Allendorf (Lumda) | Die Veröffentlichung des Artikels hätte am 01. April für Irritationen gesorgt, deshalb und weil die Printmedien den Artikel schon brachten, jetzt auch hier in der GZ und damit verlinkbar:
Zum 01. April 1991 wurde mit der Einstellung des Güterverkehrs nach Londorf dann auch die Stilllegung des Streckenteils zwischen Londorf - Mainzlar wirksam.
Was war geschehen? Bereits zehn Jahre vorher, zum 31. Mai 1981, und gegen den erheblichen Protest der Bevölkerung, wurde der Personennahverkehr auf der Lumdatalbahn zwischen Lollar und Londorf durch die damalige Deutsche Bundesbahn eingestellt.
In der Folgezeit, also ab dem 01.Juni 1981 verkehrten dann sporadisch nur noch Güterzüge bis Londorf. Dort wurde das Holzwerk Wißner bedient, aber auch der Landesproduktehhändler Reuning in Allendorf/Lda. empfing Naturprodukte insbesondere Kohlen, die bis 1988 mit einem Förderband auf einen LKW am Allendorfer Bahnhof umgeladen wurden. Als Zuglokomotive fungierte die zu dieser Zeit noch in Lollar stationierte Kleinlok vom Typ "Köf 2". Die geringe Leistung dieser Kleinlok reichte aus, um die wenigen Wagen
zu ziehen. Ab und zu kam auch der leistungsstärkere Typ einer Mehrzwecklokomotive vom Typ BR 212 vom Bw Gießen zum Einsatz. Gleichwohl wurde dann aber auch noch in Mainzlar die Didierwerke auf der Hin.- oder Rückfahrt bedient, weswegen die Güterzüge zwischen Mainzlar und Lollar deutlich länger waren.
Wieviele Wagenladungen ab bzw nach Londorf pro Monat gefahren wurden, ist unbekannt. Es dürfte ein Verkehr nach Bedarf gewesen sein. Manchmal wurden auch ab Londorf Holzstämme von der Strasse auf die Schiene umgeladen, so dass auch mit Stammholz beladene Wagen aus Londorf abgefahren wurden. In Allendorf/Lda. wurden in dieser Zeit wohl nur Wagen entladen. Zuladeverkehre ab Allendorf/Lda. sind seit 1981 nicht bekannt. Das Lademass (eine Vorrichtung zum prüfen von Überbreiten und Überhöhen an beladenen offenen Güterwagen) verschwand in 1979. In Treis/Lda. wurden bereits in der Mitte der 1970er Jahre die Nebengleise isoliert, das heisst die Weichen ausgebaut. Ein Bild belegt die Existens eines ungenutzten Nebengleises in Treis im Mai 1981. Damit hatte man die Station zum Haltepunkt degradiert.
Neben diesen Güterverkehrsleistungen sind dann noch ein paar Seniorensonderzüge bis Londorf belegt. Damals gab es "Fahrten ins Blaue", die speziell
auf die Bedürfnisse älterer Mitbürger im Lumdatal zugeschnitten waren. Diese Sonderfahrten wurden dann rechtzeitig auch per Zeitungen beworben, die Fahrkarten konnte man zuvor in den Stadt- bzw Gemeindeverwaltungen erwerben. Zustiege waren an allen Stationen inkl. Lollar möglich. Bilder dieser Sonderverkehre belegen zumeist als Zuglokomotive die Diesellok Baureihe 212 mit sechs Personenwagen vom Typ "Bn" (Silberlinge). Die genannte Zuglänge ist dabei vergleichsweise beachtlich, hat doch jeder dieser eingesetzten Wagen um 96 Sitzplätze. Öfter war dann aber auch ein Gesellschaftswagen eingereiht, in dem sich auch eine Bar befand. Reiseziele dieser Sonderzüge dürften dann im Westerwald, Taunus, auch bis an den Rhein oder die Mosel gewesen sein. Also nicht sehr lange Touren. Befahren wurden auch andere Nebenstrecken. In einer dieser Leistungen wurde dann in den 1980er Jahren ab Lollar auch die Kanonenbahn über Wißmar, Abendstern, Kinzenbach bis Wetzlar und weiter auf der Solmsbachtalbahn in den Taunus befahren. Wohlgemerkt: der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) auf der Kanonenbahn zwischen Lollar und Wetzlar wurde zuvor am 30. Mai 1980 eingestellt, war somit auch für Sonderverkehre für ein paar Jahre noch "frei".
Wenige Male kam in den 1980er Jahren auch noch eine Schienenbus Garnitur mit Eisenbahn Freunden nach Londorf zum Einsatz, die diese Fahrten damals bei der Deutschen Bundesbahn gechartet hatten.
Bei der ehemaligen Bundesbahn zählte aber nicht nur der Freizeitfaktor, sondern auch die wirtschaftlichen Aspekte Eisenbahn Infrastrukturen unterhalten zu müssen. Deshalb hat man wohl gegen Ende der 1980er Jahre die Bedienungen nach Londorf und Allendorf/Lda. gegenüber den Firmen gekündigt, anschließend festgestellt, dass die Strecke zwischen Mainzlar und Londorf in Ermangelung von Verkehrsleistungen entbehrlich ist und ab 25.September 1990 das seinerzeit gültige Stillegungsverfahren betrieben, was dann vom Bundesverkehrsminister bestätigt wurde und per 31.März 1991 in Kraft trat, so dass seit 01.April 1991 die Strecke formal stillliegend ist. Der 31.März/1.April 1991 markiert also nur den Vollzug eines Verwaltungsaktes. Sonderzüge, Presseberichte oder Petitionen zu diesem Zeitpunkt in 1991 sind dem Verfasser unbekannt. Es war schlicht nicht so publik wie die Einstellung des SPNV zehn Jahre zuvor. Damit entfiel der Kostendruck per nachhaltiger Streckenpflege die Fürsorge jenes Gleisabschnittes betriebsbereit vorzuhalten. Ebenso erlosch eine Haftpflicht-Versicherungspolice für den Geltungsbereich dieses Gleisabschnittes. Die Aufgaben der Verkehrswegsicherungspflichten werden aber gewissenhaft wahrgenommen.
Dennoch, und gerade weil dieses alte Stillegungsverfahren implimentiert, dass die Betriebsgenehmigung zum Betreiben dieser Infrastruktur nur eingeschränkt wurde, war es dann möglich, und vom Eisenbahn-Bundeamt als zuständige Aufsichtsbehörde zugelassen worden, personenbesetzt mit Sonderzügen am 31.Oktober 1993 und am 21.Juli 1996 im seit 01.April 1991 betreiberlosen Abschnitt bis Allendorf/Lda. Sonderfahrten durchzuführen. Seit 2000 werden derlei Anfragen seitens der Netzeigentümerin jedoch negativ beschieden, ohne dass sich der Rechtsstatus und der Pflegezustand veränderte.
Das seit Januar 1994 wirksame Stillegungsverfahren nach § 11 (allg. Eisenbahn Gesetz) untersagt strikt jedes Ansinnen einer Befahrung.
Weil im Frühjahr 1993 ein Hochwasser die Klingelbachbrücke in Allendorf/Lda. beschädigte, war es leider schon in 1993 nicht mehr technisch möglich bis Londorf zu fahren. Vandalismus Jugendlicher veranlasste dann im Jahre 2003 Bürgermeister Hormann aus Allendorf/Lda. diese Brücke in 2003 auf eigene Verantwortung "im Benehmen aktiven Hochwasserschutzes" komplett zu demontieren.
Der Streckenabschnitt zwischen Lollar und Staufenberg-Mainzlar, Anschluß Didierwerke wurde als Infrastruktur (bis km 21,800) nie stillgelegt. Bis zum Gleisanschluss verkehren mit etwa konstanter Tonnage auf der öffentlichen Infrastruktur wöchentlich Güterzüge. Gelegentlich auch Personensonderzüge. Infrastrukturbetreiber ist seit Mai 2002 die hessische Landesbahn in Königstein/Ts. Es hängen rund 130 Arbeitsplätze an diesem Gleisanschluß.
Übernahmeverhandlungen für den betreiberlosen (stillliegenden) Streckenteil der Lumdatalbahn finden seit etwa 1995 bis heute ergebnislos statt, sind aber nicht ganzlich unmöglich, wie das jüngste Beispiel der geglückten Übernahme der Strecke von Hungen nach Wölfersheim zeigt. Für die 9,4 km (etwa 130.000 qmtr) Lumdatalbahn ab Didierwerke nach Londorf werden aktuell aber 550.000 Euro seitens des für den Verkauf bevollmächtigten DB Immobilienunternehmens verlangt bzw diktiert.
Doch so paradox es auch klingt, die DB AG Tochter "DB Regio AG", als Dienstleister von Nahverkehsrleistungen wäre heute sehr froh, Personenzüge nach Londorf fahren zu können. Die Regelungen der Bahnreform in 1994 sehen es vor, dass die Dienstleistungen "Nahverkehrszug" bei den unterschiedlichen Eisenbahn
Verkehrs Unternehmen von den Aufgaberträgern (RMV) bestellt werden. Das heisst, der schienengebundene öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist seit der Bahnreform (Jan. 1994) nicht mehr eigenwirtschaftlich. In unserer Region fungiert der Rhein-Main-Verkehrsverbund als Aufgabenträger. Kommunen und Landkreise geben gegenüber dieser Institution ihre Wünsche bekannt. Auf der Grundlage der Ergebnisse von Nutzen-Kosten-Untersuchungen werden dann auch wieder noch vorhandene stillliegende Schienenwege reaktiviert. Mit Blick nach Rheinland-Pfalz und Baden-Würtemberg oder auch nur in den Taunus, verbuchen solche Reaktivierungen hohe Akzeptanzwerte in der Bevölkerung.
Zum besseren Überblick sei aber auf drei andere Daten hingewiesen: per 25.Mai 1963 endete schon der regelmässige Personennahverkehr zwischen Londorf und Grünberg, worauf die Stillegung und 1965 der Rückbau dieses Streckenteils folgte. In 2001 wollte die DB für den verbliebenen Rest Lollar - Mainzlar auch den Güterverkehr kündigen, was ebenso die Stillegung dieses Abschnitt zur Folge gehabt hätte. Durch Anpachtung der Trasse sowie parallel die Vergabe der Leistungen an die SBB/Kreisbahn Siegen-Wittgenstein blieb die Bedienung dann aber gesichert.
öfter gehörte Fragen:
"Weil die Lumdatalbahn seit 20 Jahren stillliegt, ist eine Reaktivierung leider nicht mehr möglich!" Antwort: z.Bsp.: die Schönbuchbahn (in Ba-Wü) war über 30 Jahre stillgelegt und ist heute eine sehr gut akzeptierte und frequentierte Verkehrsachse.
"Es kostet Millionen die Lumdatalbahn zu reaktivieren und rentiert sich nie!"
Antwort: die Frage der Rentabilität wird in einem standatisierten Bewertungsverfahren (Nutzen-Kosten-Untersuchung) ermittelt. Mit einem positiven Befund werden dann auch Zuschüsse bis etwa gut 80 % der Kosten nach dem GVFG von Bund und Land übernommen.
"Die Lumdatalbahn bringt mich nicht zu meinem Zielort"
Antwort: Busse und Bahnen sind seit Gründung des RMV tariflich verknüpft und übertragbar nutzbar. Wo keine Bahn hinfährt, wird eine Buslinie oder ein Anruf-Sammel-Taxi in der Nähe sein. Im Lumdatal wohnen nicht alle Leute in den zentralen Orten. Die Lumdatalbahn verbindet aber die zentralen Orte auf kurze Distanz miteinander. Die Orte in der Peripherie werden in dem integrierten Konzept ergänzend per Bus oder AST bedient.
Die Hauptverkehrsachse für Strasse und Schiene in Richtung Gießen wird sich nicht verändern. Zwischen Lollar und Gießen ist per Schiene (auf der Main-Weser-Bahn) sogar eine Spitzengeschwindigkeit von 160 km/h möglich.
"Welche Strecken werden von kleinen (privaten) Eisenbahngesellschaften betrieben?"
Antwort: adhoc sei auf folgende Strecken verwiesen:
-Aartalbahn
-Brexbachtalbahn
-Chiemgauer Lokalbahn
-Hunsrückquerbahn
-Horlofftalbahn (Teilabschnitt)
-Kasbachtalbahn
-Kassel-Naumburger Eisenbahn
-Murgtalbahn
-Oleftalbahn
-Ostertalbahn
-Schwäbische Waldbahn
-Schönbuchbahn
-Taunusbahn
-Wiehltalbahn
-Wuppertalbahn
sowie etliche andere mehr (siehe Wikipedia)
Einige Strecken von den hier aufgezählten Trassen können seit einiger Zeit regelmäßigen Privatbahnverkehr mit beachtlicher Resonanz aufweisen.
Seit mindestens Anfang der 1990er Jahre wurden nicht wenige Strecken von DB Netz AG an die "privaten" EIU-Gesellschaften übereignet, dann ertüchtigt somit wieder nutzbar.
Nur Mut, -auch in der Politik. Im Normalfall übertreffen die Fahrgastzahlen die Prognosen der Gutachter in den N/K/U.