Bürgerreporter berichten aus: Allendorf (Lumda) | Überall | Ort wählen...

Klinikum: Arbeitsrichter warnt vor Jobverlust

Allendorf (Lumda) | Marburger Klinikmitarbeiter haben vor dem Bundesverfassungsgericht Recht bekommen. Dafür müssen sie unter Umständen um ihre Jobs bangen.

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, das die Privatisierung des Uniklinikums teilweise für nicht rechtens erklärt, keimte bei vielen der rund 8000 Betroffenen die Hoffnung auf, wieder in den Landesdienst zurückzukehren. Doch nun herrscht eher Ratlosigkeit. Dem juristischen Sieg stehen in der praktischen Umsetzung nicht unerhebliche Risiken für die Klinikums-Mitarbeiter entgegen. Das bestätigt der Direktor des Marburger Arbeitsgerichtes, Hans Gottlob Rühle.
„Bis zum 31. Dezember muss das Land für eine Neuregelung sorgen“, erklärt der Jurist, „wonach die Mitarbeiter das Recht haben, in den Landesdienst zurückzukommen.“ Dafür müssen sie einen förmlichen Widerspruch einlegen. Weil ihnen diese Wahl damals bei der Privatisierung 2006 verwehrt war, hatten eine Krankenschwester sowie 129 weitere Angestellte geklagt.
Das Land Hessen muss die Beschäftigten dann auch zurücknehmen, wahrscheinlich sogar die Einkommensverluste ausgleichen. Das Problem:
Mehr über...
Der Autor hat diesem Beitrag leider keine Tags (Stichwörter) zugeordnet!
Hessen weiß dann gar nicht, wohin mit dem medizinischen Personal. Denn auf diesem Sektor hat das Land viel zu wenig Stellen. „Das kann zu betriebsbedingten Kündigungen wegen Wegfall des Arbeitsplatzes führen“, warnt Arbeitsgerichtsdirektor Rühle.
Eine weitere Möglichkeit: Das Land verleiht über einen sogenannten Gestellungsvetrag die Beschäftigten an die Klinik zurück. Das wäre mit höheren Kosten für das Land oder die Klinik verbunden - und dementsprechend wirtschaftlich mindestens für einen der Partner unattraktiv.
Zudem muss die Klinik diesem Gestellungsvertrag zustimmen. Und das ist in vielen Einzelfällen nicht wahrscheinlich. Im Zusammenhang mit anderen Arbeitsgerichtsverfahren hatte die Klinikleitung laut Rühle schon früher erklärt, Mitarbeiter, die dem Wechsel widersprochen haben, nicht zurück zu nehmen.
Doch wie geht es weiter für die Betroffenen? Das weiß auch der Betriebsrat nicht. „Es herrscht Unsicherheit, was jetzt passiert“, sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende am Standort Gießen, Werner Müller. „Wir können noch nichts Genaues dazu sagen, wir müssen das Urteil erst mit unseren Rechtsberatern besprechen.“
Arbeitsrechtler Rühle rät allen Betroffenen: „Am besten erst einmal abwarten, bis die Neuregelung vorliegt.“
Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes ist zwar grundsätzlich im Sinne der Beschäftigten. „Es beinhaltet aber auch die Möglichlkeit der betriebsbedingten Kündigung“, erklärt der Arbeitsgerichtsdirektor. „Das Risiko liegt damit beim Arbeitnehmer - und der sollte gründlich abwägen.“
Und steckt mitten in einem Dilemma: Wer sein hart erkämpftes Recht auf Widerspruch wahrnimmt, muss damit rechnen, den Job aufs Spiel zu setzen.

Kommentare zum Beitrag

Leider gibt es noch keine Kommentare zu diesem Artikel.
Schreiben Sie doch den ersten!

Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
Auf www.giessener-zeitung.de kann jeder aus seinem Ort berichten. Lokaler geht's nicht!

Mitmachen ist ganz einfach und alles ist kostenlos: Gleich registrieren und los geht's!

Herzlichst, Ihr(e) Axel Ehrlich

von:  Axel Ehrlich

offline
Interessensgebiet: Allendorf (Lumda)
10
Nachricht senden

Dieser Beitrag als Banner

Um diesen Beitrag als Banner auf deine eigene Homepage einzubinden, kopiere einfach folgenden Link und füge diesen Code in deiner Homepage ein.
Link:
Übrigens: unter "Meine Seite" findest du auch einen Banner zum Einbinden der letzten Beiträge, die du selbst verfasst hast.