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"Oh, Ringelnatz, du Morgenstern": Christian Quadflieg liest in Biebertal

Christian Quadflieg im Bürgerhaus Rodheim
Christian Quadflieg im Bürgerhaus Rodheim
Biebertal | Rund 250 Personen haben am Freitagabend im Rodheimer Bürgerhaus dem bekannten Schauspieler und Rezitator Christian Quadflieg zugehört, der 100 Minuten lang Lyrik und Kurzprosa von Meistern der Wortverdrehungen vortrug. Texte, wie der Schauspieler betonte, die dem Kind in uns gewidmet sind, die Sinn in Gegensinn, in Unsinn und in Doppelsinn verkehren. Damit verlieh er durch Sprache und Ausdruck einem Phänomen seine Stimme, dass in mannigfaltiger Gestalt in der Literatur erscheint, jedoch meist unentdeckt bleibt, oder als „Nonsens“ verpönt und nicht weiter beachtet wird.
Hinter einem Pult stehend präsentierte der sympathische Mime die von ihm zusammengestellte „wahnsinnliche Dichtung“ von 25 Wortverdrehern aus drei Jahrhunderten und bot damit ein Potpourri verbaler Kostbarkeiten bekannter und weniger bekannter, aber nicht minder interessanter Autoren, das keinen der Zuhörer kalt ließ. Vorneweg die Meister des Doppelsinns wie Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, die Namensgeber der Veranstaltung, dann Klassiker wie Goethe, Schiller, Heine, Tucholsky und Brecht , aber auch fast und zu Unrecht vergessene
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Autoren wie den Schwabinger Dichter Peter Paul Althaus (1892 – 1965) brachte Quadflieg zu Gehör. Er würdigte den Dadaisten Kurt Schwitters, zitierte Robert Gernhardt und erinnerte an Viktor von Scheffel und Detlev von Liliencron. In diesem Reigen der Wortverdreher durften auch der 1979 verstorbene Heinz Erhard und der 2000 verstorbene Ernst Jandl nicht fehlen.
Die Zuhörer amüsierten sich köstlich. So bei dem „Gebet einer Frau“ des österreichischen Dichters und Dramatikers Ignatz Franz Castelli, der von 1771 bis 1862 lebte. „Nicht länger ist es zu ertragen. Mit meinem bösen Mann. Ach! Gestern hat er mich geschlagen, dass ich nicht stehen kann. Gott, ende einmal meine Leiden, zerreiß dies lästge Band! Nimm zu Dir eines von uns Beiden - Ich ziehe dann aufs Land.“
Das Publikum hatte seinen Spaß an Sprachakrobatik und Wortwitz und bedankte sich bei dem stimmgewaltigen Vortragskünstler mit lang anhaltendem Applaus. Quadflieg gab daraufhin zwei Zugaben. Eine Dame, die nach dem Ende der Veranstaltung das Bürgerhaus verließ, meine denn auch: „Es war zum Kugeln“ und fügte dann seufzend hinzu: „Wenn man sich doch nur ein Fünftel davon behalten könnte“.

Christian Quadflieg im Bürgerhaus Rodheim
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von:  Tomas Schrewe

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