Bürgerreporter berichten aus: Buseck | Überall | Ort wählen...

Sonntagsgedanken

Buseck | Sonntagsgedanken

„Ach das wird schon“.
Sagt Frau Muth immer.
„Ach das wird schon“.
Ist doch eigentlich eine positive Einstellung!
Anders meine liebe Mutter, sie ist der Pessimist vor dem Herrn und beide leben
Im gleichen Pflegeheim.
Die Eine blickt erwartungsvoll auf das restliche Leben, während die Andere nicht
weiß, wie es weitergehen soll.
Jetzt ist Ihre Freundin im hohen Alter gestorben und Frau Muth traurig.
Mit Tränen in den Augen erzählte sie mir von den vergangenen gemeinsamen Urlauben.
Sie kannten sich schon lange Jahre, als noch keiner an ein Pflegeheim dachte.
Jetzt ist eine Leere in ihr.
Meine Mutter trauert ebenso, hat eine Freundin der späten Jahre verloren mit der sie sich gut Unterhalten konnte.
„Jetzt habe ich niemanden mehr mit dem ich hier reden kann“.
Sitze allein am Tisch und Frau Muth ist so hart, sagt Mutter.
Meine Mutter dagegen ist weich und mit nassen Augen erlebe ich sie immer, wenn ich da bin.
Angst vor dem Sterben, mit 96 Jahren bleibt nicht mehr viel.
Diese Angst versuche ich ihr zu nehmen, “das ist wie einschlafen“.
Sie sagt sie weiß nicht was noch alles kommt.
Mehr über...
Trauer (34)Liebe (101)Hoffnung (20)
Wenn wir alle wüssten was noch kommt, besser so, dass wir es nicht wissen.
Wenn wir es wüssten, dann könnte uns der Kopf zerspringen bis zum Zeitpunkt des Eintreffens.
Wenn ich gewusst hätte was mich am 20.01.2018 kurz vor Mitternacht erwartete, wäre ich nicht hingegangen.
Und so trafen mich die drei Faustschläge ins Gesicht völlig unvorbereitet.
Bestimmt wegen des Überraschungsangriff hatte ich keinerlei Schmerzen als mir das Nasenbein brach.
Hätte ich die Faust kommen sehen hätte es weh getan.
Daher sage ich, ich will gar nicht wissen was noch alles kommt.
Alles kommt so oder so im Leben.
Ist unser Leben vielleicht doch vorbestimmt und es geht kein Weg daran vorbei?
Die Zeit muss durchlaufen werden
„Ach das wird schon“, ist dieser Ausspruch ein Vertrauen auf Gott, der alle Fäden in der Hand hat und uns lenkt.
Warum die vielen Schicksalsschläge, die manche von uns Menschen trifft?
Hat Allah die moslemischen Menschen verlassen und sie flohen in das Land der Christen, der Ungläubigen.
Wir könnten auch sagen, die da kommen sind Ungläubige vor unserem Gott.
Beten tun sie alle zu einem, egal welchen Namen er hat.
Bei mir neben dem Frühstückstisch hängt ein kleiner hölzerner Jesus am Kreuz,
dem rufe ich jeden Morgen zu „guten Morgen Jesus“.
Als ich gestern meine gesammelten papiernen Zeitungsberge zum Container fuhr,
sagte der Nachbar beim Einsteigen in den Aufzug „Grüß Gott“ und ich „wenn Sie ihn sehen“.
„Jeden Tag spreche ich zu ihm, doch er gibt keine Antwort“.
Ja ich dürfe das nicht so verstehen, dass er mit Worten antworten würde.
Dazu hätte er andere Wege.
Er, der Nachbar habe von ihm schon mal eine Antwort erhalten.

Als ich dann am Abend noch mal runter ins Foyer fuhr um die Sonntagszeitung mit der Werbung der Supermärkte holen wollte stand auf der Fensterbank der Heizung ein kleiner Minibackofen.
So einen hatte ich mir gewünscht, als mein alter kleiner Backofen, der immer dabei war, wenn
es in eine Ferienwohnung ging um morgens die Brötchen aufzubacken.
Manchmal stellen in der Wohnanlage Nachbarn Dinge hin die ausgemustert werden, die aber noch zu gebrauchen sind und funktionieren, die dürfen dann mitgenommen werden.
Es ist zwar nicht erlaubt und wenn der Hausmeister das sieht entsorgt er gleich das Corpus Delikti.

Drei, zwei, eins wie bei Ebay, meins.
Nun habe ich zwar eine fast neuen Minibackofen, aber niemanden der mit mir ein eine Ferienwohnung fährt, denn es war ihre Faust die mich traf.
Also hat Gott mir einen Backofen beschert, dann denke ich an die positiven Worte der alten Dame.

"Ach das wird schon".

Sie freute sich immer wenn sie mich und damals noch die meinige mit mir gemeinsam sah.
Denn ihr Sohn hat keine Frau. Ich denke das hat sie belastet und uns beneidet.
Er gibt zum Lebensunterhalt Klavierunterricht und wird in dem Ort, in der er lebte Piano Man genannt.

So schreibt das Leben Geschichten und ich beende diese hier mit den Worten
„Ach das wird schon“.
Und was Neues wird beschert.

In diesem Sinne schönen Sonntag und auch Wochentage.

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

Der am 03.03.2020 verstorbene Ehrenvorsitzende der DLRG Kreisgruppe Gießen Ewald Born
Ein großer Mann ist gegangen: DLRG Gießen trauert um Ewald Born
Die Deutsche Lebens-Rettung-Gesellschaft (DLRG) Kreisgruppe Gießen...
„Rassismus ist ein Gift. Der Hass ist ein Gift.“
Mit diesen klaren Worten verurteilte unsere Bundeskanzlerin die...
Evangelisch in und um Gießen, heute
Alte Heilpflanzen der Lahnaue -Die Birke- Baum des Lichtes und der Hoffnung
Jetzt blüht die Birke. Für viele Allergiker ein Problem. Für unsere...
Covid-19 - Feindesland
Der Feind war über Nacht in ihr Land eingefallen. Nur die Klugen...
v.l. n. r. Erwin Kuhn (Vorsitzender), Prof. Dr. Franz Josef Wetz
Trauer und Trost - Vortrag Prof. Dr. Franz Josef Wetz
Der Hospiz-Verein Gießen e.V. hat zu einer Vortragsveranstaltung mit...
Mein Schatz
Brautschau im Botanischen Garten Marburg

Kommentare zum Beitrag

Christine Stapf
8.120
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 04.02.2018 um 15:14 Uhr
Ihre Sonntagsgedanken haben ich sofort an eine Tante erinnert. Auch sie wurde sehr alt im Gegensatz zu den Menschen, mit denen sie immer gerne ihre Freizeit teilte. Sie sagte einmal zu mir, schaue ich mir Bilder an, sehe ich nur Tote, ich bin nun übrig geblieben.
Und ja, es ist gut das wir nicht wissen was kommen wird.
Was Ihnen an 20.1.2018 (mein Geburtstag) passierte, das wünscht man natürlich keinem. Ich hoffe für Sie, dass sie keine Spätfolgen haben.
" Ach das wird schön “; diese Worte können auch helfen sich selber voran zu treiben. Mir jedenfalls haben solche positiven Sätze geholfen als ich vor drei Jahren nicht wusste ob der Krebs mich auffressen würde.
Ihre Schilderung mit dem Minibackofen, das Mieter etwas zum weiteren Gebrauch bereitstellen finde ich ok, den es landet zu viel in den Mülltonnen, was eigentlich noch funktionsfähig ist, jedoch unmodern wurde.
All das was Sie in Ihren Zeilen schrieben können wir alle erleben, wenn wir es überleben. Das sage ich mit 63 Jahren. Jedoch wird in der Gesellschaft nicht gerne über alte Menschen und über den Tod gesprochen.
Ich sage beides gehört zum Leben und danke für Ihre Zeilen, die ich sehr gerne gelesen habe.
Otmar Busse
928
Otmar Busse aus Lahnau schrieb am 04.02.2018 um 16:20 Uhr
Sehr schön geschrieben, Herr Westrupp.
Darin sind ja mehrere kleine Geschichten versteckt, die alle von vielen Emotionen begleitet sind und Ausschnitte aus dem "wahren" Leben erzählen.
Stösst zum Nachdenken an und lässt Passagen des eigenen Leben Revue passieren.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Christoph Westrupp

von:  Christoph Westrupp

offline
Interessensgebiet: Buseck
Christoph Westrupp
591
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
Kolonnaden Geschichten und Eiskugel für zehn Pfennig
Als ich noch klein und viel jünger war als heute, da gab es diese...
Sekundenglück
Kleine Geschichte des Lebens. Sekundenglück und 6 Eicheln....

Weitere Beiträge aus der Region

Fahrradstraßen für Buseck? Verkehrswende-Initiative trifft sich: 5. August, 20 Uhr
Die Initiative „Verkehrswende in Buseck“ informiert und lädt ein: ...
Kolonnaden Geschichten und Eiskugel für zehn Pfennig
Als ich noch klein und viel jünger war als heute, da gab es diese...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.