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Biebertal, Kultur bewegt

von Jens Thomaeam 15.06.20101112 mal gelesenkein Kommentar
Biebertal | Lyrische Antworten auf die Frage nach Gott

Bereits zum 3. Mal konnte die ev. Kirchengemeinde Rodheim-Vetzberg zahlreiche Besucher zu ihrer Veranstaltungsreihe“Der Mensch – ein Kulturwesen“ begrüßen. Die Referentin Susanne Dickfeld-Teichmann M. A., Germanistin und freie Lektorin, ging in ihrem Vortrag der Frage nach, wie sich Lyrikerinnen und Lyriker im 20. Jahrhundert zur Gottesfrage äußerten.

Wie auch bei den anderen beiden Vorträgen leitete Dr. phil. Bodil von Thülen den Abend ein und verband in anschaulicher Weise Musik, Kunst und Lyrik miteinander.

Anschließend begann Susanne Dickfeld-Teichmann ihren Vortrag mit Überlegungen zur Besonderheit der poetischen Sprache: Damit sich Gedichte dem Unsagbaren, nämlich Gott, nähern können, brauchen sie eine andere als die zweckhafte Sprache unseres Alltags. Diese poetische Sprache hat besondere Fähigkeiten, die ganz bewusst beim Schreiben lyrischer Dichtung eingesetzt werden. Hier konnte die Referentin auf ihre Erfahrungen zurückgreifen, denn schon während des Germanistik-Studiums lag ihr Schwerpunkt im Bereich der Sprachproblematik und der Lyrik. Und
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so zeigte Susanne Dickfeld-Teichmann anschließend ganz praktisch anhand ausgewählter Gedichte, wie verschieden das Ergebnis der Lyrikerinnen und Lyriker ausfallen konnte. In kurzen, pointierten Interpretationen erhielten die Anwesenden einen Überblick über die Themen, die in der Lyrik des 20. Jahrhunderts anzutreffen sind. So war der Gotteszweifel angesichts der Geschichte und der menschengemachten Umweltkatastrophen deutlich zu spüren. Aber trotz allem gab es auch immer wieder Stimmen, die versuchten, ein Gotteslob – wenn auch nur stammelnd – zu äußern.
So war unter den vorgestellten Lyrikerinnen und Lyrikern auch Rainer Maria Rilke, der trotz Nietzsches Behauptung, dass Gott tot sei, ihn weiterhin suchen will und darin eine Aufgabe seines Künstlertums sah. Marie Luise Kaschnitz, die versuchte, trotz der Gräueltaten der NS-Zeit nicht zu verstummen und ihre religiösen Zweifel in einer angemessenen Sprache zu benennen. Auch an Gegengebete, die christliche Gebetsforme aufgreifen, sie aber verfremden, wurde die Frage nach Gott deutlich. Ein Gespür für die poetische Sprache konnten die Anwesenden gewinnen, als sie selbst Lücken in einem Text Friederike Mayröckers ausfüllen sollten. Zum Schluss des Vortrags wurde auch offenkundig, dass es ein sehr menschlicher Wunsch ist, den letzten Sehnsüchten, Ängsten und Hoffnungen sprachlich Ausdruck zu verleihen. Dass dies in gewisser Weise immer unzulänglich sein wird, hält die Lyrikerinnen und Lyriker aber nicht ab, es weiter zu versuchen.

Der Abend wurde von Konstanze Kalcher musikalisch umrahmt. Der Künstler Jens Thomae zeigte eigene Bilder.
weitere Informationen unter www.atelier-jens-thomae.de

Eine Fortsetzung der Reihe ist geplant.

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