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Von der Liebe zum Chorgesang: Als eingeschworenes Team durch alle Stilrichtungen - ein Lehrstück über Kontinuität

die beiden Bässe gut gelaunt und auskunftsfreudig beim Interview
die beiden Bässe gut gelaunt und auskunftsfreudig beim Interview
Allendorf (Lumda) | „Anpassungsfähigkeit und sich auf Neues einlassen können“ so bringt der 80jährige Hans-Peter Frank das Geheimnis von Kontinuität und Treue zu einem Verein auf den Punkt. In seinem Fall ist dies der Gesangverein TeuTonia Nordeck, dem er seit den frühen 1950er Jahren aktiv (!) angehört. Das ist an sich schon etwas Besonderes, doch er ist nicht allein: Die gleiche imposante Zeitspanne hat Josef Hubka als aktiver Sänger aufzubieten. Frank begann als „junger Kerl“ seine Sängerlaufbahn zunächst als 2. Tenor, wurde dann aber schließlich im 2. Bass heimisch. Hubka, Geburtsjahrgang 1937, startete gleich als tiefer Bass. Beide wurden „angeworben“, also von anderen aktiven Sängern zur Chorprobe eingeladen. Im Falle Hubkas war es sein Chef Gotthold Schönwandt, der den damaligen Lehrbub animierte, mitzusingen. An die Aufnahme in den Verein – genaugenommen in zwei Chöre, denn es gab seinerzeit sowohl einen Männerchor als auch einen Gemischten Chor, erinnern sie sich noch gerne. Man habe es als neuer Sänger nicht schwer gehabt, sondern sei warmherzig und freudig aufgenommen worden. Schon damals habe es ein
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Teutonia (39)Sänger (17)Portrait (13)Nordeck (77)Chor (462)Bass (5)
beeindruckendes Zusammenwirken verschiedener Generationen gegeben, berichtet Frank. Der erste Chorleiter, unter dessen Dirigat die beiden damals sangen, war Heinrich Schomber aus Beuern. Dieser hatte bereits vor dem zweiten Weltkrieg die Chorleitung innegehabt und konnte beim Neustart zum Jahr 1947 erneut dafür gewonnen werden, beide Chöre zu leiten. Schomber war zwar nur nebenberuflich Chorleiter, doch brachte er enormen Einsatz und Leidenschaft mit. „Die Literatur war anspruchsvoll“ erinnert sich Frank. Auch sei die Einstudierung präzise gewesen, Einzelstimmenproben begleitete Schomber mit der Geige. Die Qualifikation zu großen Ereignissen wie Bundesleistungssingen und Bundeschorkonzerten in den 1970er Jahren war der Lohn für das gesangliche Engagement.

Obwohl es in den 1950er Jahren mehr oder weniger üblich gewesen sei, in Dorfvereine einzutreten, so beschreiben die beiden Männer die Zugehörigkeit zum Nordecker Gesangverein doch als etwas Besonderes. „Es hat mich nie mehr losgelassen“, schwärmt Frank. Nicht nur die Liebe zum Chorgesang – auch die Geselligkeit und das Zusammengehörigkeitsgefühl wurde zum wichtigen Faktor im Leben beider. Kein Wunder also, dass die wöchentliche Chorprobe einen enormen Stellenwert bekam. „Die Familie nimmt Rücksicht, sonst geht das nicht“, schmunzelt Frank. „Die wissen schon, dass man am Tag der Chorprobe keine Geburtstagsfeier abhalten darf“.

bei der Feier zum 100jährigen Bestehen in 1963
bei der Feier zum 100jährigen Bestehen in 1963
Die Verankerung des Vereins in der Dorfgemeinschaft und dem Brauchtum im Jahreslauf war in früheren Jahrzehnten durchaus stärker als in der Gegenwart. Der traditionelle „Familienabend“ und das „Kirschentänzchen“ der TeuTonia waren Pfeiler im dörflichen Leben und sind heute Legenden. Hubka erinnert sich noch gut an den Beginn der „Familienabend“-Tradition. Im damaligen Wirtshaus Stelzenbach habe man diesen Abend begangen, in der Tat sei dieser auf die ganz Familie ausgerichtet gewesen und habe Unterhaltung in einer nicht ganz einfachen Zeit geboten. Später, als dieser im Bürgerhaus stattfand, blieb er ein „Publikumsmagnet“. Die Kombination aus verschiedenen Liedvorträgen, Sketchen und kleinen Theaterstücken machte die Veranstaltung kurzweilig. Nicht zuletzt trug dazu auch Hans-Peter Frank bei, der als Witze erzählender Conférencier sozusagen in die Geschichte eingegangen ist. „Humor habe ich schon immer gehabt“, lacht Frank. Und so verwundert es nicht, dass er das kleine Männerensemble „Potpourri“ eigens für den Familienabend ins Leben rief, für dessen Repertoire neue Texte auf
125Jahr-Feier in 1988
125Jahr-Feier in 1988
bekannte Melodien dichtete und die launigen Liedvorträge (für die als Gag auch schonmal ein lebender Esel auf die Bühne gebracht wurde) mit der Gitarre begleitete. Die Generalprobe am Vorabend sei manchmal so intensiv ausgefallen, dass der eigentliche Familienabend am nächsten Tag wegen eines veritablen Katers manch eines Akteurs gefährdet gewesen sei.

In den 1960er Jahren war es üblich, am Silvesterabend an verschiedenen Plätzen in Nordeck kleine „Platzkonzerte“ zu geben und in den jeweils umliegenden Häusern dafür Geld einzusammeln – schließlich habe schon damals die Finanzierung bestritten werden müssen. Bei all diesen gemeinsamen Aktivitäten entstanden beständige Freundschaften, die das ganze Leben geprägt haben – auch darin sind sich beide einig. Der Besuch von Sängerfesten war ebenso selbstverständlich wie die regelmäßige Teilnahme an Wettstreiten. Doch es war nicht nur die Geselligkeit und Verankerung im Dorfleben, die die zwei stets motivierte, regelmäßig die Chorproben zu besuchen und an Auftritten teilzunehmen. „Ich finde es wichtig, auch immer wieder mal auf der Bühne zu stehen und den Applaus entgegenzunehmen – das ist einfach schön“, betont Frank. In über 65 Jahren haben die beiden unter fünf verschiedenen Chorleitern
2017 beim Auftritt in Marburg
2017 beim Auftritt in Marburg
gesungen und sind ein eingeschworenes Team geworden. Die Literatur wechselte, die Schwerpunkte wechselten. Jeder Chorleiter hatte Eigenheiten oder brachte neue Methoden ein. „Man muss sich auf Neues einlassen, das ist wichtig.“ Hatte man zunächst nur deutschsprachige Literatur einstudiert, so kamen später Latein, Französisch und Englisch hinzu. In den letzten Jahren wurde die sprachliche Bandbreite auf Sprachen Skandinaviens und dem Baltikum erweitert.

Die 90erJahre (es gab nunmehr nur noch einen Gemischten Chor) brachten unter dem Dirigat von André Kutsch mitunter manche Weichenstellung, aber auch den „Grundstein“ für das hohe Niveau der TeuTonia, erinnert sich Hubka. Die beiden Sänger stellten sich allen Herausforderungen, wagten Neues. Man habe Oratorien gesungen und mit großem Erfolg die ‚Carmina Burana‘ aufgeführt. Stolz erinnern sich beide an die Weiterentwicklung des Gemischten Chores; der Leistungsgedanke hielt mehr und mehr Einzug und der Chor konnte einige Erfolge verbuchen. Torsten Schön, der die TeuTonia nun seit knapp 20 Jahren mit großem Erfolg leite, habe wiederum neue anspruchsvolle musikalische Schwerpunkte gesetzt und begeistere immer wieder mit tollen Chorproben. Auch für die moderne Chorliteratur v.a.
Warten auf den Konzertbeginn (Londorf 2018)
Warten auf den Konzertbeginn (Londorf 2018)
aus Skandinavien und dem Baltikum konnten sich die beiden Bässe, die in ihrer Sängerlaufbahn wohl alle Stilrichtungen des Chorgesangs kennengelernt haben dürften, erwärmen. Sie wissen, dass sie sängerisch stets maßgeblich am Erfolg des Chores beteiligt waren - stetiges positives Feedback von Zuhörern und Leistungsrichtern bezüglich der markanten Bassstimmen mit beeindruckendem Tonumfang in der Tiefe beflügelte Ambition und Leidenschaft. Eins wird klar: Chorsingen macht nicht nur glücklich – es füllt die Biographie mit einzigartigen Erlebnissen und Erinnerungen.

Josef Hubka, der seinerzeit ohne Notenkenntnisse zur TeuTonia kam, übte selbstverständlich neue Stücke regelmäßig zu Hause auf dem Klavier; er brachte sich zu diesem Zweck selbst die Noten des Bassschlüssels bei. „Ich liebe die Musik als solche“ sagt Hans-Peter Frank. Am Ende verrät er noch sein Lieblingslied: „`Die Nacht´ von Schubert“ und mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: „Und ‚Öhtul‘ von Pärt Uusberg aus unserem aktuellen Repertoire….wie gerne singe ich das!“

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