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Ein Sommer auf Alembög

Buseck | Ein Sommer auf Alembög, oder Möven werden mit "w" geschrieben

Früh ging es am Gießener Hauptbahnhof los.
Über Kassel Hannover Hamburg und Niebüll ging es dann über den Hindenburgdamm auf eine der schönsten deutschen Inseln.
Mit dem Bus, der auch unsere Gepäckstücke mitnahm, erreichten wir Alembög, den Ellenbogen ganz oben im Norden bei List.
Die Ferienwohnung war schon aufgestellt und hatte weiße Wände und ein weißes Dach.
Heringe hielten bei windigem Wetter die Zeltplane gespannt und drinnen standen unsere Betten, Feldbetten der Marke einfach und Kolter, so heißen auf hessisch die Wolldecken, zum zudecken.
Rundherum nur Sanddünen auf denen der Strandhafer wächst.
Das war in den 50er Jahren, noch bevor Playboy Gunter Sachs Ende der 60er Jahre Sylt zu seiner Lieblingsinsel erkor.
Und heute tummeln sich dort viele gut betuchte die sehen und gesehen werden wollen, fotografiert von Paparazzis.

Im Lister Hafen lagen viele viele viele Fischkutter vor Anker, dass die Mastbäume wie ein kleiner Wald aussahen und die Takelage wie undurchdringlicher Dschungel.
Vom Kutter wurden frühmorgens in papiernen Dreieckstüten frisch gekochte Krabben verkauft, die Tüte zu 50 Pfennig.
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Ich glaube wir Buben haben die Krabben ganz schön auseinander gerissen um an das leckere Fleisch zu kommen, denn wie Krabbenpulen ging wussten wir ja nicht.
Aber sie waren lecker.
Im Hafen sahen wir dann, dass an den Spundwänden im Wasser die Seesterne sich festkrallten und wie angewachsen hingen.
Also haben wir uns Handangeln gekauft, das sind ganz einfache Angeln, einfach nur Schnur mit dem Haken dran.
Damit haben wir die Seesterne mit dem Haken nach oben gezogen und überlegt, wie machen wir die denn haltbar.
In einer Apotheke und Drogerie bekamen wir den Tipp die Seesterne in Formalin einzulegen.
Das Formalin musste aber erst bestellt werden.
In einen Eimer mit der Flüssigkeit wurden dann die Seetiere eingelegt und später zum trocknen versteckt in der Senke einer Sanddüne ausgelegt.
Als wir dann nach Tagen wieder zum Fang liefen und schauten wie es mit den Seesternen aussieht, mussten wir feststellen dass unsere Arbeit inzwischen geklaut worden war und wir betrübt in alle Himmelsrichtungen blickten, während der Wind uns die Haare zerzauste.

Diese und andere Erinnerungen sind in mir wenn ich an die Insel der heutigen Superreichen denke die diese Insel zu ihrem Refugium machten.
Die Nachfolger von Gunter Sachs sind dann unter sich und so wird die Insel gespalten zwischen Arm und Reich.
Diejenigen die früher dort mal gewohnt und gearbeitet haben, kommen heute mit dem Zug über den Hindenburgdamm zum Geld verdienen, weil sie sich eine Wohnung zum Leben auf Sylt nicht mehr leisten können.
Während diejenigen die das Glück haben ein oder mehrere Wohnungen zu vermieten, sie brauchen für den Rest ihres Lebens nur noch relaxen und Ihr Geldbeutel füllt sich unaufhörlich wie durch ein Füllhorn.
So sind inzwischen die Sanddünen zu Golddünen geworden und das Märchen der Gebrüder Grimm vom Goldesel , dem Tischlein deck dich, der goldenen Gans, vom Hans im Glück, ist hier hoch im Norden Deutschlands wahr geworden.

Der einstige inseltraum der intellektuellen und Künstler ist dem Geldadel und den Neureichen gewichen und der deutsche Michel darf nur noch erstaunt zusehen.

P.S. Möwen werden immer noch mit "W" geschrieben

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von:  Christoph Westrupp

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