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Geheimnisvolle Heimat Biebertal

von Andreas Reham 22.04.20091021 mal gelesen2 Kommentare
Brachiopode
Brachiopode
Biebertal | Dem Einen oder Anderen heimat- und naturkundlich Interessierten ist es sicher schon aufgefallen, wir leben im Giessener Raum und im speziellen in Biebertal in einer sehr interessanten Gegend. Das gilt gleichermaßen für die Geschichte vergangener Kulturen und Jahrhunderte aber auch im Hinblick auf die vielfältige Landschaft, Flora, Fauna und Geologie. Letztere veranlasste mich schon als Kind jeden interessanten Stein aufzuheben und näheres über seine Natur zu erfahren. Das ging so lange gut, bis ich das Gefühl hatte, jede Sorte Stein aus unserer Gegend in die Vitrinensammlung integriert zu haben. Ein anderes Sammelgebiet musste her.

Bedingt durch meine Einheirat in den Würzburger Raum kam ich in Kontakt mit grossartigen Fossilien in Form beeindruckender Ammoniten und Muscheln. Ich fing an zu Recherchieren und gelangte schnell zur Erkenntnis, dass wir in Biebertal genauso auf Riffkalk gebaut haben, wie die Würzburger auf Muschelkalk. Die Tatsache, dass die Biebertaler Geologie ein paar Hundert Millionen Jahre älter ist, kümmerte mich wenig. In der Fachliteratur steht es Schwarz auf Weiß geschrieben, in Biebertal
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gibt es Fossilien! Also müssen die doch auch zu finden sein, dachte ich mir. Systematisch fing ich an, beschriebene Standorte danach abzusuchen. Zuerst waren die Steinbrüche Eberstein und der Kalkbruch im Ortsbereich von Bieber dran. Aber neben der durchaus lebenswichtigen Tatsache, dass man dort aus Naturschutz- und/oder Sicherheitsgründen nicht hineingehen sollte, war alles, was ich dort fand, nur von ziemlich enttäuschender mikroskopischer Natur.
Auf zur nächsten Station, im ehemaligen Königsberger Schieferbruch, da soll es Fossilien geben! Wieder Fehlanzeige, außer Schiefer haben wir dort nichts gefunden. Wenigstens einige Fragmente von Korallen konnten wir endlich im Tagebau der Eisengrube Friedberg an einer Kalksteinklippe finden

Ein Blick auf die Erdgeschichtliche Zeittafel gab Auskunft darüber, dass unser Biebertaler Massenkalkstein im Devon um die Zeit vor 400 Millionen Jahren entstand. Zu dieser Zeit befand sich ein pudelwarmes tropisches Meer vor unserer Haustür und in der Brühe war schon damals eine Menge los. Ausgestattet mit solcherlei Wissen dümpelte unsere Fossiliensammlerei aber trotzdem mangels weiterer heimischer Fundstücke fast bedeutungslos vor sich hin. Das ging so bis zu jenem Sonntagsspaziergang vor zwei Jahren, an dem wir eine versteinerte Brachiopode (so eine Art Muschel) als Lesestein in der Biebertaler Feldgemarkung fanden.

Aufgelassender Steinbruch, Wandhöhe 6 Meter
Aufgelassender Steinbruch, Wandhöhe 6 Meter
Also doch, es gibt sie, die Biebertaler Fossilien und mit neuem Elan ging es auf Expedition zur nächsten Fundstätte. Selbst mein 6-jähriger Sohn war in Erwartung großartiger Dinosaurierfunde kaum noch zu bremsen und glücklicherweise hatten wir dieses Mal voll ins Schwarze getroffen! Ein kleiner aufgelassener Kalkbruch aus dem letzen Jahrhundert entpuppte sich als riesiger Schutthaufen fossilien Riffschuttkalkes, übervoll mit Lebensspuren und Wesen aus vergangener Zeit. Wenig spektakulär wenn man den Tyrannoraurus Rex in Museumsqualität erwartet aber immerhin transportabel, überraschend und beeindruckend genug um auch einen 6-jährigen Jungen in seinen Bann zu ziehen.

Ich möchte den genauen Fundort hier nicht hinausposaunen. Wie immer wenn große Steine im Spiel sind, ist auch diese Fundstelle nicht ohne eine gewisse Gefahr für Leib und Leben zu begehen! Ich bin aber der Meinung, dass man einem Erwachsenen Menschen durchaus selber überlassen sollte, darüber zu entscheiden, welche Gefahren er bereit ist einzugehen. Und wie bitte sollen z.B. unsere Kinder den Kontakt zur Natur erfahren und weitergeben, wenn nicht durch gelebte Erfahrung und Vermittlung durch uns. Wenn also jemand mit Verantwortungsbewusstsein, Verstand und Respekt vor der Natur ehrliches Interesse bekundet, dem bin ich gerne bereit, nähere Auskunft über die Fundstelle zu geben.

Anbei lasse ich einige Aufnahmen unserer gesammelten heimischen Urzeitfossilien für sich sprechen, materiell völlig wertlos aber für uns tausend Mal mehr wert als die Knochengerippe in den Museen. Zu sehen sind mutmaßlich verschiedenste Urzeitlebewesen, versteinerte Stromatophoren, Korallen, Brachiopoden, Tabulata etc. von einigen Millimetern bis zu 5cm Grösse.

Brachiopode
Aufgelassender Steinbruch, Wandhöhe 6 Meter
Erosion durch Verwitterung
Eine mir unbekannte Lebensform, Grösse des Fossils 5 cm
Koralle
Koralle
Korallenstücke
Korallenkolonie, im oberen Teil ist eine Röhre im Schnitt zu sehen
Korallenbruchstücke
Riffkalkschutt mit verschiedensten Lebensformen

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Kommentare zum Beitrag

Klaus Lowitz
6.571
Klaus Lowitz aus Reiskirchen schrieb am 22.04.2009 um 08:43 Uhr
Ein sehr interessanter Artikel. Regt einem an sich bewußter mit der eigenen Region zu befassen.
Annick Sommer
4.010
Annick Sommer aus Linden schrieb am 27.08.2009 um 22:34 Uhr
Gute Forschungsarbeit geleistet! Danke für den sehr informativen Beitrag.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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