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Die Kollodium-Nassplattenfotografie, Fotografieren wie vor 160 Jahren

Ambrotypie auf Glas, 18x24cm
Ambrotypie auf Glas, 18x24cm
Biebertal | Wir machen Bilder, sehr viele Bilder...und jeden Tag werden es mehr. Und was geschieht mit all diesen wunderbaren Bildern? Bestenfalls werden sie gezeigt, im Internet, unter Freunden, in der Familie...auf dem Display der Kamera, dem i-Pad, dem Phone oder dem Computerbildschirm. Die meisten Bilder aber wandern ungesehen ins digitale Archiv und werden vergessen. Jeder „Fotograf“, stellt sich irgendwann die Frage, warum fotografiere ich, was will ich erreichen? Und meistens läuft es auf eine Antwort hinaus, die da lautet, es soll Spass machen, es ist ein Hobby. Also geht es doch hier nicht um die Bilder, sondern um das Fotografieren, das eigentliche Bilder machen.

Was es wirklich heisst, Bilder zu „machen“, mit der Hand und ohne technische Hilfsmittel, erfuhr ich Anfang letzten Jahres, als ich zum ersten Mal in Kontakt mit dem inzwischen 160 Jahre alten fotografischen Prozess Kollodium-Nassplatten Fotografie in Berührung kam. Seitdem lässt mich dieses archaisch anmutende Verfahren nicht mehr los. Bei diesem Prozess werden Fotografien auf einer mit flüssigem Kollodium beschichteten Glasplatte erstellt. Alles was man dazu benötigt ist ein Kasten mit Loch (genannt Kamera) eine Glassplatte und chemische Substanzen zum Beschichten, Entwickeln und Fixieren derselben.

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Kollodium-Nassplattenfotografie (1)Historisch (8)fotografie (193)Biebertal (226)Ambrotypie (2)
Kurzbeschreibung: Eine gründlich gesäuberte Glasplatte wird mit einer flüssigen Kollodium-Jodid/Bromid Mischung begossen, diese dann für 3 Minuten in ein Sibernitratbad getaucht und damit lichtempfindlich gemacht, anschliessend im nassen Zustand in der Kamera belichtet, sofort danach mit eisensaurem Essig entwickelt und mit Natriumsalz fixiert. Wenn man alles richtig gemacht hat, hält man ein Bild in Händen, welches in Sachen Auflösung mit jeder modernen Megapixelkamera mithalten kann.

Warum ich das hier schreibe? Weil die Beschäftigung mit diesem historischen Verfahren inzwischen mein Leben verändert hat, meine Art zu fotografieren und Dinge zu sehen und ich etwas davon weitergeben möchte. Es ist die ursprünglichste und ehrlichste Art, Bilder zu machen, den Moment der Zeit in einer Silberschicht auf Glas einzufrieren und auch wirklich pysikalisch in Händen zu halten. Ein einziges Bild zu machen, benötigt 30 Minuten Zeit, man fotografiert überlegt und bewusst. Es ist eine langsame konzentrierte Art der Fotografie und die Ergebnisse erscheinen wie Zeugnisse aus einer vergangenen Zeit.

Ambrotypie auf Glas, 18x24cm
Ambrotypie auf Glas, 18x24cm
Wenn man sich mit so alten Dingen beschäftigt, kommt man wieder in den Kontakt mit all den wundervollen Dingen von damals. Golden glänzendes Metall und Edelholz alter Holzkameras, wie wir sie nur aus Museen kennen, wird wieder zum Leben erweckt und benutzt, wofür es einmal geschaffen wurde. Und man erfährt eine Menge über die Geschichte und Hintergründe aus der Zeit vor 160 Jahren.

Nun möge jemand einwenden, die Umwelt sollte in unserer Zeit nicht mehr durch solche chemischen Verfahren belastet werden. Hier kann ich weitgehend Entwarnung geben, das Kollodium-Nassplatten-Verfahren kann heutzutage mit relativ harmlosen Chemikalien durchgeführt werden, einzig das Silbernitrat, welches zum Sensiblisieren der Kollodiumschicht als Tauchbad genutzt wird, darf nicht in die Umwelt gelangen. Da es aber über Jahre verwendet werden kann und danach einem geordneten Entsorgungsprozess zugeführt werden sollte, ist mit verantwortlichen Handeln keine Gefahr für die Umwelt gegeben. Anders ausgedrückt, ich denke die Produktion der Millarden von Digitalkameras, deren Generation im 5-Jahresryhthmus erneuert wird, verschlingt mehr Ressourcen.

Andreas Reh – Kollodium-Nassplatten Fotografie , Silberbilder auf Glas

Ambrotypie auf Glas, 18x24cm
Ambrotypie auf Glas,... 
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Ambrotypie auf Glas, 18x24cm
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Kommentare zum Beitrag

Klaus Lowitz
6.571
Klaus Lowitz aus Reiskirchen schrieb am 05.02.2013 um 13:24 Uhr
Faszinierend!
Peter Herold
25.701
Peter Herold aus Gießen schrieb am 05.02.2013 um 13:47 Uhr
Ja für mich auch. Vor allem ist da jemand der dem so genannten mainstream trotzt. Finde ich klasse.
Hugo Gerhardt
6.689
Hugo Gerhardt aus Gießen schrieb am 05.02.2013 um 17:12 Uhr
Spannende Sache
Tara Bornschein
7.277
Tara Bornschein aus Reiskirchen schrieb am 05.02.2013 um 19:37 Uhr
Hört sich sehr interessant an!
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Herzlichst, Ihr(e) Andreas Reh

von:  Andreas Reh

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Interessensgebiet: Biebertal
Andreas Reh
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