Befall mit Varroa-Milben. Die Summerei-Bienen werden nur mit Ameisensäure und Oxalsäure behandelt, um Rückstände von Medikamenten im Honig zu vermeiden.

Die SpaziergängerInnen konnten eine mitgebrachte Drohnenbrut sowie die im Vergleich riesigen, vertikal aufgehängten Zellen, in denen eine Bienenkönigin heranwächst, bestaunen.

Malve
Malve
Während Bienen im Frühjahr und Sommer nur etwa sechs Wochen leben, werden die im September geschlüpften Arbeiterinnen etwa ein halbes Jahr alt und betreuen im folgenden Frühling die erste Brut. Die Königin lebt ca. 3-4 Jahre.

Wird es dem Bienenvolk zu eng im Bienenstock, schwärmt etwa die Hälfte des Volkes zusammen mit der alten Königin aus. Bemerkt dies der Imker nicht rechtzeitig, kann es passieren, dass er die Bienen nicht mehr einfangen kann (siehe die Honigbienen in der Platane im Botanischen Garten). Allerdings hat er noch die zweite Hälfte des Volks, das die neue Königin aufzieht.

Ein Bienenvolk produziert etwa 25-30 kg Honig pro Jahr. Im warmen und trockenen Jahr 2018 waren es sogar 40 kg!

Über drei Stunden und damit rund eine Stunde länger als geplant dauerte der Bienenspaziergang, doch es wurde nie langweilig. Viele praktische Tipps wurden gegeben, wie man den eigenen Garten oder Balkon, und sei er auch noch so klein, zu einer Bienenoase machen kann. Gegen eine freiwillige Spende konnten umfangreiches Informationsmaterial und kleine Samentütchen mit nach Hause genommen werden.

Frühe Doldensandbiene auf Wiesen-Kerbel
Lione Stienecke stellt die Bienenweide von Greenpeace vor
Malve
1
Bitte nicht nachmachen!
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Sabine Wolters vor zum Glück nicht gefüllten Rosen
abwechslungsreiche Bepflanzung
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Wie entsteht Waldhonig?
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Honig und Propolis
Wiesen-Kerbel
Frühe Doldensandbiene auf Wiesen-Kerbel
Schwanenteich mit Kastanien
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Nisthilfe im Botanischen Garten
Hier hat eine Sandbiene gegraben
Die Bienenhöhle in der Platane
Drohnenbrut
Drohnenbrut
Die Zelle einer Bienenkönigin
Die Zelle einer Bienenkönigin
Die Summerei
Klaus Kiehne gibt Einblicke in die Imkerei


Kommentare zum Beitrag

Nicole Freeman
9.932
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 26.05.2019 um 05:49 Uhr
toller bericht. ich habe vieles dazu gelernt. die bienenwaben fand ich sehr interessant. die holzklötzchen werden nachgemacht und kommen in die wilde ecke. danke!
Wolfgang Heuser
7.728
Wolfgang Heuser aus Gießen schrieb am 28.05.2019 um 09:14 Uhr
Ein guter und umfangreicher Beitrag über so ein Thema. Gerade die Erkenntnisse über solche Wildbienen sind sehr wichtig für unsere Natur! Deswegen müssen auch die kleinsten Blühflächen auch in den eigenen Gärten erhalten bleiben.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Elke Jandrasits

von:  Elke Jandrasits

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Interessensgebiet: Buseck
Elke Jandrasits
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