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Nach der Ausstellung die Studie "Rechts gegen links. Mechterstädt als Symbol"

Biebertal | Nach der Ausstellung "Das Massaker von Mechterstädt 1920" folgt die Studie "Rechts gegen links. Mechterstädt als Symbol" (erscheint im Juni 2017 im Eckhaus Verlag Weimar). Aus dem Klappentext:
"Diese Studie steht im Zusammenhang des Ausstellungsprojektes „Das Massaker von Mechterstädt 1920“. In dieser Ausstellung werden auf 28 Tafeln die Mechterstädter Vorgänge in ihrem politischen Kontext so dargestellt, daß ein Überblick über den Gesamtvorgang möglich ist. Ministerpräsident Ramelow hatte für die Ausstellung die Schirmherrschaft übernommen und diese, als sie in Mechterstädt, am historischen Ort, gezeigt wurde, selbst eröffnet. Die Ausstellung war 2016 in Gotha, Eisenach, Mechterstädt, Gießen und 2017 in Marburg und Weimar zu sehen. 2016 ist im Eckhaus-Verlag Weimar ein Katalog mit dem Titel der Ausstellung erschienen.

Die Studie stellt die Morde an den fünfzehn Arbeitern in Mechterstädt in einen Zusammenhang, den sie als zentral für diese Geschichte erachtet: die politisch-militärischen Auseinandersetzungen zwischen rechts und links nach dem Kapp-Putsch 1920 in Thüringen und speziell in Gotha, zwischen
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rechter Mehrheitssozialdemokratie, die sich der Reichswehr bediente, und linker Arbeiteropposition. Der Kapp-Putsch führte in Thüringen wie auch im Ruhrgebiet vom Arbeiterwiderstand in den „bewaffneten Arbeiteraufstand“ (Lucas), in eine revolutionäre Arbeiterbewegung, welche mehr wollte als das, was in der Novemberrevolution erreicht worden war. Die Morde in Mechterstädt sind in Thüringen der Höhe- und Schlußpunkt dieser Konfrontation von rechts und links. „Mechterstädt“ wurde zu einem schrecklichen Symbol dieser Konfrontation, einem Symbol der Rechten, die kurzen Prozeß machte. Es sollte ein Exempel statuiert werden.
Bei all dem spielte es keine Rolle, ob die fünfzehn erschossenen Arbeiter aktiv in Arbeiteraufstände verwickelt waren oder ‚nur’ im Widerstand gegen Kapp-Putschisten Bauern, die der Einwohnerwehr angehörten, die Gewehre abnahmen. In den Augen der studentischen Soldateska, die von der Reichswehr rekrutiert worden war, waren es „Rote“, „Bolschewiken“; sie standen insofern für die revolutionäre Arbeiterbewegung und fungierten als deren Platzhalter. Auch wenn in Mechterstädt und anderswo die vordem in weiten Teilen hochverräterische Reichswehr die Arbeit erledigte, stand dahinter doch der politische Wille der Mehrheitssozialdemokratie, sich mittels militärischer Gewalt der linken Arbeiteropposition zu entledigen.
Die Studie macht diesen Grundkonflikt in seinen konkreten Dimensionen, bezogen auf die konkreten Orte (Marburg, Weimar, Gotha) und die sozialen Bereiche (Reichswehr, Studenten, Zeitfreiwillige) sichtbar und kann zeigen, daß es sich bei den Mechterstädter Morden nicht um einen zufälligen, sondern einen geplanten Akt handelte."

Als die Ausstellung im Gießener Gewerkschaftshaus gezeigt wurde, sprach ich im Vorfeld verschiedene "Linke" an, die "LINKE" als Gruppe, auch Michael Beltz, bat um support. Null Reaktion. Da kann ich nur sagen: das ist doch sehr sehr armselig!!
Die dkpistischen Linken grollen mir, weil ich einmal ihre Ikone, die Stalinistin Ria Deeg, kritisiert hatte, die sich seinerzeit in der Ausstellungskontroverse nach 1989 auf die Seite der Zimmer-Nachkommen und ihre Geschichtsklitterungen geschlagen hatte. Ich mache auch heute keine Abstriche und könnte noch einiges hinzufügen.

 
 

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.323
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 25.05.2017 um 16:48 Uhr
Im Artikel steht: "(....) Die dkpistischen Linken grollen mir, weil ich einmal ihre Ikone, die Stalinistin Ria Deeg, kritisiert hatte, die sich seinerzeit in der Ausstellungskontroverse nach 1988 auf die Seite der Zimmer-Nachkommen und ihre Geschichtsklitterungen geschlagen hatte. (....)"

Herr Professor Reimann, ich kenne sie ja nicht persönlich, aber der angesprochene Michael Beltz sehe ich regelmäßig auf der Giessener Montagsdemonstration.

Ein ungeklärter Dauerkonflikt seit 1988 - also fast 30Jahre??!!

Beltz wird merklich älter (und damit klappriger) und sie dürften auch nicht viel jünger sein. Sollten diese beiden ausgesprochen unabhängigen Köpfe in absehbarer Zeit "in die Kiste springen" ohne zumindest den Versuch gemacht zu haben, die Kontroverse beizulegen?

Es geht doch nicht darum, dass der Eine oder der Andere Recht hat, sondern darum den dem Konflikt zugrunde liegenden Sachverhalt für die Nachwelt durchschaubar zu machen. Warum? - Weil die Ehrung von Ria Deeg im Moment durch die Partei der ...... zwar auf Eis gelegt wurde, aber zu erwarten ist, dass bei nächster günstigeren Gelegenheit die Bestrebungen Ria Deeg zu ehren wieder an Fahrt aufnehmen werden.

kurzer Hinweis: Es gibt neben den zwei angesprochenen Parteien im linken Spektrum noch jede Menge andere Fraktionen.
Bruno W. Reimann
352
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 25.05.2017 um 23:15 Uhr
Es geht darum, daß die "Linke" in Gießen, von denen keiner noch den Kopf aus dem Provinzmief herausgestreckt hat, von einer Ausstellung keine Notiz genommen hat, für die der MP Ramelow nicht nur die Schirmherrschaft übernommen, sondern sie in Mechterstädt, dem historischen Ort, eröffnet hatte. Das ist nichts als Provinzmief und ich sage: pennt ruhig weiter!
Martin Wagner
2.323
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 26.05.2017 um 09:16 Uhr
Herr Professor Reimann

Auf ihrer Homepage * ist glasklar nachzulesen, dass sie anhand des Umganges mit einem Herrn Zimmer bzw. seine Nachfahren lückenlos nachweisen können, dass nach dem Krieg eine sehr breite Front der Vertuscher in Giessen in bezug auf dessen Vor-45-Aktivitäten am Werk war. Und diese Front bestand - da mag der Vorwurf der speziellen Giessener Provinzialität zutreffen - bis in die Reihen des sich selber als fortschrittlich definierenden "linkeren" Fraktionen der "S"PD.

Sie gehen noch weiter und sehen auch Ria Deeg - eine ausgewiesene antifaschistische der Partei treu ergebenen Kommunistin der Moskaufraktion - in dieser sicher nie ofiziell erklärten, aber faktisch bestehenden Verteidigerfront des Herrn Zimmers.

So ein politisch - nicht rechtlich - weitreichender Vorwurf sollte doch in einem Gespräch - notfalls unter Heranziehung von Fachleuten - zu klären sein. Ich denke - jetzt wo der Staub der alten Konflikten langsam verraucht - z.B. das Eger-Heim wurde von den Jungen umbenannt - besteht doch eine Chance eine unaufgeregte "Würdigung" dieses Herrn hinzubekommen. Und noch einmal: Auf Ria Deeg bezogen, sollte das klar sein, denn ihre Würdigung ist nur momentan von Tisch.

Es geht z.B. doch auch nicht mehr darum, dass die direkten Nachkommen noch ein Interesse daran hätten das Bild ihres Vaters "glänzen zu lassen" (dürften nicht mehr leben und Enkel interessiert so etwas nur in den seltensten Fällen) sondern darum um an diesem Beispiel nachzuweisen, wie nach 45 Kontinuität im politischen Geschäft aufrecht erhalten werden konnte. Also eine auf Giessen bezogene Demaskierung derjenigen, welche immer vom Neuanfang geschwätzt hatten und anstatt die Belasteten rauszuschmeissen mit diesen Personenkreis glaubten ein demokratisches neues Deutschland aufbauen zu können.

Nicht nachzuvollziehen kann ich ihr Loblied auf den MP Ramelow. Er mag sich ja bei der Ausstellung korrekt verhalten haben, aber Herr Professor ihnen ist schon klar, dass er einer linken Fraktion der Spezialdemokratie (wenn sie so wollen der modernen U"S"PD) angehört. Also eine politischen Richtung, welche sie - ich finde zu recht - als unfähig aus der Geschichte zu lernen diagnostisieren.

Ich wiederhole mich gerne. In Giessen besteht die "Linke" nicht, wie sie glauben feststellen zu können, nur aus den Parteien "Die Linke" ** und "DKP". Zwar stellt sie personell gesehen einen großen Teil, aber es gibt jede Menge kleinere von diesen Parteien unabhängige Gruppen. Zu einer diesen Kleingruppen zähle ich mich und deswegen finde ich ihren Rundumschlag über den Giessener Provinzmief etwas zu pauschal.

* https://www.bruno-w-reimann.de/

** Ist die Partei "Die Linke" eigentlich im Moment noch dem linken Lager zuzurechnen oder ist sie schon in den spezialdemokratischen Meanstream abgewandert, also dem bürgerlichen Lager zu zurechnen? Wie sieht diesbezüglich die Lage im Bund, in Hessen und in Giessen aus? Das wäre aber eine andere Diskussion.
Michael Beltz
6.918
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 27.05.2017 um 13:19 Uhr
Beltz und Reimann werden älter - das hat Martin Wagner vortrefflich diagnostiziert.
Ich habe Bodo Ramelow kürzlich in Frankfurt im Gewerkschaftshaus getroffen - er hat mich nicht geehrt, wofür ich ihm dankbar bin.
Stefan Walther
4.199
Stefan Walther aus Linden schrieb am 27.05.2017 um 23:42 Uhr
Gut dass die revolutionären Arbeiter nicht mehr mitbekommen können wie heute Linksreformisten die Schirmherrschaft über solch eine - sehr gute! - Ausstellung übernehmen

Ich bin mit Sicherheit kein Anhänger der DKP Herr Reimann, aber wieso wundern Sie sich eigentlich wenn Sie "Null Reaktion" auf eine Anfrage bekommen wenn Sie selbst bürgerliche antikommunistische Begriffe wie "Stalinistin" verwenden?

Zu Ihrer Beurteilung der linken Kräfte in Gießen hat Herr Wagner schon einiges geschrieben, da bedarf es keiner großen Ergänzung, ausser vielleicht, dass Ihr Urteil doch ziemlich überheblich daher kommt, ich finde es schon ziemlich anmaßend sich über die linken Kräfte und deren Politik ein Urteil zu bilden wenn man selbst weder weiß welche linken Kräfte es überhaupt in Gießen gibt und wie und wo sie ( auch die Linkspartei und die DKP ) so überall aktiv und präsent sind... oder liegt es daran, dass Sie evt. selbst kaum aus Ihrem "Elfenbeinturm" herauskommen und die zahlreichen Aktivitäten der linken Kräfte gar nicht kennen, und das ist bei weitem nicht nur sogenannte "Provinzpolitik".

Was sollte einen Linken u.a. auch auszeichnen? = eine Portion Bescheidenheit!?
Bruno W. Reimann
352
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 30.05.2017 um 14:19 Uhr
Ich überlasse es, den gewichtigen Diskutanten darüber zu räsonieren, was von Bodo Ramelow zu halten ist.
Ich werde statt dessen fragen, was von der VVN in Gießen zu halten ist, wenn es einmal darauf ankommt, die historische Wahrheit des Faschismus, seiner forerunner und fellow travellerer, zu bezeugen. In der beispiellosen Auseinandersetzung nach der Ausstellung von 1989 hat sich die Gießener SPD, um dies gleich deutlich zu sagen, von wenigen Ausnahmen, u.a. Manfred Mutz, wie ein unintellektuelles Pack verhalten (Gümbel und alle anderen. Wenn es nach S. Gabriel bei den Fremdenhassern "Pack" gibt, dann gibt es ein solches auch den Faschofreunden in der SPD). Auch der VVN avancierte zum Mohrenwäscher und Ria Deeg und Peter Gingold sahen darin nichts besonders diskutierenswertes.

Auszug aus dem Vorwort zur Dokumentation über die Ausstellung von 1989:

"„Hitlergegnerin bürgt für Zimmer“

Zu den Leumundszeugen, die die Zimmer-Nachkommen aufboten, gehörte auch eine Verfolgte des Naziregimes und Mitglied der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), die in vielen Auseinandersetzungen zu einer Art moralischen Instanz wurde. So wurden denn die Äußerungen der Emilie Schmidt unter der fetten Überschrift „Hitlergegnerin bürgt für Zimmer“ in Umlauf gesetzt.
Emilie Schmidt, am 2.4.1904 im Rheinland geboren (1993 gestorben), kam 1922 nach Gießen, besuchte das Alice-Seminar, ließ sich zur technischen Lehrerin ausbilden, ging 1931 nach Groß-Zimmern (das liegt ca. 30 km östlich von Darmstadt), trat dort in die Ortsgruppe der Nationalsozialistischen Frauenschaft (NSF) ein, wie auch in die NSV und den Reichsschutzbund (Daten zu Emilie Schmidt von Jörg-Peter Jatho).
1937 kam sie wieder nach Gießen, lernte dort den Maler Heinrich Will kennen, geriet in den Kaufmann-Kreis, wurde, als der Kreis aufflog, verhaftet und wegen des Hörens von Feindsendern zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt. In diesem Prozeß war Zimmer ihr Pflichtverteidiger (vgl. Jatho, Jörg-Peter: Das Gießener Freitagskränzchen, Dokumente zum Mißlingen einer Geschichtslegende – zugleich ein Beispiel für Entsorgung des Nationalsozialismus. Fulda 1995).
Über Zimmer sagte sie: „Wieso man Herrn Rechtsanwalt Zimmer als Antisemiten und Nazi-Anhänger bezichtigt, ist mir unbegreiflich. Ich habe nie irgendeine Bemerkung, die das bestätigen könnte, von ihm gehört. Auch von anderen Bekannten weiß ich, daß er nie für einen Nazi gehalten wurde.“
Der rabiaten Zimmer-Tochter Rehnelt ging es darum, unsere belegten Ergebnisse und Behauptungen so falsch zuzuspitzen, daß Dinge dementiert wurden, die gar nicht oder nicht so behauptet worden waren. So hatten wir gar nicht behauptet, daß Zimmer ein Nazi gewesen ist, wohl aber, daß er als Politiker den Dunstkreis mitproduziert hat, ohne den der Nationalsozialismus nicht hätte so erfolgreich sein können. Und als Mitglied der DNV war er mit seinen Parteigenossen ein Seitengänger des Nazismus und es ist bekannt, daß die DNVP als Partei und in der Person Hugenbergs Hitler zur Macht verholfen hat. Rehnelt ging es auch um moralische „credits“ („Hitlergegnerin bürgt für Zimmer“). Schwerlich, daß die alte Frau Emilie Schmidt – sie war zum Zeitpunkt des Schreibens schon 85 Jahre alt -, das Spiel der Gaby Rehnelt durchschaute, die ihr vermutlich auch, an zwei Stöcken einherkommend, etwas vorgejammert hatte. Schwerlich auch, daß Emilie Schmidt jemals das intellektuelle Niveau hatte, um auf der Ebene, auf der unsere Aussagen angesiedelt waren, überhaupt angemessen und differenziert antworten zu können. Sie fügte am Ende des Schreibens allerdings noch hinzu: „Außerdem möchte ich noch mitteilen, daß ich Mitglied der VVN bin.“ Es läßt sich nicht feststellen, ob Emilie Schmidt dies bewußt tat, um das Gewicht ihres Arguments zu erhöhen. Vielleicht wurde es ihr auch souffliert nach dem Muster: „Könnten Sie vielleicht bitte noch hinzufügen …. etc. pp.?“ Faktisch, unabhängig von der Intention, bekam das Argument der Emilie Schmidt durch diesen Hinweis ein besonderes Gewicht!
Aufgrund dieser bewußt oder unbewußt angezogenen Legitimation der VVN-Mitgliedschaft wandte ich mich am 28.2.1990 an die Dachorganisation der VVN. Ich meinte, daß hier eine Art politischer Einrede oder politische Kritik hätte erfolgen müssen. Ich schrieb:
„In Gießen tritt im Gefolge einer von mir initiierten Ausstellung ("Antisemitismus und Nationalsozialismus in der Gießener Region", Altes Schloß November 1988) eine Frau Emilie Schmidt als "Mohrenwäscherin" eines Mannes auf (siehe Anlage 1), der 14 Jahre lang in vielen rechten Szenen gegen die Weimarer Demokratie agitierte und sich 1933 ideologisch auf die Seite der Nationalsozialisten schlug (siehe Anlage 2). Ich finde es unerträglich, daß Frau Schmidt ihren bestellten oder unbestellten Zurechtrückungen hinzufügt: "Außerdem möchte ich noch mitteilen, daß ich Mitglied der VVN bin". Die Tochter des Mannes, eine Frau Gaby Rehnelt, geht mit dem Schreiben von Frau Schmidt unter der Überschrift "Hitlergegnerin bürgt für Zimmer" hausieren, um ihren Vater politisch zu salvieren.Frau Deeg ist das Material zugestellt worden, sie schweigt. Ich denke, hier ist eine Äußerung des Bundesvorstandes der VVN an¬gezeigt, wenn mit dem Namen VVN irgendein politischer Sinn sich verbinden soll, der vor evidentem Mißbrauch geschützt werden sollte.“
Das Schreiben wurde an Frau Schmidt und Frau Deeg kenntnishalber übersandt!
Auf dieses Schreiben antwortete nun Frau Deeg am 5. März 1990 im Brustton von Entrüstung: „Wo leben wir denn, daß ein Mensch seine gemachten Erfahrungen und Äußerungen, nur weil sie nicht in Ihr Bild pas¬sen, zurücknehmen soll oder muß?“ Offenbar hatte Ria Deeg intellektuell und auch politisch nicht begriffen, worum es geht: Es ging nicht darum, daß Frau Schmidt nicht ihre Meinung äußern sollte, es ging aber um Richtigstellungen in einem Argumentationsprozeß, also um historische Wahrheit und nicht um die Erfahrungen, die eine Frau Emilie Schmidt, die überdies von 1931 bis 1933 gar nicht in Gießen lebte, gemacht hatte. Aber intellektuelles Problembewußtsein ist offenbar, das zeigt der Vorgang ganz deutlich, von einer Kommunistin nicht zu erwarten, die zwar ein politisches Herz, aber keinen politischen Kopf besaß. Es ging auch nicht um die Frage des ganzen Zimmer-Bildes (an dem Angehörige ein legitimes Interesse haben, das aber in diesem Fall den Forscher nicht interessiert.) Es ging um die Zimmer betreffenden politischen Fakten aus den Jahren 1920 bis 1933 (und seine bis 1937 reichende Mitgliedschaft im Alldeutschen Verband), die in der Stadt herunterge¬spielt wurden und dann auch von Ria Deeg in einer nun wahrlich dümm¬lichen Art und Weise auf die Frage der Freiheit von Meinungsäußerung reduziert wurden. Natürlich kann in der Demokratie auch noch der Dümmste seine Meinung "frei" äußern, aber das dispensiert doch nicht von der Aufgabe, einmal zu schauen, welchen Bullshit jemand von sich gibt! Ria Deeg hatte sich nicht der Frage gestellt, ob unsere Ergebnisse richtig sind oder nicht. Sie hat sich dazu überhaupt nicht geäußert. Ich habe die ganzen vorliegenden Fakten, Zimmer betreffend, Frau Ria Deeg noch einmal in ei¬nem umfangreichen Schreiben (vom 6. März 1990) dargelegt. Ich habe am Beispiel von Heidegger gezeigt, daß es in der ganzen Heidegger-Diskussion völlig gleichgültig war, was dieser 1949, 1958 oder 1961 ge¬macht hat, es ging um die Wahrheit der Jahre 1933 und danach. Auf diesen Brief hat Ria Deeg gar nicht mehr geantwortet. Entweder hatte sie es intellektuell nicht begriffen oder sie wollte es nicht begreifen! Jedenfalls wollte sie sich offensichtlich in der Sache Zimmer nicht äußern!
Meine Intervention hatte der Kommunistin Ria Deeg nicht gepaßt. Darum die saure Miene, der belehrende Ton von oben herab („Ich hoffe, daß Sie mir folgen können“), die ganze Arroganz des Auftretens bei gleichzeitig null Verständnis für das, worum es geht. Ich gehe so weit zu sagen, daß ihr als Gießener Bürgerin oder aus welchen Gründen auch immer die Botschaften, die ganzen Forschungen nicht paßten. Man kann ja einmal fragen, warum die Gießener Kommunisten in diesen vier Jahrzehnten zu diesem Thema – trotz des materialreichen Privatarchivs von Walter Deeg (das ich 1982 einsehen durfte) - nichts, aber auch gar nichts auf die Beine gestellt haben? Oftmals stecken auch Leute, die politisch konträr sind, unter einer Decke, weil jeder, jede Gruppe irgendwelche Leichen im Keller hat! Bei Ria Deeg jedenfalls steckte Stalin unter der Decke. Also besser an nichts rühren, sonst müßte auch über Deegs stalinistische Vergangenheit geredet werden, die mittlerweile von den DKP-Linken heruntergespielt wird! Trotz aller Verschiedenheit unterscheiden sich in puncto Geschichtsklitterung ‚Linke’ nicht von ‚Rechten’, wenn es darum geht, stalinistische oder hitleristische Biografien zurechtzubiegen."
Bruno W. Reimann
352
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 30.05.2017 um 16:04 Uhr
Da in Debatten mit bestimmten Linken immer wieder Ria Deegs Position zu bestimmten Gießenern zur Sprache kommt, z.B. dem völkisch-radikalen Hetzer und NS-forerunner Jakob Friedrich Zimmer, der bei der VVN und auch Ria Deeg Sympathien genoß, sage ich es nochmals, daß Ria Deeg in dieser Frage, aus welchem Grund auch immer, absolut nicht begriffen hatte, worum es da ging. --

Prof. Karl Engisch, Nestor der deutschen Rechtsphilosophie , dazu "Corps-Bruder" Zimmers, konnten die völlig verblendeten Zimmer-Nachommen eine Art Persilschein entlocken. Ich wandte mich an dessen Schülerin, die Professorin Anne-Eva Brauneck. Sie stellte die historische Sachlage angemessen dar. Die entsprechenden Briefauszüge finden sich in einem Kasten!
Stefan Walther
4.199
Stefan Walther aus Linden schrieb am 30.05.2017 um 16:21 Uhr
Zu Ihren "gewichtigen" Ausführungen Herr Reimann nur eine Anmerkung = Sie wiederholen hier diesen bürgerlichen antikommunistischen Kampfbegriff und schreiben von "stalinistischer" Vergangenheit von Ria Deeg. Klar, wenn man anscheinend weder links noch rechts stehen will, dann ist das evt. die typische kleinbürgerlich schwankende Haltung?
Man könnte jetzt stundenlang über "Geschichtsklitterung" debattieren, die Greuelmärchen über angebliche "Stalinisten" hätten da ganz oben einen Platz unter den Geschichtsfälschungen der Bürgerlichen und der Revisionisten...

Da Sie aber in erster Linie hier Selbstdarstellung betreiben macht das wahrscheinlich wenig Sinn, vielleicht, wenn Sie mal viel Zeit und Lust haben, es lohnt sich ( und es gibt etliches mehr, man muss sich nur informieren wenn man denn will ) =

http://sascha313.wordpress.com/2015/05/29/grover-furr-chruschtschows-lugen-uber-stalin/
Bruno W. Reimann
352
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 30.05.2017 um 16:46 Uhr
Wissen Sie, geehrter Herr Walther, Sie wollen sich mit nichts inhaltlich auseinandersetzen, was mit dieser Geschichte, die mit der Ausstellung von 1989, diesem offensichtlichen Sympathisieren der linken Deeg mit dem rechten Zimmer, begann. Von mir aus!
Bruno W. Reimann
352
Bruno W. Reimann aus Gießen schrieb am 30.05.2017 um 16:49 Uhr
P.S. Ria Deeg war nach ihrem eigenen Verständnis, dokumentiert in einer TV-Sendung des HR;, "Stalinistin"!!!!"
Michael Beltz
6.918
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 30.05.2017 um 17:43 Uhr
Das hier von Stefan Walther erwähnte Buch von Furr sollten Sie sich, Herr Professor Reiman, einmal zu Gemüte führen. Die sog. Geheimrede von Chruschtschew, die dem CIA zumindest rechtzeitig bekannt war (wenn von dort nicht sogar /Informationen/Hetzvorschläge an Chr. kamen), entlarvt doch nur diesen Lügner und Revisionisten.
Stefan Walther
4.199
Stefan Walther aus Linden schrieb am 30.05.2017 um 18:35 Uhr
Wie Sie schreiben Herr Reimann = von mir aus! Entweder verstehen Sie mein Anliegen überhaupt nicht - es geht um diese Bewertung "Stalinistin", die schon als Bewertung an sich keinerlei Inhalt hat - oder es geht Ihnen ausschließlich um Ihre eigenen Arbeiten.... mit beidem kann ich leider nichts anfangen.
Wie gesagt, meinetwegen oder auch "Von mir aus".
Kurt Wirth
1.407
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 31.05.2017 um 19:37 Uhr
Ob die mangelnde Distanzierung Ria Deegs von Zimmer so viel Aufhebens wert ist, mag ich nicht beurteilen. Befremdet bin ich wiederum von der Einschätzung der Stalin-Periode durch Michael und Stefan. Nun habe ich rein statistisch noch 6 Jahre zu leben und muß da mit dem, was ich mir zum Lesen vornehme schon Prioritäten setzen. Ich fürchte, Furr wird da nicht mehr dabei sein. Ich zehre da von dem, was ich bislang schon gelesen habe.

Im Anhang zu dem zweibändigen Werk "KPD 1945-1968 Dokumente", hrsg. von G.Judick, J.Schleifstein und K.Steinhaus 1989 in der "Edition Marxistische Blätter" finde ich folgende Personen verzeichnet, die zwischen 1945 und 1955 unter falschen Verdächtigungen gemaßregelt, aus der KPD oder SED ausgeschlossen, ihrer Funktionen enthoben oder gar bei Reisen in die DDR verhaftet, den sowjetischen Behörden übergeben und von diesen verurteilt wurden (fast alle wurden ab 1956 wieder rehabilitiert):

Drögemöller, Alfred
Fechner, Max
Gehrke, Robert
Jendretzy, Hans
Kloock, Otto
Kostoff, Traitschko
Leibbrand, Robert
Mahle, Hans
Möller, Walter
Müller, Kurt
Müller, Oskar
Nuding, Herrmann
Paul, Hugo
Schirdewan, Karl
Schmidt, Elli
Sperling, Fritz

Nun hat dieser Dokumentenband überhaupt nicht die Zielsetzung, solche Fälle aufzuarbeiten. Sie tauchen da mehr oder weniger zufällig auf.

Die Situation ab 1937 unter den kommunistischen Emigranten in der Sowjetunion hat m.E. Werner Eberlein in seinem Memoirenband "Geboren am 9.November. Erinnerungen" dargestellt. Auf nur wenigen Seiten schildert er die Situation im Moskauer Hotel Lux, wo sein Vater Hugo Eberlein, dessen Lebensgefährtin und viele andere völlig unerklärlich verhaftet wurden und zum Tode verurteilt wurden oder in den Arbeitslagern an Entkräftung, Krankheit und Hunger starben. Wenige suchten den Ausweg in der Rückkehr nach Deutschland, wo ebenfalls Verhaftung und KZ auf sie wartete. Neben etlichen Funktionären, die z.B. aus der illegalen Arbeit von Paris nach Moskau zurückbeordert wurden, um sie dann vor Gericht zu stellen (Leo Flieg, Gutek Rwal) schildert er auch die Fälle (im Rahmen persönlicher Treffen kennengelernt) des berühmten Flugzeugkonstrukteurs Tupolew, der im Gefängnis seine Konstruktionsarbeiten weiterzuführen hatte und des späteren Vaters des Sputniks und der Kosmosraketen, Koroljow, den man nach Beginn des Krieges in der Verzweiflung doch aus dem Gefangenenlager Kolyma zurückgeholt hatte.

Das alles belegt Werner Eberlein mit detaillierten Dokumentenhinweisen und erhaltenen Briefen seines Vaters (in einem geschmuggelten, an seine Lebensgefährtin gerichtet, aber diese nicht mehr erreichend, da selbst verhaftet) berichtet er von Verprügelungen und Morphiumspritzen).

Es ist mir klar, daß sich die Sowjetunion seit ihrer Gründung ständigen Angriffen und Bedrohungen von innen und von außen erwehren mußte.
Das mag manches überzogene Sicherheitsbestreben verständlich machen
Aber wie es nun tatsächlich ablief, gingen alle Prinzipien innerparteilicher Demokratie (Lenin: "Die Partei ist ein freiwilliger Zusammenschluß von Gleichgesinnten... ") und der bürgerlichen Demokratie, die ja nur eine unzulängliche Vorstufe zur sozialistischen Demokratie sein sollte, über den Jordan.

Auch die DKP spricht in ihrem Programm von 2006 diesbezüglich von Verbrechen unter Stalin in der Sowjetunion. 1937 hättest Du, Michael, als Programmabweichler schlechte Karten gehabt.

Ob man nun hinsichtlich dieser Periode von Stalinismus, administrativem Sozialismus, Kriegskommunismus oder was weiß ich spricht, ist für mich zweitrangig. Begriffeklopperei ist nicht das Maßgebende. Es geht um die tatsächlichen Verhältnisse in der Zeit. Und da ist uns Kommunisten gewaltig etwas aus dem Ruder gelaufen. Das meiste ist leider viel zu spät bekannt geworden.
Stefan Walther
4.199
Stefan Walther aus Linden schrieb am 31.05.2017 um 20:29 Uhr
Schade Kurt, dass du dich damit nicht mehr beschäftigen willst. 6 Jahre sind ne lange Zeit, und was heißt schon "Statistik" :-)?

Wie sagte Lenin ( und bei diesem sind wir ja wohl noch einer Meinung ) = "Lernen, lernen, lernen", ein Leben lang!

Niemand leugnet, dass zu Zeiten Stalins Fehler gemacht wurden, ja, dass es auch zu drastischen Ausfällen und Ungerechtigkeiten kam, dass auch Unschuldige das erleben mussten was du geschildert hast... aber ist dies die Grundlage einer wissenschaftlichen Analyse und Betrachtung ( ganz zu schweigen von den bürgerlichen "Wissenschaftlern" die sich gegenseitig überbieten wollen mit den Zahlen der angeblich auf Weisung Stalins Verhafteten, Verfolgten und Getöteten" ).

Darum geht es auch Furr nicht, es geht ihm ( und anderen ) um eine wissenschaftliche Betrachtung und um Lügen und Beweise, und das hat er hervorragend gemacht, das bescheinigen ihm nicht nur Kommunisten. An dieser Stelle inhaltlich darauf einzugehen würde den Rahmen sprengen, ja man muss es lesen, daran führt kein Weg vorbei wenn man sich ein umfassendes Bild machen will.

Die bürgerliche Demokratie und die Diktatur des Proletariats? Nun, das sind 2 völlig verschiedene Dinge, das eine ist eine Herrschaftsform der Kapitalisten, das andere die Herrschaft der Arbeiterklasse. Und was die innerparteiliche Demokratie betrifft, da ging gar nichts über den Jordan, das ist einzig der "Demokratische Zentralismus", dem sich die Parteimitglieder freiwillig unterordneten... zig-fach demokratischer als in jeder bürgerlichen Partei!

Ja, es geht um die tatsächlichen Verhältnisse in jener Zeit = wer war für die Angriffe auf den Sozialismus verantwortlich? wer für Sabotagen und auch Hungersnöte? wer für bürokratische und gewalttäige Ausfälle auch von Parteimitgliedern? usw. usf.
wer führte entschieden den Kampf gegen die Rechten und Trotzkisten um den Sozialismus zu retten?

Wie das Programm der DKP einzuordnen und zu beurteilen ist, was ich davon halte, das kannst du dir sicher denken Kurt, aber das soll besser Michael beantworten...
Kurt Wirth
1.407
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 01.06.2017 um 10:28 Uhr
Wenn erwünschte Ergebnisse dadurch erzielt werden, indem man Gewalt anwendet und/oder androht, so hat das nichts mehr mit demokratischem Zentralismus und Freiwilligkeit zu tun.

Ich sehe auch in der Terminierung der KPdSU- bzw. KPR(B)- bzw. SDAPR(B)-Parteitage ein Indiz für schwächelnden demokratischen Zentralismus unter Stalins Führung:
Juli/August 1917
März 1918
März 1919
März/April 1920
März 1921
März/April 1922
April 1923
Mai 1924
Dezember 1925
Dezember 1927
Juni/Juli 1930
Januar/Februar 1934
März 1939
und jetzt kommts:
Oktober 1952
Februar 1956

Man mag da durchaus eine kriegsbedingte Ausnahmesituation geltend machen, zumindest 1941-1946. Jedoch stand auch 1920-1923 die Existenz des Landes oft Spitz auf Knopf und doch traf man sich jährlich. Ein Vorbild für demokratischen Zentralismus lieferte da Stalin nicht. Für Zentralismus ja.
Kurt Wirth
1.407
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 01.06.2017 um 11:23 Uhr
Nebenbei möchte ich übrigens anmerken, daß mir Ria Deeg durchaus persönlich bekannt war. Noch mehr allerdings Walter Deeg, den ich als stets streitbar und diskussionsfreudig erlebt habe, wenn er regelmäßig in der Buchhandlung "Wissen und Fortschritt" auftauchte (in der ich tätig war), um Gesprächspartner anzutreffen. Wichtig war ihm stets die Überprüfung seiner eigenen Positionen, die seiner/unserer Partei und die seines jeweiligen Gesprächspartners.
Stefan Walther
4.199
Stefan Walther aus Linden schrieb am 01.06.2017 um 13:09 Uhr
"Wenn erwünschte Ergebnisse dadurch erzielt werden, indem man Gewalt anwendet und/oder androht, so hat das nichts mehr mit demokratischem Zentralismus und Freiwilligkeit zu tun."

Und was hätten die Kommunisten deiner Ansicht nach tun sollen Kurt, mit den Saboteuren, Verrätern, Trotzkisten usw.? Was tun wenn die Überzeugungsarbeit nicht mehr weter hilft? Fraktionsmacherei ist der Beginn des Untergangs...

Und du weisst ja sicher über was sich die deutschen Faschisten am meisten gewundert hatten = Kollaborateure aus der Partei waren so gut wie keine zu finden.

Ja, dies ist sicher so, dass in verschiedenen Zeiten die verschiedenen Seiten des demokratischen Zentralismus unterschiedlich gewichtet werden müssen. Du argumentierst ähnlich wie viele - und auch das hat Furr gnadenlos widerlegt - alles Negative was zu jener Zeit geschah, das geschah einzig durch Stalin!? Wenn Bürgerliche so argumentieren, dann mag das wenig verwundern, aber wenn Kommunisten, die wissen wie die Meinungs- und Mehrheitsbildung gebildet wurde solche Aussagen treffen, dann verwundert mich das schon ein wenig... also "Stalin der Alleinherrscher"? Das ist doch absurd!
Michael Beltz
6.918
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 01.06.2017 um 17:31 Uhr
Dem derzeit gültigem Programm der DKP habe ich auf dem entsprechenden Parteitag nicht zugestimmt, ich habe mich enthalten.
Ich bestreite nicht, dass in der Zeit des immer aggressiver auftretenden Faschismus und in der Zeit des Faschismus an der Macht mit der gleichzeitigen Gefährdung der Sowjetunion und erst Recht des Einmarschs der deutschen (nicht nur) faschistischen Truppen Unrecht in der SU gegeben hat. Es gab Urteile, die nicht der staatlichen Rechtsordnung der SU entsprachen. Welchen Anteil daran Stalin oder auch Chruschtschow daran hatten weiß ich nicht.

Ich nenne hier gerne den kürzlich mit 99 Jahren verstorbenen Kommunisten (der nie in der DKP war) Kurt Gossweiler. Er war ein renomierter Faschismusforscher in der DDR und hat gerade den Revisionismus der KPdSU nach Stalin und auch die DKP kritisiert. Wir haben diesen beeindruckenden Genossen noch im letzten Januar besuchen können. Durch sein Buch "Die Taubenfußchronik" einiges lernen können.
Ich halte viel von Beschlusstreue, um auf den demokratischen Zentralismus zu kommen. Wenn aber heute der Beschluss der DKP, an den Bundestagswahlen teilzunehmen (ich hatte dagegen gestimmt) von mehreren Mitgliedern unserer Partei sabotiert wird, habe ich dafür kein Verständnis.
Diese Spalter sollten nicht von demokratischen Zentralismus sprechen.
Interessant wäre einmal zu forschen, wer den Begriff Stalinismus und den Versuch Stalin aus der Gescichte als Verbrecher zu eleminieren in Gang gebracht hat. Als nächster sollte Lenin wegradiert werden. Bei einem Pressefest wurden derartige Bestrebungen deutlich, in die zu alten Zeiten Leninbilder im Zelt zu sehen und nun nicht mehr vorhanden waren.
Kurt, ich wünsche Dir mehr als die statistischen 6 Jahre.
Kurt Wirth
1.407
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 01.06.2017 um 18:34 Uhr
@Stefan:
"Und was hätten die Kommunisten...tun sollen...mit den Saboteuren, Verrätern, Trotzkisten..."

Es wird immer Meinungsverschiedenheiten geben über den weiteren Weg, die weitere Vorgehensweise. Das ist zu diskutieren und per Mehrheit zu entscheiden. Die Minderheit per se als Verräter und Saboteure zu kriminalisieren, geht nicht, so weit sie nicht mit entsprechenden Aktionen gegen die Mehrheit vorgeht. Und die von mir o.a. Fälle von Opfern von Sanktionen und Repressionen, die meist selbst nicht wußten, weswegen man gegen sie vorgeht, waren keine Verräter und Saboteure. Mir ist nicht bekannt, daß Opfer der Repressionen unter Stalins Führung an organisiertem Widerstand, an gezielter Fraktionstätigkeit oder gar an bewaffneter Konterrevolution, beteiligt waren.

Natürlich gab es auch Parteimitglieder, die andere Auffassungen als die jeweilige Führung hatten, oder es den Beschlüssen oder Programmen entsprach, und die aus der Partei austraten (ich beziehe mich da auf die KPD von 1945-1956, in der Sowjetunion Stalins war wohl ein Parteiaustritt gleichbedeutend mit mindestens einer Inhaftierung) oder ausgeschlossen wurden und sich dann meist der SPD angeschlossen hatten. Solche hatte ich nicht aufgeführt und deren Behandlung halte ich auch für völlig legitim. Nur, ein Ausschluss ist etwas anderes, als ein Genickschuss.
Kurt Wirth
1.407
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 01.06.2017 um 19:16 Uhr
@Michael
Danke für den Wunsch über die statistische Lebenserwartung hinaus. Zumindest ist bei meinem dereinstigen Ableben keine kommunistische Partei und kein Kommunist im Spiel. Das ist schon ein historischer Fortschritt. Wenn möglich, werde ich vorher noch aus der Partei austreten, damit nicht schon wieder ein langjähriges Mitglied stirbt.

Ansonsten habe ich im Vorkommentar geäußert: demokratische Diskussion, Mehrheitsentscheidung gilt. Auch wenn ich mich bei der Frage Beteiligung an Wahlen schon seit 1985 lieber in die hinteren Reihen zurückziehe und eher Sympathien für Bündnisaktionen habe. Bei den Landtagswahlen in NRW hat die MLPD etwa dreimal so viele Stimmen als die DKP erzielt, das Bündnis Grundeinkommen etwa doppelt so viel. Mit diesen Stimmen und die für die DKP wäre die Linke solide drin gewesen. Womit ich natürlich nicht dafür einträte, daß diese in eine Koalition einträte. Man muß sich schon klar sein, wer der Hund ist und wer der Schwanz und wer mit wem wedelt.

Mit den Hinweisen zum Pressefest kann ich absolut nichts anfangen, obgleich ich bei sämtlichen anwesend war, bis auf zweie auch einsatzmäßig. Das dürfte nun aber eine größere Öffentlichkeit nicht interessieren, kannst Du mir bei Gelegenheit mitteilen.
Stefan Walther
4.199
Stefan Walther aus Linden schrieb am 02.06.2017 um 00:09 Uhr
Lieber Kurt, es geht nicht darum, dass es auch "Minderheiten-Meinungen" gibt ( die gibt es natürlich, das ist völlig normal ) die zu respektieren sind, so lange dies nicht zu Verhalten führt wie du es erläutert hast!
Und ich habe auch nirgends etwas davon geschrieben, dass diese Vertreter per se Saboteure oder Verräter gewesen wären.
Aber dass du hier tatsächlich schreibst, Zitat:
"Mir ist nicht bekannt, daß Opfer der Repressionen unter Stalins Führung an organisiertem Widerstand, an gezielter Fraktionstätigkeit oder gar an bewaffneter Konterrevolution, beteiligt waren."
das finde ich doch bedenklich. Ich weiss ja nicht woher du all deine Informationen hast, sehr wahrscheinlich kennst du auch dieses hervorragende Buch nicht!?
=
http://www.mao-projekt.de/BRD/ORG/ZB/ZB_Broschueren/ZB_1971_Sayers_Kahn.shtml

und auch ganz interessant zum Begriff "Stalinismus"
=
http://kommunisten-online.de/Archive/trotzkisten/stalinismus.htm
Kurt Wirth
1.407
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 02.06.2017 um 11:47 Uhr
Mag sein, daß Inhaftierungen in Einzelfällen berechtigt waren. Ich hatte die vielen Betroffenen im Auge, die keine oder völlig unmaßgebliche Funktionen hatten, oft in der SU einfach nur Schutz gesucht hatten. Wie man mit "nicht mehr tragbaren" Funktionären umgeht, da sehe ich in der Ablösung und weiteren Behandlung Chrustschows das korrekte Verfahren.

Von "Stalinismus" habe ich nicht geschrieben, vermeide ich auch grundsätzlich. Es gab genügend abgestuft Verantwortliche in seinem Umfeld, Politbüro, ZK usw. Ebenso spreche ich sehr ungern von "Trotzkismus" und "Trotzkisten". Das gelinkte Buch kenne ich auch nicht.

Die gelinkte Seite kommunisten-online kenne ich: Da schrieb vor etwa 10 Jahren ein angeblich aus der DKP-Allgäu ausgetretener Gruppenvorsitzender mehrfach kritische Briefe zur DKP. Just zu dieser Zeit wurde die DKP-Allgäu meine zuständige Grundeinheit. Den angeblich ausgetretenen Gruppenvorsitzenden hat es da nie gegeben. Frei erfunden. Die Internetseite kannte ich da noch nicht, aber Erika Beltz hatte mich auf diesen Briefschreiber aufmerksam gemacht.
Stefan Walther
4.199
Stefan Walther aus Linden schrieb am 02.06.2017 um 14:00 Uhr
Tut mir leid Kurt, so langsam komme ich nicht mehr mit was du hier so schreibst, vielleicht sollten wir es einfach so stehen lassen!?

- hast du ( habt ihr? ) euch nie damit beschäftigt um was es da wirklich ging? Etwa um "Einzelfälle", die berechtigt waren? Ein mehr als schlechter Scherz, es ging um ein weites Netz von Saboteuren, Verrätern, aktiven(!) Kämpfern gegen den Sozialismus... und die größte Gefahr ging von den Anhängern Trotzkis aus ( deshalb ist der Begriff Trotzkisten auch völlig unstrittig, sie nannten und nennen sich bis heute selbst so... )
Und mit ihnen hätte man ähnlich umgehen sollen wie mit Chruschtschow? Da fällt mir wenig dazu ein, mal ganz abgesehen davon, dass es bei Chruschtschow und seinen Nachfolgern gar nicht um prinzipielle Unterschiede ging, alle vom gleichen revisionistischen Schlag...
- beim Link zum sogenannten Stalinismus geht es doch um Inhalte ( was interessieren mich kritische Briefe zur DKP? ) mit zig Verweisen auf Originalquellen... und darauf gehst du auch mit keiner Silbe ein... vielleicht liegt es einfach daran, dass es schon zu Zeiten der revisionistischen Entartung der KPD deren Mitgliedern untersagt war ( einige wurde sogar deswegen ausgeschlossen ) bestimmte Literatur - vor allem aus China - zu lesen!?

Wie gesagt, so kommen wir keinen Schritt weiter, für meinen Teil weiß ich auch nicht was ich noch an Inhalt bringen soll, vielleicht 2 letzte Hinweise, die du wahrscheinlich auch ( aus oben genannten Gründen ) nicht kennen wirst?

= http://www.infopartisan.net/archive/maowerke/polemik.htm

= http://www.neuerweg.de/bucher/restauration-kapitalismus
Kurt Wirth
1.407
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 02.06.2017 um 19:38 Uhr
Ich konnte in dem Text auf kommunisten-online nichts zu einem einzigen konkreten Fall eines beschuldigten, verurteilten, hingerichteten Verräters oder Saboteurs ersehen, und damit natürlich auch keine Originalquellen von Sicherheitsorganen oder Justiz oder Zeugenaussagen. Schriften Lenins sind in dem Zusammenhang uninteressant, da er zu der in Frage stehenden Zeit längst tot war.
Unter konkretem Eingehen auf die Problematik verstehe ich in etwa das, was Werner Eberlein in dem von mir erwähnten Buch macht. Oder K.-H.Jahnke in seinem Buch über Fritz und Lydia Sperling "...ich bin nie ein Parteifeind gewesen..." Wenn mir da einer nachweist, daß das alles nicht stimmt (sowie auch zu den von mir schon weiter oben aufgezählten konkreten Personen), ließe ich mich überzeugen. Abgesehen davon, daß ich ein grundsätzlicher Gegner der Todesstrafe bin und diese als Relikt der Klassengesellschaft in früheren geschichtlichen Ausprägungen betrachte.

Mit dem Hinweis auf die kritischen Briefe zur DKP, der Dich nicht interessiert, wollte ich meine Zweifel an der Seriosität dieser Homepage zum Ausdruck bringen.
Stefan Walther
4.199
Stefan Walther aus Linden schrieb am 02.06.2017 um 23:24 Uhr
Ich kann`s nicht ändern wir reden aneinander vorbei...
Du schreibst von Geschehnissen, die sicher vorgekommen sind, die - wie ich auch schon sagte - niemand leugnet.

Aber du hast dich anscheinend nie damit beschäftigt:
- was sonst noch so geschah, wie die "mit dem Parteibuch in der Tasche" den Sozialismus von innen zerstören wollten ud wie sie bekämpft werden mussten um diesen zu retten ( und im Gegensatz zu deiner Behauptung sind in diesem Link ganz konkrete und sehr bedeutende Namen von Verrätern genannt, die und ihre Biografien dürften dir doch nicht unbekannt sein!? )
- was Millionen Kommunisten in aller Welt später als Verrat am Sozialismus kennzeichneten
- zu was sich die Sowjetunion nach 1956 entwickelte
- woher der Begriff Stalinismus kommt und was dahinter steckt
- dass die sogenannte Geheimrede Chruschtschows von vorne bis hinten ein Lügenmärchen war
- wie der Kampf gegen den Revisionismus und den bürokratischen Kapitalismus geführt wurde

...und auch in deinem letzte Kommentar - und dies ist jetzt mein endgültig letzter Kommentar hier- gehst du auch wieder inhaltlich dazu auf nichts ein...
Kurt Wirth
1.407
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 03.06.2017 um 15:32 Uhr
Ja, da bewegen wir uns auf verschiedenen Ebenen. Auch Lenin bemühte die Feststellung: "Die Wahrheit ist immer konkret".

Wer denn bis hierhin durchgehalten hat, den darf ich am Rande, aber in engerem Zusammenhang mit dem Beitrag als solchem als die meisten Kommentare, auf die Kämpfe rechts gegen links, Novemberrevolution, Räterepublik, Reichswehr und Freikorps, USPD,VKPD und KPD im Allgäu hinweisen, wo man ja stets das Bild von weißblauem Himmel, glücklichen Kühen und strahlenden Seen pflegt. Eine solche zusammenfassende Darstellung gibt es erst seit 2012:

http://www.dkp-suedbayern.de/index.php?option=com_content&view=article&id=1085:die-baierische-raeterepublik-im-allgaeu--bombenanschlag-auf-fuessener-bezirksamt-eine-buchbesprechung&catid=35:kategorie-dkp-allgaeu&Iremid=44
Martin Wagner
2.323
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 04.06.2017 um 08:54 Uhr
Es ist nun einmal nicht zu verhindern, dass sich die Kommentare in einer Kolonne "auf einer Seitenstrasse" fortbewegt.

Auch wenn da die Herren Reimann, Wirth und Michael B. und Stefan nicht mit mir übereinstimmen werden: Stalin - Stalinismus - Revisinismus ...... interessiert mich überhaupt nicht. Das ist Geschichte. Und diese wird sich definitiv nicht in diesen Kategorien wiederholen. Wir - das heisst die heutige Generation - muss gegen eine sich am Horizont abzeichnenten neue Front der Rechtsdiktatur kämpfen. (etwas formelhaft) Entweder wir schaffen den Kapitalismus ab oder dieser schafft uns ab! Aus dem Kampf heraus wird sich schon eine Vorstellung wie und auf welches Ziel hin entwicklen. Wer heute - egal in welche Richtung - mit "frühere" Modelle in diese Diskussion einsteigt, sollte sich fragen, ob er nicht objektiv die zwingend notwendige Breite für diesen Kampf verringert (also indirekt zu ihrem möglichen scheitern beiträgt). Für mich gilt: Nur einer weitestgehend undogmatische Linke gehört die Zukunft. (Ein Restzweifel, ob die Linke überhaupt eine Zukunft hat bleibt dabei unberücksichtigt.)
Stefan Walther
4.199
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.06.2017 um 09:33 Uhr
Stimmt Martin, da wird dir hier niemand zustimmen, denn ja, die Geschichte wird sich nicht genauso wiederholen... aber klares nein, wer aus der Geschichte nicht lernen will - und dazu muss man sie kennen - kann keine richtigen Schlüsse für die Gegenwart und die Zukunft ziehen.
Richtig "entweder wir schaffen den Kapitalismus ab oder dieser schafft uns ab!". Aber es wird zur reinen Phrase wenn man dies nicht mit konkreten Inhalten füllt...
Du machst es dir immer sehr einfach = "alles Geschichte, alles von früher...", damit "Schwamm drüber", ich muss mich da nicht auskennen... das ist jedoch grundfalsch, wer sich damit nicht auskennt, kann weder aus den Errungenschaften noch aus den gemachten Fehlern lernen...

Wer soll denn deiner Meinung nach die "Linke" sein, die evt. keine Zukunft hat? Alles wieder zeimlich nebulös...

( ja Kurt, doch noch ein Kommentar, war ja auch was "Neues" von Martin, obwohl, eigentlich war es nichts Neues, das hat er schon an zig anderen Stellen geschrieben, passt anscheinend immer das mit den sogenannten Undogmatischen, inhaltlich??? )
Kurt Wirth
1.407
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 04.06.2017 um 20:29 Uhr
@Martin Wagner
Mit solch einer Position kann ich durchaus leben und zusammenwirken. Die Beschäftigung mit Geschichte gewährleistet ja nicht, die richtigen Schlußfolgerungen daraus zu ziehen oder nicht in Dogmatismus zu verfallen. Der von Michael Beltz erwähnte Historiker Kurt Gossweiler mag manches anders beurteilt haben, als der Historiker Kurt Pätzold (interessant daß "Kurt" diesbezüglich für eine gewisse Qualität bürgt) oder der Marburger Historiker Reinhard Kühnl, die sich alle mit Faschismus beschäftigt haben und die ich alle für Marxisten halte. Auch in der geschichtlichen Forschung muß immer wieder alles neu überprüft werden, es kommen immer wieder neue Aspekte zum Vorschein. Im Verlauf der DDR-Geschichtsforschung wurden Luther oder Bismarck zeitweise ganz anders beurteilt (ich weiß, daß Stefan jetzt wieder sagt, in der DDR gab es keine marxistische Forschung, zumindest nicht ab 1956).

Mich persönlich interessiert und fasziniert Geschichte in jeder Beziehung, auch wenn ich neu Erfahrenes manchmal erst mal gar nicht in mein "linkes" Weltbild einordnen kann.
Martin Wagner
2.323
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 04.06.2017 um 21:10 Uhr
kurz zu Stefan:

... ja, ja .... ist schon klar ich bin der Phrasendrescher mit den nebulösen Vorstellungen ....

Wie Du richtig fest stellst schreibe ich öfters das selbe. So beantworte ich die Frage nach der zukünftigen (sicher nur in einem sehr kleinen Teil parteipolitisch gebundenen) Linke zum xten mal. Es sind die klassenbewußten Arbeiter, denn nur sie sind keine Bürgerlichen (die schwanken einmal hin und einmal her .... sie werden aber als Bündnispartner gebraucht) und (das ist auch wichtig) sie alleine verfügen über genügend reale Macht (über den Mechanismus Betriebsstreik - Branchenstreik - Generalstreik .......) die Kapitalisten (und deren willfährigen Marionetten) zu besiegen.
Stefan Walther
4.199
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.06.2017 um 21:16 Uhr
Du sprichst mich in einem Nebensatz an Kurt, also muss ich antworten ( zumindest versuche ich immer zu antworten, ich rege mich ja auch auf wenn es andere ständig nicht tun... )
= nein, das würde ich nie behaupten, es ist ja nicht so einfach "vor 1956 war die Welt in Ordnung, nach 1956 war alles falsch", das Jahr - du weisst warum - war ein tiefer Einschnitt, richtig, aber der Prozess begann schon vorher... und sicher gab es auch nach 1956 noch aufrichtige Marxisten-Leninisten, natürlich auch in der DDR, sie hatten nur nicht mehr das Sagen, die Führung schloss sich ohne jegliche Gegenwehr dem revisionistischen Kurs der Sowjetunion an...

Das Problem ist Kurt, dass viel zu viele sich ( angeblich? ) für Geschichte interessieren, dass sie aber gleichzeitig vieles einfach ausblenden was ihnen nicht in den Kram passt oder ( und das ist schlimmer ) mit dem sie sich "auf Anweisung" nicht beschäftig(t)en.
Wenn schon Gossweiler erwähnen, dann kann man doch nicht an dem Antifaschisten, KPD Mitglied im Widerstand... und dem marxistisch-leninistischen Historiker und Autor mehrerer bedeutender Bücher "Willi Dickhut" vorbei, oder?
Beispiel Faschismus und Antifaschismus "So war`s damals" und "Das geschah danach" ( oder gehörte diese Literatur auch nicht zu deiner? eurer? )
Stefan Walther
4.199
Stefan Walther aus Linden schrieb am 04.06.2017 um 21:23 Uhr
Wer austeilt muss einstecken können Martin!

Bürgerliche sind Bündnispartner? Diese Unkenntnis über die klaren Klassenbezeichnungen und Analysen, die Weigerung sich dem wissenschaftlichen Sozialismus zu beschäftigen, dies ist nicht nur Ignoranz gegenüber der Theorie, nein das führt zu entscheidenden Fehlern in der Praxis....
Martin Wagner
2.323
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 04.06.2017 um 21:59 Uhr
Ich will gar nicht versuchen hier in dieser Kommentarkolonne daran zu appelieren etwas näher an den ursprünglichen Artikel (tote Arbeiter im Kampf gegen die Reaktion) "dran zu bleiben".

Aber ich denke die längeren Ausführungen des Artikeleinstellers, Prof. Reimann, vom 30.05.2017 (um 14:19 Uhr) sollten nicht unbeachtet bleiben.

Unter anderem (ich möchte mich auf ein Teilaspekt beschränken) schrieb Prof. Reimann (als quasi Zusammenfassung einer längeren Kolonne) zu Ria Deeg:

" (.....) Ich gehe so weit zu sagen, daß ihr als Gießener Bürgerin oder aus welchen Gründen auch immer die Botschaften, die ganzen Forschungen nicht paßten*. Man kann ja einmal fragen, warum die Gießener Kommunisten in diesen vier Jahrzehnten zu diesem Thema – trotz des materialreichen Privatarchivs von Walter Deeg (das ich 1982 einsehen durfte) - nichts, aber auch gar nichts auf die Beine gestellt haben? Oftmals stecken auch Leute, die politisch konträr sind, unter einer Decke, weil jeder, jede Gruppe irgendwelche Leichen im Keller hat! Bei Ria Deeg jedenfalls steckte Stalin unter der Decke. Also besser an nichts rühren, sonst müßte auch über Deegs stalinistische Vergangenheit geredet werden, die mittlerweile von den DKP-Linken heruntergespielt wird! Trotz aller Verschiedenheit unterscheiden sich in puncto Geschichtsklitterung ‚Linke’ nicht von ‚Rechten’, wenn es darum geht, stalinistische oder hitleristische Biografien zurechtzubiegen. (.....)"

* Aus den davor gelegenen Sätzen wird deutlich, dass Prof. Reimann seine überwiegend von ihm getragenen Nachforschungen zum ganzen Sachverhalt "Zimmer und dessen Freunde" meinte.

Dazu schrieb er in einer Ergänzung: " (....) Da in Debatten mit bestimmten Linken immer wieder Ria Deegs Position zu bestimmten Gießenern zur Sprache kommt, z.B. dem völkisch-radikalen Hetzer und NS-forerunner Jakob Friedrich Zimmer, der bei der VVN und auch Ria Deeg Sympathien genoß, sage ich es nochmals, daß Ria Deeg in dieser Frage, aus welchem Grund auch immer, absolut nicht begriffen hatte, worum es da ging. (.....)"

In einem der ersten Kommentare meinerseits bat ich darum, dass Sachkundige (egal welcher Fraktion) sich doch einmal zusammen setzen sollten, nicht um sich auf "eine Wahrheit zu einigen" (so etwas gibt es nicht!), sondern um den (zukünftigen) Giessener Mitbürgern (wenn die öffentliche Diskussion um die Ehrung / Nichtehrung von Ria Deeg wieder aufflammt) ihre Sicht der Dinge offen zu legen und somit Hilfestellungen für eine fundierte Stellungnahme zu geben.

Zur Zeit - und das wissen sie Herr Professor auch genau - ist die Kennzeichnung eines Menschen als "Stalinist" mit der politischen und gesellschaftlichen Ächtung verbunden. D.h. solange im Giessener Stadtparlament (dort und nur dort wird das entschieden) es sich die Bürgerlichen leicht machen können die Umbenennung einer Straße in Ria-Deeg-Straße zu verhindern mi dem Halbsatz "Ria Deeg war Stalinistin!" wird herrlich vom eigentlichen Problem abgelenkt. (Wer und welche Parteien haben nach 45 nicht verhindert, dass Nazi wieder bei der Stadt in Lohn und Brot kamen!)

Ob Ria Deeg zu Recht oder nicht als unverbesserliche Stalinistin gekennzeichnet werden darf ist eine schwierige Frage. Sie interessiert mich nur in der Form, ob Ria Deeg aus ihrem "Glauben an Stalin heraus" zu ihrer vorbildlichen Widerstandsarbeit unter den Nazis motiviert wurde oder ob andere Überlegungen im Vordergrund standen. Egal wie diese Frage beantwortet werden kann, sie dient nur zur Abrundung des Bildes von einem Menschen. Selbst wenn die Antwort heissen würde "sie war eine gläubige Stalinanbeterin" diskredidiert das in meinen Augen nicht ihre Leistungen als Antifaschistin.

Meiner Meinung nach verhält es sich ähnlich mit der von Prof. Reimann beschriebenem Wohlwollen dem Herrn Jakob Friedrich Zimmer gegenüber.
Sollte es sich so zugetragen haben, wie Herr Reimann das schildert, so kann ich sehr wenig Verständnis für diese - ich will das einmal so nennen - alternativen Formen des Persilscheines entwickeln. Voll- und Halbnazis hätten nach 45 nie mehr im öffentlichen Leben eine Rolle spielen dürfen.

Wie gesagt - mir scheint das Alles noch nicht klar genug. Rias Mann, Walter Deeg, war doch in Giessen das erste Jahr als Ankläger bei den amerikanischen Spruchkammer tätig. Es soll doch gerade dort ständig mit den Zeitgenossen zu tun gehabt haben, welche in den Verfahren als Weiswäscher fungierten. Warum sollte also Ria Deeg über die Funktionsweisen der Persilscheine uninformiert gewesen sein und warum wurde dann dieser Herr Zimmer wohlwollender betrachtet?

Herr Professor - ich bin etwas enttäuscht, dass auch sie damit anfangen (wenn auch nur punktuell) "Links" und "Rechts" gleichzusetzen. Sie wissen schon, dass sie damit das Geschäften des herrschenden Blockes betreiben.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Bruno W. Reimann

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