Bürgerreporter berichten aus: Überall | Ort wählen...

Mittelalterliche Burgen, Schlösser und Ruinen im Kreis Gießen, Folge 5: Kloster Schiffenberg

Gießen | Auf die Frage der Hersteller eines Werbeprospekts, welcher der Gießener Hügel, denn nun ihr „Hausberg“ sei, antworteten die Gießener prompt „Der Schiffenberg“.
Grund dafür, sei die gut erhaltene Klosteranlage aus dem 12. Jahrhundert. Zudem sei der 281 Meter hohe Hügel zu jeder Jahreszeit ein beliebtes Ausflugsziel. Ob Rodeln, Grillen, Biergarten oder eine Veranstaltung. In jedem Fall genießt man bei gutem Wetter eine weite Sicht über die Wetterau.
Der Schiffenberg liegt vier Kilometer südöstlich von Gießen und der Name leitet sich von Skephenburg (=Schöffenburg) ab, ein Verwaltungsbegriff aus der karolingischen Zeit, um ungefähr 800 nach Christus.
Die Geschichte begann 1103/05, als Clementia von Gleiberg, die Witwe von Konrad I. von Luxemburg, stiftete den Berg, beziehungsweise die Burg, zur Errichtung eines Augustiner-Chorherren-Stifts an das Erzbistum Trier. 1129, wurde die Kirche, zwar noch nicht fertig erbaut, dennoch von dem Trierer Erzbischof Meginer geweiht. Das Kloster wurde mit den Augustiner-Chorherren aus Springiersbach besetzt, die nach der mönchischen Ordnung lebten.
1239 wird erstmals Chorfrauen-Stift
Mehr über...
„Cella“ am Südhang des Schiffenbergs erwähnt, die eine Gemeinschaft mit den Mönchen bildeten. Jedoch kamen die Chorherren ihren Verpflichtungen gegenüber dem Nonnenkloster nicht genügend nach, so klagten die Chorfrauen im Jahr 1264 vor dem Gießener Schöffengericht. Das Urteil, die Klostergüter gleichmäßig aufzuteilen, wurde jedoch erst nach Jahren vollstreckt. Mitte des 15. Jahrhunderts wird das Nonnenkloster aufgrund anhaltender Querelen und Misswirtschaft zum Abbruch freigegeben. Heute ist dort eine Wüstung.
Dies sind auch die Gründe, warum das Augustiner-Chorherren-Stift 1323 von Erzbischof Balduin von Trier aufgehoben wurde und der Schiffenberg an den Deutschen Orden, der bei der Belagerung von Akkon im dritten Kreuzzug als Ritterorden gegründet worden war, übergeben. Zehn Jahre später wurde auf dem Schiffenberg, der zur Ballei Hessen (Marburg) gehörte, ein eigener Komtur (Verwalter) eingesetzt und diverse Amtsträger ließen zahlreiche Um- und Neubauten vornehmen. 1740 ließ Damain von Schönborn anstelle des ehemaligen südlichen Seitenschiffs der Basilika, eine Orangerie errichten. Dennoch konzentrierte sich die Geschichte des Schiffenbergs in der Folgezeit nach dem Neuanfang mehr auf das Austragen von Streitigkeiten und der Verwaltung von Gütern.
Der Versuch von Philipp des Großmütigen, den Schiffenberg in Folge der Reformation zu säkularisieren, scheiterte in 1543. 1809 hob Napoleon den Deutschen Orden auf und der Schiffenberg wurde Staatsdomäne. Familie Lynkker, die 1837 das ehemalige Kloster pachteten, und 1885/86 die Kirche von entstellenden An- und Einbauten befreite und eine Gastwirtschaft erbaute, machten das Gelände schon zu dieser Zeit zu einem beliebten Ausflugziel für Besucher, Wanderer und die Gießener Studentenschaft.
1939 wurde der Schiffenberg bereits der Gemarkung Gießen einverleibt und die neuen Wirtschaftsgebäude 1972/73 niedergelegt.
Der Schiffenberg ging dann 1972 letztendlich, nach Funden von Keramikresten der Urnenfelderkultur (1000 vor Christus) und somit dem Beweisen für eine spätbronzezeitlichen Siedlung, in den Besitz der Stadt Gießen über.

 
 
 

Dies könnte Sie zum Thema auch interessieren

mit Badestrand
Zuhause Entdecken- Die Ulmtalsperre
Unser Sonntagsausflug war gut geplant. Auf zur Ulmtalsperre. Die...
Am Wegesrand.Wunderschöne Natur.
Fotospaziergang auf dem Schiffenberg
Wuderschönes Grün
Waldbaden auf dem Schiffenberg
Jede Menge Schmetterlinge im Schiffenberger Wald
Wanderung auf dem Schiffenberg
Schmetterling am Alten Steinbacher Weg
Blätter im Gegenlicht
Heute Morgen im Akademischen Forstgarten am Schiffenberg
Morgenlicht am Hirtenbrunnen
Der Hirtenbrunnen am Schiffenberg

Kommentare zum Beitrag

Leider gibt es noch keine Kommentare zu diesem Artikel.
Schreiben Sie doch den ersten!

Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) KREATIVEs KA:OS

von:  KREATIVEs KA:OS

offline
Interessensgebiet: Gießen
KREATIVEs KA:OS
3.191
Nachricht senden
Aktuellste Beiträge des Autors:
"moonages": Peter Nachtigall, Frank Sauer, Björn Mardorf, Thorsten Doerr, Stefan Herzig und Guido Pöppler. (Foto: privat)
Moonages stellen neuen Mann an ihrer Saite vor
Auch mit neuer Besetzung lassen es sich die sechs Marburger in diesem...
Frage der Woche: Was haben Sie in den Herbstferien gemacht?
Morgen ist der letzte Herbstferientag. Schade, denken sich wohl die...

Veröffentlicht in der Gruppe

Schönes in und um Gießen entdeckt

Schönes in und um Gießen entdeckt
Mitglieder: 38
Aktuellste Beiträge der Gruppe:
Pilz-Foto-Safari
Da bot sich doch der Vormittag zu einer Waldwanderung an . Es ist...
Abendhimmel am 11.10.2020

Weitere Beiträge aus der Region

Neuausgabe "Signale aus der Zelle" ab sofort erhältlich
Vor 20 Jahren starb die Gießener Kommunistin und Antifaschistin Ria...
Busse fahren wieder wie gewohnt
Die Busse der Linien 1, 2, 5, 15 und 17 fahren ab kommendem...
SV Eintracht 1920 Lollar gegen FC Gambach U14 Mädchenfußball
+++Heimspieltag+++ Unsere C-Juniorinnen empfangen am Samstag, den...

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.