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Vogelstimmenwanderung am 27.4.2018 bei Rödgen

Rauchschwalben
Rauchschwalben
Buseck | Die Vogelstimmenwanderung des NABU Rödgen am Freitagabend war zwar sehr kurzfristig angekündigt worden, dennoch hatten sich um 19 Uhr ca. 15 Vogelinteressierte am Schwalbenhaus in Rödgen eingefunden, um von dort aus mit Martin Hormann (Vogelschutzwarte Frankfurt) die Streuobstwiesen und den Wald Richtung Großen-Buseck zu erkunden. Im strahlenden Sonnenschein gestartet, war es bei der Rückkehr zum Ausgangspunkt über zwei Stunden später schon merklich dunkler geworden.

Am Startpunkt der Wanderung, dem Schwalbenhaus am Spielplatz, konnten die Mehlschwalben gesehen und gehört werden, die schon etliche Nester bezogen hatten. Dass Schwalbenhäuser durch die Wettenberger Reinhold Stork und Oliver Wegener von Mittelhessen aus in die ganze Welt, ja sogar bis nach Seattle (USA) verbreitet wurden und der Schwalbenschutz dadurch sehr gefördert wurde, war den meisten Anwesenden vorher nicht bekannt.

Auch Rauchschwalben waren unterwegs. Diese haben ihre Nester allerdings nicht im Schwalbenhaus bzw. an einer Hauswand, sondern nisten vorzugsweise in Ställen.

Nun ging es bergauf, an einem Gebüsch voller mitteilsamer Haussperlinge vorbei, aus dem Ort hinaus und durch die Streuobstwiesen.

In diesem Gebiet konnten einige Turmfalken beobachtet werden; für die auch hier vorkommenden Steinkäuze war es noch etwas zu früh. Der Vogel des Jahres 2018, der Star, gab sich die Ehre; und auch der Grünspecht war zu hören. Martin Hormann erzählte anschaulich, wie dieser Specht mit seiner 10 cm langen, mit Widerhaken besetzten Zunge auf Ameisenjagd geht.

Ein Graureiher flog vorbei Richtung Buseck und später wieder zurück; außerdem sahen wir Ringeltauben. Am Waldrand hörten wir Zaunkönig und Rotkehlchen; auch Amsel, Zilpzalp und Mönchsgrasmücke sangen.

Die Abenddämmerung zeigte sich von ihrer schönsten Seite, und der Blick Richtung Gleiberg, Vetzberg, Dünsberg und Hinterland war fantastisch.

Insgesamt hat die Zahl der Vögel stark abgenommen. Auf der heutigen Wanderung war keine einzige Goldammer, Dorngrasmücke oder Nachtigall zu hören, die normalerweise anzutreffen wären. Es gibt immer weniger Nistmöglichkeiten, und auch das Nahrungsangebot an Insekten ist nicht ausreichend. Auch Vögel, die Körner und Samen fressen, brauchen zur Aufzucht ihrer Jungen tierische Nahrung. Die Insektenbiomasse ist jedoch seit den 80er Jahren um 70% zurückgegangen. Grund ist die immer industrieller werdende Landwirtschaft und der Einsatz von Pflanzengiften und Insektiziden. Etwas Hoffnung macht das am selben Tag beschlossene EU-Verbot des Einsatzes der drei meistverwendeten Neonikotinoide in Freilandkulturen.

Die Gruppe am Beginn der Wanderung
Die Gruppe am Beginn der Wanderung
Problematisch ist auch häufiges Mähen von Grünlandflächen, weil hierdurch z.B. Wiesenblumen gar nicht mehr bis zur Blüte kommen und die Feldlerchen es nicht schaffen, ihre Jungen großzuziehen. Anwesende Biolandwirte zeigten sich erfreulicherweise zun Kompromissen bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen bereit. Es wurden auch Kontaktdaten ausgetauscht, um in den nächsten Tagen über mögliche Maßnahmen zum Vogelschutz zu reden.

Doch nicht nur die Landwirtschaft macht Insekten und Vögeln das Leben schwer, auch Privatleute tragen zu den Problemen bei: Englischer Rasen, Steingärten und sanierte Hausfassaden bieten keinen Lebensraum.

Auf dem Rückweg durch den Wald nach Rödgen rief ein Kleiber und wir fanden auf der Straße eine Blindschleiche, die wir zuerst für tot hielten, da sie offensichtlich überfahren worden war. Angestupst bewegte sie sich jedoch, und Martin Hormann nahm sie auf und setzte sie an den Straßenrand ins Laub. Dort warf sie dann ein Teil ihres Schwanzes ab, der liegenblieb, während sich die Echse ins Gebüsch verkrümelte. Hoffen wir, dass die Verletzung verheilt und sie wieder gesund wird.

Als wir aus dem Wald kamen, hörten wir eine Singdrossel, und ein auf der Wiese ruhendes Reh beobachtete uns aufmerksam.

Kurz vor den Rückkehr in den Ort zeigte sich noch ein Hausrotschwanz, und die Amseln waren auf den Wiesen bei der Nahrungssuche zu sehen. Sie ernähren sich überwiegend von Regenwürmern.

Und noch ein Tier ließ sich sehen: Ein Junikäfer war für seinen Namen viel zu früh dran und flog nach einem kurzen Besuch weiter.

In der zunehmenden Dunkelheit lösten nun die Fledermäuse die Vögel ab, und wir konnten sogar den Großen Abendsegler bewundern.

Über den Spielplatz (mit einem Vorkommen an geselligen juvenilen Hominiden) gelangten wir zurück an unseren Ausgangspunkt.

Rauchschwalben
Die Gruppe am Beginn der Wanderung
Das Schwalbenhaus
1
häuslich eingerichtet
Mehlschwalbe im Anflug
Mehlschwalbe vor dem Abflug
Am Treffpunkt
Turmfalke
weiblicher Haussperling
Schafidylle
Obstbäume in voller Blüte
1
Star (Vogel des Jahres 2018)
Streuobstwiese mit Turmfalkenkasten
Turmfalke
Turmfalken
fast schon Vollmond
Dünsberg & Brauhausturm
Gleiberg, Vetzberg und das Hinterland
ein fantastisches Panorama
Alle lauschen
Zwischen Großen-Buseck und Kernberg
Die Blindschleiche, wie wir sie entdeckt haben
Die Verletzungen sind deutlich zu sehen
Aufgrund der Farbe wohl eine männliche Blindschleiche, hier auf dem Weg ins Gebüsch
Der Schwanz bleibt zurück...
... und wird nochmal genau begutachtet
Aufmerksames Reh
Es wird dunkel
Es geht zurück


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Kommentare zum Beitrag

Wolfgang Heuser
7.406
Wolfgang Heuser aus Gießen schrieb am 29.04.2018 um 09:43 Uhr
Ein gutes Thema war das, gerade so ein Experte wie der Martin Hormann, kann da schon einiges erzählen, sehr gut darüber geschrieben! Auch viele im eigenen Garten könnten mehr für die Insekten und Wildvögel tun, sofern man dazu gewillt ist ...
Hallo Lieber Leser
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von:  Elke Jandrasits

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Interessensgebiet: Buseck
Elke Jandrasits
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