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"Sport ist Mord"

Biebertal | lautet ein übler Spruch.
Aber was wird denn da eigentlich „ermordet“?
Der Landessportbund hat in dieser Woche wieder einmal Alarm geschlagen.
23,3 Prozent – fast ein Viertel – der deutschen Bevölkerung können nach eigenen Angaben gar nicht oder nur schlecht schwimmen. Bei Kindern unter 14 Jahren liegt der Anteil der Nichtschwimmer gar bei über 30 Prozent. Angesichts dieser Zahlen wird deutlich, wie wichtig Schwimmunterricht in Schwimmbädern, Schulen und Vereinen ist.

Doch Angesichts der leeren Kassen der Städte und Gemeinden wird von deren Verantwortlichen gezwungenermaßen zuerst auf deren „freiwilligen Leistungen“ geschielt um der Haushaltsicherung gerecht zu werden, Zu einer solchen Leistung gehört zum Beispiel ein Schwimmbad. Es gab Zeiten da war man froh zu einer dieser privilegierten Gemeinden zu gehören, die sich solche Sportstätten bauen durften. So sah man die Stadtoberen mit stolzer Brust zusammen mit den Leistungsträgern des Sports, wie Hessen- oder Deutsche Meister oder Olympiasieger. Nicht nur Schwimmen, auch Reiten, Handball, Kunstradfahren oder Kegeln. Ohne Vereine, deren Jugendarbeit und die Möglichkeiten ihren Sport kostenneutral auszuüben, sind solche Leistungen nicht möglich.

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Sport (902)schwimmen (216)
Heute werden solche Vereine für ihr soziales Engagement und der guten und umfangreichen Jugendarbeit abgestraft mit Hallennutzungsgebühren, Pferdesteuer oder wie bei den Schwimmbädern – gleich dichtgemacht und so ihrer Grundlagen entzogen.
Dies ist MORD am Sport!

Schulen, Vereine oder öffentliche Einrichtungen brauche Fördervereine um unseren Kindern und Jugendlichen das zu bieten, was wir Erwachsene erleben durften. Die Möglichkeit für Bildung, Förderung oder zum Sport, so durften wir aufwachsen. Warum verwehren wir es nun unseren Kindern? Die Spielplätze sind nur für die Kleinen, der See ist nun Naturschutzgebiet, der Bolzplatz ist gesperrt weil die Nachbarn sich gestört fühlen… Die Liste ist lang.
Armes Deutschland wo steuerst du hin?

Man darf aber jetzt nicht diese Gemeinden an den Pranger stellen. Diese bekommen viele ihrer Aufgaben auch nur von „Oben“ aufgebürdet. Nur sollte die Politik bei den Vorgaben für die kommunalen Rettungsschirme auch solche „freiwilligen Leistungen“ (Büchereien, Sporthallen, Museen oder Schwimmbäder) welche nicht nur für eine einzelne Kommune, sondern für eine ganze Region vorgehalten werden, entsprechend berücksichtigen und finanziell entlasten. Nur so sind diese längerfristig tragbar.

Wir alle sind gefordert, appellieren Sie an die Politik, an die Kommunen und Schulträger ihr Engagement für unsere Sportstätten und soziale Einrichtungen nicht noch weiter herunterzufahren, sondern sich für den Erhalt von Schwimmbädern oder Sporthallen einzusetzen. Nur so morden wir nicht das noch funktionierende Vereinswesen, die unzähligen ehrenamtlichen Helfer oder die sozialen Kontakte unserer Kinder in den Vereinen dahin.

Stellen wir hier einfach die Frage: „was geschieht mit einer Gemeinde, deren Bürger von solchen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und des Vereinslebens beraubt werden?“
Die stirbt – Ermordet. Da will keiner wohnen oder leben.

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Kommentare zum Beitrag

Alex Knaack
589
Alex Knaack aus Linden schrieb am 18.02.2014 um 20:40 Uhr
Schwimmunterricht gehört für mich zu den wohl eher traumatisierenden Schulerfahrungen.
Zum Glück hatten wir keine Gemeinschaftsdusche, aber peinlicherweise eine Sammelumkleidekabine.
Dann kam noch hinzu, dass es nicht damit getan war, dass man schwimmen gelernt hat - das konnte ich ja bereits, sondern man musste volle Leistung bringen - Bahnenschwimmen!
Als ich merkte wie der Hase läuft, habe ich das Schwänzen angefangen.
Interessanterweise habe ich später in den schottischen Highlands auf einer Lachsfarm gearbeitet, die draußen auf dem Meer installiert war.
Wenn es stürmisch wurde, waren meine Fischerkollegen nervös, schließlich erklärten sie mir, dass sie nicht schwimmen konnten.
Arbeiten jeden Tag auf dem Meer aber können nicht schwimmen!
Daher ist wohl das eine oder andere Schwimmbad erforderlich.
Christian Momberger
11.028
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 23.02.2014 um 22:15 Uhr
Danke Herr Schad für den Artikel zu diesem wichtigen Thema, der durchaus die richtigen Punkte nennt, Fragen anspricht und Schlussfolgerungen zieht.

Viele fortschrittliche Kräfte (u.a. Gewerkschaften) haben ja schon 2011, als es um die Verankerung der "Schuldenbremse" in der Hessischen Verfassung ging, davor gewarnt diesen Ansinnen zuzustimmen. Denn diese wird zu einem weiteren sozialen Kahlschlag und dem weiteren Abbau von sog. "freiwilligen" Leistungen führen.
Dabei finde ich, stellen u.a. die Schwimmbäder eben keine freiwillige Leistung da, sondern sind für mich ein Teil der notwendigen öffentlichen Grunddaseinsvorsorge. Wenn man Schwimmbäder schließt und damit die Schwimmfähigkeit der Bevölkerung weiter schwächt und den Jugendlichen sinnvolle Freizeitmöglichkeiten nimmt, sollte man auch die gesellschaftlichen Folgekosten bedenken und mit einrechnen.

Und wie oben auch schon richtig geschrieben wurde, ist das zentrale Problem die mangelnde Finanzausstattung der Kommunen. Der damalige DLRG-Landesverbandspräsident Harald Blum sagte in seinen Rede auf der Bezirkstagung des DLRG-Bezirk Gießen Wetterau-Vogelsberg im April 2011 in Heuchelheim in seiner Rede: Schuld für die Finanzlage der Kommunen "sei vielmehr die bereits seit Jahrzehnten von Bund und Land zu verantwortende und politisch gewollte chronische Unterfinanzierung der Kommunen, welche die finanziellen Handlungsspielräume der Städte und Gemeinden immer weiter einenge. Als ehemaliger Stadtverordneter in Südhessen könne er aus eigener Erfahrung berichten, dass die Gestaltungsmöglichkeiten der Kommunalparlamente immer geringer würden. Teilweise bestehe nicht mal mehr die Möglichkeit zu entscheiden, ob nun zwei oder drei Bücher für die Stadtbücherei angeschafft werden. Dieser Zustand dürfe nicht länger hingenommen werden und stelle eine große Gefährdung für die Demokratie dar. Bürgermeister, Kommunalpolitiker und die DLRG sollten sich gemeinsam dagegen wehren und mit Nachdruck fordern, dass den Kommunen endlich die nötigen Finanzmittel zur Finanzierung der ihnen übertragenen Aufgaben und zum Erhalt der kommunalen Infrastruktur an die Hand gegeben würden." (Quelle: DLRG-Bezirksvorstand einstimmig wiedergewählt)
Ihm ist nur beizupflichten. Aber leider schließen die Bürgermeister und verantwortlichen Kommunalpolitiker lieber Schwimmbäder, Büchereien und ähnliches mehr, anstatt gemeinsam mit den Betroffenen, den Bürger sich gegen die Politik ihrer Parteikollegen in Bund und Land zu wehren.
Die sog. "Rettungsschirme" oder "Schutzschirme" sind keine solchen für die Kommune, sie lösen nicht das o. g. zentrale Problem der Kommunen.

Ein bekannter Spruch der Friedensbewegung lautet: "In der Rüstung sind sie fix, aber für die Bildung tun sie nix!" und statt Bildung könnte man auch den Bereich Sport und Freizeit, die Schwimmbäder und Turnhallen nennen. Vielleicht sollten wir uns also mal fragen, ob wir wirklich Kampfdrohnen und anderes sündhaft teures Kriegsgerät brauchen oder ob es nicht sinnvoller ist, das Geld für die Unterhaltung der öffentlichen Infrastruktur zu investieren. Denn Bildung ist der einzige (zukunftsfähige) Rohstoff den wir hier in Deutschland haben. Und gute Wissenschaftler, Ingenieure, etc. werden wir - genau wie gute Spitzensportler, die dann Medaillen bei Olympia hohlen können - werden wir nur bekommen, wenn wir gute Bildung für Alle und eine intensive Förderung des Breitensports haben.
Michael Schad
362
Michael Schad aus Hungen schrieb am 24.02.2014 um 08:49 Uhr
Danke Christian,
von dir (ich glaube mir waren früher mal beim "Du") habe ich dies Feedback erwartet, leider ist der Rest der Region noch viel zu ruhig. Zur Zeit denkt jeder Verein nur in seiner Schublade. Doch die Problematik des Vereinssports hat schon lange flächendeckender. Pferdesteuer bei den Reitvereinen, Hallennutzungsgebühren für Indoorsport, stillgelegte Fußballplätze durch Spielgemeinschaften, beschränkte Mittel für Jugendarbeit und Ferienspiele in den Gemeinden... die Liste ist lang und nach wie vor stehen Schwimmbäder bei den Kürzungen ganz oben. Wir regen uns schon wieder einmal über zu wenig Medalien bei Olympia auf und vernichten im gleichen Atemzug deren Grundlagen - die Jugendarbeit in den Vereinen. Ich sehe auf Grund des Investitionsstaues unsere Hallenbäder noch lange nicht in Sicherheit und eine Zusammenarbeit von Schwimmvereinen, DLRG, Fördervereinen und Schulen findet nicht statt um diesen Prozess zu stoppen.
Christian Momberger
11.028
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 24.02.2014 um 22:38 Uhr
Nichts zu danken. Und ja wir waren bzw. sind bei Du, unter DLRG-Kameraden. ;-)

In der Tat ist es noch viel zu ruhig. War heute abend z.B. bei einem Infoworkshop des Sportamtes der Stadt Gießen zu den neuen Sportförderrichtlinien und da berichtete der Sportamtsleiter, das der Etat seit 2009 von damals etwas über 400.000,- € auf 348.000,- € in 2013 gesunken ist. Für 2014 sind im Haushalt 328.000,- € vorgesehen und in den Jahren danach sogar nur jeweils 318.000,- €. Aber Kritik, Protest, etc. gab es keine/n.

Ich nur zustimmen, wenn Du eine stärker Vernetzung der betroffenen zwecks gemeinsamen Protest forderst.

Vielleicht sollten wir uns auch mal über grundsätzliche Alternative zu diesem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, welches nur auf dem maximalen Profit ausgerichtet ist, überlegen.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Michael Schad

von:  Michael Schad

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