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Oberhessische Lieder

Allendorf (Lumda) | Anlässlich eines Mundarttreffens wurde moniert, dass es kaum Lieder im oberhessischen Dialekt oder Mundart gibt.
Nach kurzem Nachdenken fielen mir doch einige ein. Meist sind es kurze „Thekenlieder“, die früher an der Theke an der Kirmes gesungen wurde. Das dürfte heute vorbei sein. Es sind keine hochphilosophischen oder schwermütige Lieder, sondern sie sind der Ausdruck der Lebensfreude der Oberhessen.

Daher hierzu ein paar Beispiele:
Als erstes ist das Lied vom „Griene Baam“ zu nennen, das mehrere Strophen hat. Es ist zwar in einem südhessischen Dialekt verfasst, aber es war relativ einfach es ins oberhessische zu übertragen. Unter meinen Beiträgen in der Giessener Zeitung findet man den kompletten Text.
Ein Beispiel für die Anpassung, hier das Original:
„Es steht e Werdshaus bei uns deham, des werde genonnt die griene Baam. Un uff de Bonk om Owe do setzt de Werd, de Nickelees un racht soin ahle Klowe (to be continued)
Die Übertragung: Es stitt e Wirtshaus bei ies deham, dos wird genannt de griene Baam. Eän of de Bank om Owe do setzt de Wird, de Nickelees eän raacht sein ale Klowe. ….
Mehr über...
Normalerweise müsste es „deheem“ heißen, aber das reimt sich dann nicht auf Baam – Kompromisse muss man halt machen. Die Melodie ist das berühmt berüchtigte (Sudenten-) Lied vom Wirtshaus an der Lahn.
Weitere Lieder
Zuförderst das wohl bekannteste:
Sehste de näjt die Säu eäm Goade … Der komplette Text einschließlich der Übersetzung ins Hochdeutsche ist ebenfalls in meinen Beiträgen zu finden.
Aber dann:
Woas sei mir, woas sei mir, lustche Owerhesse doas sei mir.
Wammer Geäld hu sei mer lustich, wammer keäns hu sei mersch aach.
Lied aus neuer Lied:
Alleweil rappelts ohm Scheuendoar, alleweil rappelts ohm Haus,
alleweil stitt mei leäb Schätzche draus, Schätzche draus, alleweil muss ich emohl naus..
und:
Sehste nejt do kimmde, lange Schritte nimmde, sehst de nejt do eässe schuh.
De besoffne Schwechersu …
Und:
Hau gimmer, gimmer goanaut mi, goanaut mi heem. Beäs die Ahld Pannekuche bäckt eän ke schepp Maul mi mächt. Hau gimmer …
Kocht die Ahld Sauerkraut, eäs die ganz Woch vesaut. Hau gimmer ….
Saalz eän die Sopp, Zwewen eän die Pann,
du seist mein läwe goare Mann...

Vielleicht fallen jemanden weitere Lieder aus Oberhessen ein – im Dialekt, denn es gibt aus unserer Region Lieder über Oberhessen, aber in Hochdeutsch, wie zum Beispiel das Allendorf Lied oder das Lied über das schöne Lumdatal. Ich bin auch nicht sicher, ob die obigen Lieder weitere Strophen
haben.
Da fällt mit noch folgendes Lied ein, welches wahrscheinlich "eingehessischt" wurde. Es gibt viele Strophen im Oberhessischen Dialektm, aber auch im Dialekt der Sudetendeutschen Heimatvertriebenen habe ich das Lied in Gasthäusern gehört. Zunächst hessisch:
"Zwesche Anorf eän Gäisse do gebts en Tunnell. Wammer neännt fehrt eäs dunkl, wammer raus feäht wets hell."
Und: "Die Anorfer Weiwer sei eitel eän stolz..." Über den weiteren Fortgang der Strophe schweigt des Sängers Höflichkeit. Bei den Sudetendeutschen klang das beispielsweise so:
"Übers Bachl bin i sprunga. über Wiesl bin grennt ..." Auch bei dieser Strophe verschweige ich die Fortsetzung. Sie waren nicht immer jugendfrei - halt Kneipenlieder.
Noch ein Lied auf hessisch fällt mir ein. Ich kenne aber nur noch einen Textfetzen: "De Kurrä eän de Matte soaß, hü Kunnerad. Do weät eäm jo ...".
Ich habe von Sven Käs noch einiges bekommen, das ich nicht vorenthalten will. Es freut mich natürlich, solche guten Nachrichten zu bekommen:
Mir ist noch eins eingefallen, es hat glaube ich ziemlich viele Verse, ich komm gerade nicht auf alle:
Die Lisbeth vo Hachborn, die hoat sich drebbelnaß gesächt, jetzt leid'se in den Sonn, die Lisbeth vo Hachborn.
De Ma' vo Ale-Viersch, der loacht sich bei die Mock in Stall und glaabt die Fraa dei wiersch, de Ma' von Ale-Viersch
Die Fra vo Gorwe-Däich...
Die Fra von Krofderisch,...
Hier bekomme ich den Text nicht mehr zusammen, wenn es mir noch einfällt (oder noch andere Verse einfallen, schick ich sie Ihnen.
Und:
-traditionelles Trink-Lied in Ruttershausen, singen nur Burschen, der Ursprung / die Herkunft kann aber auch wo ganz anders sein.

(Anfang lang gehalten im Ton) Neeeeeeeeeeeeeeee..Eas.....Hacke un eas Schippe un de dicke Weiwer-Futt, die mache uns kaputt, die mache uns kaputt, neeeeeeeeeeeeeeee...eas Hacke un eas Schippe un de dicke Weiber-Futt, die mache uns, ja die mache uns kaputt - kaputt...

Gut, kein textliches Kunststück; aber eben lokales Kulturgut!
Gruß
Sven Käs

PS: Jaroslav Hasek schreibt im Schwejk: Wer einen starken Ausdruck fürchtet, ist ein Feigling.

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Kommentare zum Beitrag

Sven Käs
431
Sven Käs aus Lollar schrieb am 30.10.2013 um 23:20 Uhr
Viele dieser Lieder werden von den Kirmesburschen in Ruttershausen (hoffentlich) heute noch gesungen, zudem wäre zu nennen: "Die Hack"; ich weiß nicht, ob es dieses Lied nur in Ruttershausen gibt, aber es passt auf alle Fälle in die Aufzählung! Kennen Sie dieses Lied?
Darüber hinaus haben ja die Gruppen Fäägmeel und KORK schon ein paar Alben rausgebracht, die zur Kategorie "Lieder im oberhessischen Dialekt" gehören, oder?
Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda)
1.111
Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda) aus Allendorf (Lumda) schrieb am 31.10.2013 um 09:11 Uhr
Hallo, Sven Käs,
nein das Lied die Hack kenne ich nicht! Bekommen Sie den Text zusammen?
Sven Käs
431
Sven Käs aus Lollar schrieb am 31.10.2013 um 23:33 Uhr
Ich schick es Ihnen den Text per Nachricht, denn der Text könnte dem einen oder anderen Sittenwächter hier nicht gefallen...
Sven Käs
431
Sven Käs aus Lollar schrieb am 01.11.2013 um 00:02 Uhr
Mir ist noch eins eingefallen aus dem Reigen "fröhliche Hessen überall":
Siehste net die Säu in Goarde, siehste wei se wuihle, wäi se tiefe Löcher groawe, in de ruhre Rüwe. Spitz komm heraus, unn beiß se in die Beeh, die Missgewenner fresse uns die Rüwe kurz un klee. Spitz komm heraus, unn beiß se in die Beeh, die Missgewenner fresse uns die Rüwe kurz un klee.
-Im Anschluss folgt meist der komplette Text in Hochdeutsch-
Siehst Du nicht die Schweine im Garten, siehst Du wie sie wühlen, wie sie tiefe Löcher graben in den roten Rüben. Spitz, komm heraus, und beiß ihnen in die Beine, die Fehlgeburten fressen uns die Rüben kurz und kleine.
Spitz, komm heraus, und beiß ihnen in die Beine, die Fehlgeburten fressen uns die Rüben kurz und kleine.

Jetzt wo ich fertig bin, sehe ich, sie hatten schon auf das Lied in einem anderen Beitrag verwiesen, sorry...
Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda)
1.111
Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda) aus Allendorf (Lumda) schrieb am 01.11.2013 um 09:44 Uhr
Hallo, Herr Käs,
danke für die Nachricht! Freue mich auf die Texte und werde sie/Sie einbinden.
Die "Säu em Goade..." ist schon in einem meiner Beiträge eingebunden, mit der Übersetzung ins Hochdeutsche.
Margrit Jacobsen
8.443
Margrit Jacobsen aus Laubach schrieb am 07.11.2013 um 18:25 Uhr
Moin, Reinhold, ich suche noch...nach sogenannten "hessischen Ehestandsliedern", irgendwo in den Tiefen meines Büros habe ich die.
Soweit ich gehört habe wurden die früher auf dem Dorf bei Hochzeiten von Nachbarn für das Paar gesungen.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda)

von:  Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda)

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