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Zum 20. Mal Mundart am runden Tisch

Das Quartett „Handvoll“ auch bekannt als „Mikrolust“
Das Quartett „Handvoll“ auch bekannt als „Mikrolust“
Buseck | Mit der 20. Auflage „Zum runden Tisch Mundart“ erfreute das Team um Karl-Heinz Theiß und Rita Mattern am Sonntagnachmittag über 50 mundartbegeisterte Bürger aus Oppenrod und umliegenden Ortschaften im Bürgerhaus Oppenrod. Selbst Bürgermeister Dirk Haas stattet der Veranstaltung einen Besuch ab und eröffnete im Rahmen seiner Begrüßung charmant das Kuchenbuffet. Dieses sowie die Dekoration und Rahmenorganisation hatte der Oppenröder Bürgerverein mit seinem Vorsitzenden Roland Kauer und der Ortsvorsteherin Renate Renger fein vorbereitet.

Bestens eingestimmt und im sehr verständlichen oberhessischen Platt serviert, sang das Quartett „Handvoll“, auch bekannt als „Mikrolust“ von der Sängerlust Oppenrod, drei bekannte Melodien in denen heitere oberhessische Mundartgeschichten verpackt waren. Den vierstimmig, warmen Quartett Sound hatte Chorleiter Matthias Schulze wie immer bestens intoniert und Bassist Martin Kauer erläuterte den gespannt lauschen Zuhörern so manch dann folgende Textpassage und die darin zu hörenden Vokale, die nur noch heute in der hessischen Mundart oder im Ausland zu hören sind.

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angedeuteten „oa“ Laut spannte sich dann der Bogen zum Fachvortrag von Professor Dr. Jürg Fleischer von der Philipps-Universität Marburg. In seinem kurzweiligen Vortrag verdeutlichte er den Anwesenden die Gliederung der deutschen und hessischen Dialekte. Dank dem Sprachatlas von Georg Wenkers und der Einblendung von Landkarten aus dem Jahre 1879 bis in die heutige Zeit, wurde der Umfang und die Vielfalt unserer Sprachen gezeigt und erläutert. Wenker hatte in den Jahren 1879-1888 mit über 48.000 Fragebögen an sämtlichen Schulorte des Deutschen Reiches eine riesige Umfrage gestartet und in den Folgejahren bis 1923 die Ergebnisse in 500 Landkarten eingearbeitet. Unter https://regionalsprache.de kann man heute diese Details einsehen. Als Haupttrennlinie zwischen dem Niederdeutsch (Norden) und dem Hochdeutsch (Süden) ist auch die „Benrather Linie“ bekannt und gilt als Grenze der Lautverschiebung bei der es im Süden „Wasser“ heißt und im Norden „Water“. Anhand von regionalen Karten und den damit verankerten Aussprachen bestimmter Wörter wie „Blätter“ und „Blerrer“ oder dich „lieb haben“ bzw. dich „läib hu“ beeindruckte er die interessiert lauschende Hörerschaft und löste dabei auch so manches Rätsel über die Herkunft unserer hessischen
Prof. Dr. Jürg Fleischer
Prof. Dr. Jürg Fleischer
Dialekte. Eine zentral hessische Besonderheit ist auch zum Beispiel in der 1. Person Mehrzahl: „sich“ statt „uns“: Eich sai de Erwin. Mer duze sich häi (Ich bin der Erwin. Wir duzen uns (sprichwörtlich: sich) hier). Aus den von Fleischer gezeigten hessischen Landkarten konnte man gut die drei Schwerpunktgebiete von Zentralhessisch über Nordhessisch bis Osthessisch erkennen und die bereits oft gehörten unterschiedlichen Sprachklänge besser zuordnen. Folgt man diesen Forschungsergebnissen muss man zu dem Schluss kommen, dass in unserer mittelhessischen Region ein Dialekt gesprochen wird, der auch klar im Syntax der hessischen Dialekte (SyHD) nachvollziehbar und dokumentiert ist. Das heute oft vieler Orten für den hessischen Dialekt gehaltene „Frankfurter-Geschwätz“ kommt geschichtlich eher einem „Gebabbel“ gleich, als einem „Dialekt“.

Nach dem beeindruckenden Gastvortrag von Professor Dr. Fleischer erfreuten sich die Gäste noch an den Mundartvorträgen von Mitorganisator Karl-Heinz Theiß und dem Ehepaar Heidi und Kurt Klingelhöfer. Bei Kaffee und Kuchen serviert vom Bürgerverein, und herzhaften Lachern über die oft tiefgründigen Gedicht- und Geschichten Vorträgen klang ein gelungener Mundartnachmittag aus.
Nächster Mundart-Stammtisch ist am Samstag dem 27. Oktober um 15:00 Uhr im Markt-Café von Alsfeld.

Das Quartett „Handvoll“ auch bekannt als „Mikrolust“
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Prof. Dr. Jürg Fleischer
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Karl-Heinz Theiß
Karl-Heinz Theiß 
Busecks Bürgermeister Dirk Haas bei seiner Begrüßungsansprache und Eröffnung des Kuchenbuffet.
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