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Naturschutzwanderung im ehemaligen US-Depot

Buseck | Das Amt für Umwelt und Natur der Stadt Gießen bietet regelmäßig Naturschutzwanderungen an. Am 5. Mai 2018 hatte eine Gruppe die Gelegenheit, das ansonsten gesperrte Vogelschutzgebiet im ehemaligen US-Depot zu besichtigen und zu erfahren, welche Maßnahmen dort bereits umgesetzt bzw. im Laufe der nächsten Jahre geplant sind.

Frau Dill vom Umweltamt begrüßte die ca. 40 Interessierten zur Naturschutzwanderung und übergab dann die Leitung an die anwesenden Experten Matthias Korn (Faunistischer Gutachter), Wolfgang Wagner (Botanischer Gutachter) sowie Matthias Pollmeier (BImA-Bundesforst).

Zunächst gab Herr Pollmeier einen Überblick über die Geschichte des Geländes. Schon zu Zeiten des Deutschen Reichs wurde der Bereich als Flugplatz und Militärgelände genutzt. Nach dem 2. Weltkrieg war das Areal Truppenübungsplatz der in Gießen stationierten US-Streitkräfte. Nach dem Abzug der Amerikaner ist das Gebiet heute Eigentum der Bundesrepublik Deutschland und wird durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), Sparte Bundesforst, betreut und bewirtschaftet.

Die jahrzehntelange militärische Nutzung des Geländes
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hatte Nachteile. So gibt es noch mehrere große unterirdische Kraftstofftanks, die nicht gereinigt wurden; außerdem teerölbelastete Bahnschwellen der alten Gleisanlagen und Blindgänger im Boden. Allerdings hat militärische Nutzung auch große Vorteile für die Natur: Das Areal ist seit Jahrzehnten für die Allgemeinheit nicht zugänglich. Es wurde nur sporadisch für Übungen genutzt, die meiste Zeit war die Natur sich selbst überlassen. Die Wiesen wurden nicht gedüngt und die Panzer hinterließen bei den Übungen Spuren im Boden. All dies führte dazu, dass sich viele seltene Tier- und Pflanzenarten ansiedeln konnten.

Herr Pollmeier betonte, dass der Status als Nationales Naturerbe (seit 2015) dauerhaft erhalten werden soll. Dazu gehört, dass das Gebiet auch weiterhin - außer bei geführten Begehungen - nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Hierzu wird der umlaufende Zaun ständig kontrolliert und ausgebessert. Wildschweine finden trotzdem einen Weg hinein und fühlen sich im wahrsten Sinne des Wortes sauwohl.

Auf lange Sicht ist geplant, neben dem Rückbau von Gebäuden, Zäunen, Gleisen, Tanks und befestigten Wegen den tieferliegenden Teil des Geländes durch Zuschüttung von Gräben und Leitung von Regenwasser in diesen Bereich in ein Feuchtgebiet zu verwandeln. Ein richtiger See soll aber nicht entstehen, da dieser Enten und Gänse anlocken würde, was man vermeiden will.

Rotmilan
Rotmilan
Damit die Flächen nicht verbuschen, erfolgt eine Beweidung durch Schafe, Rinder und Pferde (ebenso wie auf der Hohen Warte bei Annerod ist auch hier die Ansiedlung einiger Pzwewalski-Pferde geplant). Finanziert werden diese Maßnahmen aus dem Verkauf von Ökopunkten, die als Kompensation für Eingriffe in die Natur an anderer Stelle (z. B. Bau von Straßen oder Bahnstrecken) dienen.

Herr Pollmeier setzt sich leidenschaftlich als Naturschützer für "sein" Gebiet ein und bekam für seinen Vortrag mehrfach Zwischenapplaus aus dem Publikum.

Herr Korn informierte über die Vogelvorkommen im Naturschutzgebiet. Es zeigt sich, dass im eingezäunten Bereich mehr Vögel vorkommen, obwohl die Bedingungen nahe der Wieseck eigentlich besser wären. Dort verhindern aber Störungen durch Menschen und teils freilaufende Hunde oft eine erfolgreiche Brut.

Kaum hatte die Gruppe das Gelände betreten, konnte schon ein Neuntöter beobachtet werden und einige Hohltauben flogen vorbei. Mehrere Rotmilane, Turmfalken, Mäusebussarde, Rauchschwalben, Dorngrasmücken, Schwarzkehlchen, Goldammern und Weißstörche sowie eine Klappergrasmücke und ein Kuckuck kamen im Lauf der Wanderung hinzu. Zur Futtersuche werden die Wiesen auch von Waldbewohnern angeflogen.

Neuntöter
Neuntöter
Herr Wagner machte die Gruppe auf hier wachsende, teilweise seltene Pflanzenarten wie Dreifinger-Steinbrech, Hahnenfuß, Kriechenden Günsel, Felsen- und Weiße Fetthenne, Margerite, Hungerblümchen, Gras-Platterbse, Großer Ehrenpreis, Raue Nelke, schmalblättrige Wicke und Schaf-Schwingel aufmerksam. Leider waren aufgrund des späten Frühlings noch nicht sehr viele Blüten zu entdecken. Ein Dreifarbiges Vergissmeinnicht mit weißen, rosa und blauen Blüten konnte aber bewundert werden.

Mit vielen neuen Eindrücken und Informationen über dieses wertvolle Naturschutzgebiet direkt vor der Haustür ging es wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Die weiteren Termine der Naturschutzwanderungen 2018:

https://www.giessen.de/media/custom/684_10009_1.PDF?1520858235

Rotmilan
Neuntöter
Matthias Pollmeier (Bundesforst)
Matthias Korn
Wolfgang Wagner
Blick über das weitläufige Areal
Schwarzkehlchen-Männchen
Schwarzkehlchen-Weibchen
Das Spektiv leistete gute Dienste
Panzer-Waschanlage
Die Natur erobert das Gebiet zurück
"Klein-Guantanamo"
Mit einzelnen Halmen als Ansitzwarten soll dem Braunkehlchen das Gebiet schmackhaft gemacht werden
Hier soll ein Feuchtgebiet entstehen
Die Bahnschwellen sind belastet und sollen rückgebaut werden
Schwarzkehlchen
Ein Wachturm
Der Steinschmätzer soll wieder hergelockt werden
Erstmal schaut nur das Schwarzkehlchen vorbei
Der Segelflugplatz ist gleich nebenan
Hier hielten sich die Soldaten fit
Matthias Korn und Wolfgang Wagner
Die Störche haben einen guten Überblick über den ehemaligen Exerzierplatz
Der Weißstorch brütet fleißig
Weißstörche
Turmfalke
Turmfalke


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Kommentare zum Beitrag

Jutta Skroch
13.076
Jutta Skroch aus Buseck schrieb am 07.05.2018 um 17:59 Uhr
Das alles würde so nicht funktionieren, wenn das Gelände frei zugänglich wäre. Erstaunlich, welche Naturschätze doch noch vorhanden sind.
Vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht und die Fotos.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Elke Jandrasits

von:  Elke Jandrasits

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