Diese in einer schönen Landschaft entlang der Lumda gelegene Eisenbahnstrecke hat es verdient, dass man ihr ein kleines Denkmal setzt. Die Lumda mündet zwar bei Lollar in die Lahn, die Strecke selber begann und endete in Gießen. Dort befand sich einst ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt der Main-Weser-Bahn mit großen Güterhallen und einem eigenen Bahnbetriebswerk. Von meiner ersten Arbeitsstätte in der Frankfurter Straße konnte ich in den 60er Jahren noch die Baureihe 55 beim rangieren beobachten – ich fand sie damals grau und hässlich, heute würde ich sie gern noch einmal rangieren sehen.
Von Gießen ging die Fahrt auf der Hauptstrecke nach Lollar, dort zweigte die Lumdatalbahn eingleisig ab. Die Strecke endete – oder begann, ganz wie man es nimmt, in Grünberg. 1963 wurde die Strecke aber nur noch bis Londorf geführt und der Abschnitt bis Grünberg eingestellt. Die Gleise wurden alsbald auch abgerissen.
1981 wurde der Personenverkehr auf der Reststrecke ebenfalls eingestellt. Ich kann mich noch erinnern, dass vor der Einstellung noch Lokomotiven der Baureihe
50 eingesetzt wurden – riesige Schlepptenderdampfloks. Auch die sogenannten Limburger Zigarren – Dieseltriebwagen – wurden noch eingesetzt. Gottseidank habe ich davon noch zwei Bilder, die mein Bruder Rolf im Londorfer Bahnhof aufgenommen hat. Vielleicht hat noch jemand weitere Bilder aus dieser Zeit und kann sie mir überlassen, damit ich sie auf meiner eigenen Homepage www.reinhold-gruninger.de einstellen kann.
Für uns gab es damals keine andere Möglichkeit als mit dem Zug nach Gießen oder Lollar zu kommen - meist in die Kinos. Ich kann mich noch erinnern, dass wir morgens gegen 7 Uhr mit einer Baureihe 86 und „Donnerbüchsen“ nach Gießen zur Arbeit fuhren. Diese Uhrzeit war besonders interessant, da dann zwei Züge im Bahnhof Allendorf kreuzten. Später fuhren wir dann mit Schienenbussen der Baureihe VT 98. Man konnte sich unterhalten und Neuigkeiten austauschen, dann gingen wir zusammen über mehrere Kilometer zur Arbeitsstelle – die Zeit verging dabei wie im „Zug“. Auch der Güterverkehr hatte im zweigleisigen Bahnhof Allendorf mit einem zusätzlichen Gütergleis große Bedeutung, denn dort holten wir die im Güterwagen transportieren Brikett mit dem Handwagen ab. Oder wir brachten in der Erntezeit das Obst an die Sammelstelle vor dem Güterwagen für mich immer ein kleines Taschengeld. Es mag sein, dass das alles altmodisch klingt!? Aber ist es besser, wenn Individuum allein in seinem Auto hockt und den pseudolustigen Morgenradiomodera"toren" und -rinnen zuhört?
Leider können sich nur wenige Leute an die "alten Strecken" erinnern..
Bei mir vor der Haustüre verläuft die ehemalige Strecke Wetzlar-Brandoberndorf,mit dem Bahnhof Albshausen der mal Verladebahnhof der Grube Fortuna war.Oder die Strecke Herborn nach Bad Endbach...
Man kann nur hoffen das die Strecke Frankenberg-korbach reaktiviert wird..
Aber ich habe da noch einen Tipp: Am 11.12.2010 verkehrt der VT 98 der OEF von Mainzlar über Gießen nach Alsfeld zum Weihnachtsmarkt.
Hallo ihr Beiden,
vielen Dank für Euren schnellen und guten Kommentar. Es stimmt, es gibt noch mehr schöne Strecken in unserer Umgebung, die erhaltenswert wären. Aber Ihr wißt: Für einen Streckenabbau braucht die Bahn nur Tage, für die Reparatur einer Bahnunterführung in Gießen Jahrzehnte!
Wenn man nach Süddeutschland oder in den Osten Deutschlands schaut, ist das was bei uns als Museumsbahn läfut lächerlich. Deshalb ist mein Wunsch, das Lumdatal zu erschließen - mit der Bahn! Vielleicht wäschst dann mehr heran.
Der Hinweis auf die Busfahrt ab Mainzlar freut mich! Danke für den Hinweis! Ich hoffe auf mehr Bilder von der Strecke. Ich kenne ein Bild mit der 86 und Donnerbüchsen bei Allendorf. Das versuche ich, zu bekommen.
Es gibt doch die Lumdatalbahn-AG, die sich um die Reaktivierung der Strecke bemüht und einiges an Fotos in ihrem Archiv haben dürfte. Zu alten Strecken gibt es auch nette Internetseiten mit ein bisschen Bahn-Nostalgie, z. B. rostende-schienen.de.
die wichtigsten Links wurden hier schon von Hr. Momberger genannt. Darum möchte ich mich nur auf ein paar kleine Korrekturen des Haupttextes beschränken.
Die Geschichte der Lumdatalbahn begann in 1896 mit der Inbetriebnahme des aber seit 1965 wieder zurückgebauten Abschnittes zwischen Grünberg und Rabenau-Londorf. Ab 02.Juni 1902 ist die Schiene ab Londorf über Allendorf/Lda., Treis/Lda, Mainzlar und Daubringen bis Lollar dem Verkehr übergeben worden. Deshalb beginnt auch heute noch die Kilometrierung der Lumdatalbahn in Grünberg. Beim Gleistrassenbau fand man in der Gemarkung Mainzlar/Daubringen Bauxit-Vorkommen weshalb sich dann im Jahre 1907 eine Feuerfestfabrik in Mainzlar ansiedelte, die auch heute noch Tonnagen auf der Schiene erhält.
Der regelmässige Personenverkehr zwischen Grünberg und Londorf wurde Ende Mai 1963 eingestellt, zwischen Londorf und Lollar per 30. Mai 1981. Zwischen 1981 und 1996 fanden dann noch gelegentlich Tourismusverkehre statt, obwohl per 01. April 1991 die Stillegung für den Gesamtverkehr zwischen Mainzlar/Anschl. Didierwerke und Ra.-Londorf verfügt wurde. Diese stillliegenden etwa 10 km sind nach wie vor dem Bahnverkehr gewidmet. Der Abschnitt zwischen Lollar und Mainlar steht als öffentliche Eisenbahninfrastruktur jederzeit für Personen.- und Güterverkehre zur Verfügung. Die Personenverkehrsanlagen (Bahnsteige) erfüllen aktuelle Anforderungen. Die zulässige Achslast beträgt 20 to.
Bei Wikipedia sind ergänzende Informationen auch zu allen anderen (ehemals) befahrenen Bahnlinien vergleichsweise übersichtlich einzusehen. Bei Youtube sind wenige Kurz-Filme zur Lumdatalbahn hochgeladen.
Die im Text beschriebenen und bebilderten Limburger Zigarren (ETA 517) waren keine Diesel sondern Akkumulatorentriebwagen. Sie bezogen ihre Energie aus mitgeführten Batterien. Jene Philosophie wird heute -mit neuen Akkus- für Pkw´s wieder adaptiert entwickelt und salonfähig.
Literatur zur Lumdatalbahn gibt es in Form zweier Kalender der Jahrgänge 1997 und 2002, die aber vergriffen sind. Gelegentlich finden sich Hinweise in Eisenbahnerforen. (DSO und MRF, per Suchfunktion auffindbar) Bücher zur Lumdatalbahn gibt es nicht, nur eine Infrastruktur-Beschreibung (für Fachleute) und eine Dokumentation von P. Kreuter zum hessischen Nebenbahngesetz von 1884. Wesentliche Teile davon sind in der .com Seite einzusehen.
Noch ein Beitrag zu den Akkutriebwagen ETA 517 und ETA 150 : Ich habe in meiner Ausbildung zum Lokführer bei der DB auch die Ausbildung bein den Akkutriebwagen in Limburg gemacht.
Gefahren sind wir Koblenz - Limburg - Giessen - Büdingen.
Es gab Lokführer, die wurden Sparbrötchen genannt, die haben mit dem Akkustrom gegeizt.
Die Ladesstation in Giessen war im Oberhessischen Bahnhof ?? RICHTIG ??
So genau weis ich das nicht mehr
Auch hatten mancher dieser Wagen die unangenehme Eigenheit, leichte Stromstösse zu verteilen ! (Kriechströme ) !
Aber leider ist diese Zeit vorbei ! Schade, Schade,
Heute nur noch, schnell, schnell !!! Der ICE etc. lässt grüßen ! Leider ! :-)
Hallo Herr Schulz,
ich gleube, dass ich dann das Bild der Limburger Zigarre richtig eingestellt habe, denn die waren ja wirklich selten und außergewöhnlich. Freut mich, in Ihnen einen Kenner angetroffen zu haben.
Sie können 2 Bilder der Zigarren auf meiner Homepage
www.reinhold-gruninger.de sicherlich herunterladen! Ich suche zur Zeit noch Bilder aus der Zeit der Donnerbüc´hsen mit der BR 86 und habe deshalb Allendorfer angesprochen, von denen ich weiß, dass sie Bilder haben.
Von den ETA 517 (bzw. 176) gab es insgesamt nicht sehr viele Typen. Sie waren in Limburg beheimatet, kamen ab Gießen auf der Lahn-Kinzig-Bahn und der Lumdatalbahn zum Einsatz, weil der Ladestrom keine großen Fahrzeugumläufe zuließ. Die Ladestation war in Gießen in der Nähe des Stellwerks im oberhessischer Bahnhof. Die Einsätze der ETA ab Gießen endeten so etwa um 1981. Weitere Infos und hist. Bilddokumente finden sich im Buch über das Bw Gießen vom EK Verlag. Die "Zigarren" fuhren ab Limburg auch noch im Taunus, die Strecke der Aartalbahn (Diez-Wiesbaden über die Eiserne Hand). Ich selbst erinnere mich noch gerne als Fahrgast an jene komfortablen und leisen Fahrzeuge. In der Tat saßen manchmal im Winter morgens die Leute fast im dunkeln, weil die Innenbeleuchtung gerne auf Sparstrom geschaltet wurde.
Aus Limburg kamen aber auch Dampfzüge über die Lahntalbahn, die dann ab Gießen in einzelnen Umläufen bis Londorf verkehrten. Die Dampflokunterhaltung endete im Bw Gießen recht früh. Typisch für Gießen waren zeitweilig auch die zwei BR 66, die häufig auch im Lumdatal anzutreffen waren. Die Tenderloks der BR 86 waren seinerzeit beim Bw Wetzlar beheimatet, waren also auch auf der Kanonenbahn Wetzlar-Kinzenbach-Lollar anzutreffen.
Zum Thema "schnell", -der Linienbus benötigt heute ab Londorf nach Gießen/Bf. um die 52 Min. ein moderner Zugverkehr würde 27 Min. brauchen. (vgl. in 1977/78 mit dem ETA 34 Min.)
Hallo,
die Ergänzungen freuen mich sehr! Natürlich habe ich mir als begeisterter Modellbahner auch die BR 86 und die Donnerbüchsen, ebenso die BR 50 kab, die ich noch selber im Ludatal erlebt habe. Ursprünglich wollte ich den Bahnhof nebst Gleisen in einem Modul nachbauen - keine Zeit bis jetzt.
Die Gießener BR 66, ehemals PIKO(!) habe ich für das Märklin-System nachgebaut: modifiziertes Fahrwerk der Märklin 23 und Gehäuse der BR 66 PIKO. Musste sein! Zu sehen ist sie in meiner Homepage www.reinhold-gruninger.de unter Märklin.
Sehr geehrter Herr Gruninger,
Der Bereich Modellbahn ist wiederum ein anderes Thema, aber auch hier gibt es eine Verknüpfung zur realen Lumdatalbahn.
Die Modelleisenbahnfreunde Lollar e.V. http://modellbahnfreunde-lollar.de/ widmen sich seit Jahren als eines ihrer Schwerpunkte dem Nachbau der Strecke im kleinen Maßstab.
Gezeigt wird diese Modul-Modell-Bahn turnusmässig alle zwei Jahre im Lollarer Bürgerhaus, was dafür komplett angemietet wird. (reale 13,9 km im Maßstab 1 : 87 wären 159 mtr. Länge) Die nächste Schau findet am 23./24. Okt. 2010 von jeweils 10 bis 18 Uhr statt.
Generell gilt aber, zwischen allen diese Schwerpunkten sowohl in rechtlicher, organisatorischer als auch in personeller Form deutlich zu differenzieren.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen (EVU) und Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen (EIU). Ein Infrastrukturunternehmen stellt die "Resource Bahnline" den geeigneten Verkehrsunternehmen zur Verfügung, die diese nach Trassenbestellung nutzen dürfen. Abgerechnet wird wie eine Maut.
Die hier eingangs in den Kommentaren von Herr Skotarczyk für Dezember angekündigten Gesellschaftssonderverkehre mit historischen Schienenbussen agieren als gemeinnütziger e.V. http://oef-online.de/ als Tochter eines kleinen eigenständigen EVU, während die Modellbahnfreunde sich der maßstäblichen detailgetreuen Perfektionierung widmen.
Moderne Personenverkehre würden durch ein wiederum anderes EVU als Dienstleister für einen Aufgabenträger (hier RMV http://www.rmv.de/ ) nach dessen Bestellung nach einer europaweiten Ausschreibung durchgeführt werden.
Die real stattfindenden Güterverkehre besorgt konkret ein weiteres Güter-EVU, die Kreisbahn-Siegen-Wittgenstein GmbH. http://www.ksw-siegen.de/
Um die öffentliche Infrastruktur kümmert sich zwischen Lollar und Anschl. Didierwerke seit Mai 2002 die Hessische Landesbahn AG http://www.hlb-online.de/ als Netzbetreiber.(EIU).
Während der Abschnitt zwischen dem Gleisanschluß und Londorf/Prellbock exakt als "nur" betreiberlose und betriebslose Infrastruktur zu beschreiben ist, da das ab 1994 formal gültige Stillegungsverfahren nach § 11 (AEG) hier nie betrieben wurde, weswegen auch in 1996 personenbesetzte Sonderfahrten mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde stattfinden konnten. Aber auch um diesen derzeit betriebslosen Netzteil kümmert sich formal als wiederum anderes EIU die DB Netze AG http://www.deutschebahn.com/site/bahn/de/konzern/geschaeftsfelder/dbnetze__fahrweg/db__netz__ag.html/
und besorgt die Verkehrswegsicherungspflicht, als auch die Lumdatalbahn AG, die wie ein EIU, sich der Erhaltung dieses Gleisstückes pflegerisch widmet und Antrag nach § 6 (AEG) gestellt hat, nebenbei sich für die beiden Bahnsteige in Daubringen und Mainzlar verantwortlich zeichnet.
Inwieweit sich es juristisch zulässig ist, wenn zudem eine GmbH als Immobiliengesellschaft, die selbst nicht als EIU registriert ist, hier Ergänzungsflächen innerhalb einer zusammengehörenden, nicht nach § 11 (AEG) stillliegenden Verkehrsachse herauslöst und veräußert, bedürfte eigentlich einer gerichtlichen Überprüfung.
Ich weiss zwar nicht wer das geschrieben hat,Herr Lang oder Herr Laux(beide IG Lumdatalbahn) ist aber ein schwerer Paragrafenartikel--- (was nicht negativ gemeint ist)
Aber trotzdem gut geschrieben muss ich sagen...vielleicht klappt es nächstes Jahr mit einer größeren Aktion zwischen der IG und der OEF.
Werden versuchen etwas auf die Beine zu stellen...
Hallo,
ich bin erstaunt, was es alles über das Lumdatal und die Lumdatalbahn zu sehen und zu lesen gibt! Das freut mich!
Ich wundere mich, dass ich nicht schon früher gegooglet habe!
Hallo,
ich danke für die weiteren Details! Es ist schon erstaunlich, wieviel mache Interessiert noch wissen!
Ich glaube, es gab einmal ein Kleinserienmodell des ETA 176. Muss mal forschen. Als Ersatz habe ich die ET&A 177 und 180 (s. www.reinhold-gruninger.de)
Ich bin früher oft mit der Limburger Zigarre gefahren. Bei dem Foto dürfte es sich um die Baureihe ETA 176 handeln. Diese waren aber nicht Dieselgetrieben, sondern hatten eine E- Motor, welcher von Akkumulatoren angetrieben wurden. Nach einer Strecke Wetzlar- Koblenz wurden die Züge gewechselt weil die Akkus dann jeweils an den Endbahnhöfen wieder geladen werden mussten. Ich kann mich noch erinnern das die Motoren eine sehr gute Zugkraft hatten, vergleichbar mit heutigen U- Bahnen. Die ETA 176 wurde dort eingesetzt wo keine Oberleitung vorhanden war. Grüße Jörg Bischoff
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Nach Lollar mit dem „Schmaadlecker-Shuttle“
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