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Das letzte Machtzentrum der Kelten – die Keltenstadt auf dem Dünsberg

Nachgebautes Keltentor am Dünsberg.
Nachgebautes Keltentor am Dünsberg.
Biebertal | Stolz begutachtet der Mann sein Werk. Die Münze ist nicht größer als der Nagel seines kleinen Fingers und glänzt silbern. Auf der einen Seite der Münze ist ein Pferd zu erkennen, der Kopf nach hinten gedreht. Auf der anderen Seite ist ein kleines Männlein abgebildet. Der Kopf schaut zur Seite, die Haare stehen wie Stacheln eines Igels nach oben. Arme und Beine streckt das Männlein zur Seite, als wenn es tanzen würde. Der Mann bewundert die filigranen Figuren und fährt mit dem Finger über die Erhebungen. Es hat lange gedauert, bis der Stempel, mit dem er die Münze geprägt hat, fertig war. Er durfte kein einziges Detail der Figuren vergessen. Anschließend hat er Bronze genommen und flache Münzen hergestellt. Nachdem sie hart waren, wurden sie in Silber getaucht und mit dem Stempel geprägt. Nun ist er mit seinem Werk zufrieden. Sie sehen aus wie die Silbermünzen, mit denen er als Schmied für seine Arbeit bezahlt wird. Keiner würde auf die Idee kommen, dass sie nicht echt sind, sondern nur mit Silber überzogen. Leise summend räumt er seine Werkstatt auf und macht sich auf den Weg zu seinem Wohnhaus, mitten in der keltischen Stadt auf dem Dünsberg.

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Über 2.000 Jahre ist das Falschgeld alt, das auf dem Dünsberg gefunden wurde. Bisher ist allerdings nur eine Münze aufgetaucht, bei der mit Sicherheit gesagt werden kann, dass sie nicht echt ist. Sie besitzt einen Kern aus Bronze oder Kupfer anstelle von Silber. Dadurch wirkte sie auf den ersten Blick wertvoller, als sie tatsächlich war. „Bei Münzen war die Prägung egal, das Material war wichtig“, erklärt Arnold Czarski, Geschäftsführer des Vereins Archäologie im Gleiberger Land. Die falsche Silbermünze wurde am Opferplatz der keltischen Stadt gefunden und wies kaum Gebrauchsspuren auf. Ob sie als Gabe für die Götter angefertigt wurde oder nur zufällig dort gelandet ist, weiß niemand.
Vieles über die Keltenstadt auf dem Dünsberg ist noch ungeklärt. Es ist nicht bekannt, wann genau der Berg besiedelt wurde. Eine Art Burganlage gab es wohl schon am Ende der Bronzezeit, im achten Jahrhundert vor Christus. Keltische Fundstücke reichen dagegen nur bis ins dritte Jahrhundert vor Christus zurück. In spätkeltischer Zeit, ungefähr ab 140 v. Chr., war die Siedlung zu einer mächtigen keltischen Stadt angewachsen. Die Römer nannten die Stadt „Oppidum“, eine römische Bezeichnung für die politischen, wirtschaftlichen und wohl auch religiösen Zentren der Kelten.
Das „tanzenden Männlein“, eine Form der Silbermünze, die auf dem Dünsberg geprägt wurde.
Das „tanzenden Männlein“, eine Form der Silbermünze, die auf dem Dünsberg geprägt wurde.
Die Kelten bauten Eisenerze auf dem Dünsberg ab und bearbeiteten sie anschließend, was ihnen Wohlstand und Reichtum einbrachte. Die Stadt war dicht besiedelt, in der Blütezeit könnten um die 5.000 Menschen dort gelebt haben. Die Häuser standen auf „Podien“, kleinen Terrassen, auf denen je ein Haus oder die Gebäude eines Gehöfts standen. Um die Stadt herum gab es drei Ringwälle, von denen heute nur noch die Erdhügel übrig sind. Drei Wasserstellen am äußersten Ringwall versorgten die Bevölkerung mit Wasser.
Die Kelten selbst müssen ein beeindruckendes Bild für die Römer und Germanen abgegeben haben. Sie waren groß, hatten meist rotblonde Haare und trugen farbenfrohe Kleidung in den unterschiedlichsten Mustern. Sie zeigten gerne ihren Reichtum und trugen viel Schmuck und kunstvoll ausgearbeitete Gürtel. Am auffälligsten war jedoch, dass die keltischen Männer, als einzige in ganz Europa, Hosen trugen.
Das Ende der keltischen Stadt auf dem Dünsberg ist genauso wenig bekannt wie der Anfang. Möglicherweise wurden die Kelten von den Römern besiegt, die in Waldgirmes eine eigene Stadt aufbauen und keine kriegerischen Nachbarn haben wollten – die Kelten galten nicht gerade
Wieder zusammengesetzte Urne aus einem Grab, das 2008 entdeckt wurde.
Wieder zusammengesetzte Urne aus einem Grab, das 2008 entdeckt wurde.
als friedliebend. Vermutlich haben die Kelten den Dünsberg bis um 20 v. Chr. besiedelt. „Der Dünsberg war wohl eine der letzten Höhensiedlungen hier und wohl auch das letzte Machtzentrum, die letzte freie Stadt“, erzählt Arnold Czarski. Aber auch diese Stadt hat es am Ende nicht geschafft, sich gegen die Römer und Germanen zu behaupten.

Für Besucher wurden auf dem Dünsberg ein Keltentor und ein Gehöft nachgebaut. Auch die Wallanlagen sind zumindest als Erdhügel noch zu erkennen. Ebenso wurde ein Wasserreservoir detailgetreu rekonstruiert. Original-Fundstücke und einige Nachbildungen können im Museum in Biebertal-Rodheim besichtigt werden. Ab Herbst ist eine neue Ausstellung geplant, unter anderem mit Funden, die in den letzten beiden Jahren entdeckt wurden. Dazu gehören eine Urne aus einem neu entdeckten Grab und Schmuck, der als Grabbeigabe verwendet wurde. Das Museum ist jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 – 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Sonderführungen sind nach Absprache möglich, auch zu den Grabungsstätten am Dünsberg. Infos und Kontakt unter www.archaeologie-im-gleiberger-land.de.

Nachgebautes Keltentor am Dünsberg.
Nachgebautes Keltentor... 
Das „tanzenden Männlein“, eine Form der Silbermünze, die auf dem Dünsberg geprägt wurde.
Das „tanzenden... 
Wieder zusammengesetzte Urne aus einem Grab, das 2008 entdeckt wurde.
Wieder zusammengesetzte... 
Spitzgraben direkt am Wall. Dahinter stand eine 5 Meter hohe Mauer.
Spitzgraben direkt am... 
Keltische Lanzenspitze und Schildnagel.
Keltische Lanzenspitze... 
Teil einer Glasperle.
Teil einer Glasperle. 
Nachbildung von Goldmünzen.
Nachbildung von... 

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