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Grabsteine aus vier Jahrhunderten am Allendorfer Heimatmuseum

Allendorf (Lumda) | Grabsteine aus vier Jahrhunderten am Allendorfer Heimatmuseum

Die vom Heimat- und Verkehrsverein im Laufe der Zeit aufgestellten historischen Grabsteine sind Zeugen der Bildhauerkunst. Aus dem 17. bis 20. Jahrhundert stammen die Steine, und jeder erzählt eine Geschichte. Die barocken Grabsteine bis hin zu dem, aus dem 50ziger Jahren des letzten Jahrhundert, sind ein wichtiger Teil der Allendorfer Orts- und Kirchengeschichte.

Die Inschriften informieren über den Stand und die Familie des Toten. Über seine Stellung und seine Verdienste. Teilweise wurde sogar die Uhrzeit des Todes vermerkt. Ein steinernes Dokument ist das Grabmal von Johann Faulstich aus dem Jahr 1673. Der am 6. Mai 1673 verstorbene Johann Faulstich war ein Gerichtsschöffe, so ist es auf dem Stein zu lesen. Es war dreimal verheiratet „hat 3 Ehen besessen“, „die erste mit Anne 3 Jahr und 3 Kinder“ hatte er mit ihr. „Die Andere mit Elisabetha 12 Jahr und 3 Söhne und 2 Töchter“, eine weitere Ehe mit einer anderen Elisabetha. So ist es auf dem Grabstein vermerkt. Sehen kann man auf dem Stein eine hinterbliebene Ehefrau, vier stehende Mädchen und zwei stehende Knaben, während die verstorbenen Kinder – vier Knaben und zwei Mädchen – an deren Füßen liegend abgebildet sind.

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Von einem H.W. Moll ist zu lesen, dass er am 15. Juni 1817 in Rauschenberg geboren und am 16. Oktober 1885 gestorben ist. „Voll Aufopferung und Uneigennützigkeit gegen seine Nebenmenschen verfloss sein Leben in ununterbrochener Thätigkeit. Sein Andenken bleibt im Segen.“

Insgesamt sind sieben restaurierte Grabmale an der Westseite des Museums angebracht und so vor dem Verfall geschützt. Zuletzt wurde das Grabmal von Josef Waschke, Oberlehrer und seiner Ehefrau Anastasia Waschke geb. Kuhn von dem Heimat- und Verkehrsverein aufgestellt.

Josef Waschke wurde 1891 in Herzogwald (Ost-Sudetenland) geboren. Nach dem Lehramtsstudium in Brünn, wurde er Lehrer in Herzogwald, später Oberlehrer. In der Ehe mit seiner Frau Anastasia wurden drei Kinder geboren, Josef, Anastasia und Isolde. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Familie aus der Heimat vertrieben. Am 7. Mai 1946 kam die fünfköpfige Familie zusammen mit vielen anderen Familien aus Herzogwald in Allendorf an. Zunächst wurden der Familie Waschke zwei Zimmer in der Pirrmühle zugewiesen. Eine Anstellung im Lehramt war vorerst
nicht möglich, so übte Josef Waschke die Stelle des Stadtschreibers in Allendorf aus. Später bekam er erfreulicher Weise die Zusage als Lehrer in Beltershain. Hier war er bis zu seiner Pensionierung Anfang der 1950er Jahre tätig. Nach der Pensionierung baute er zusammen mit Tochter Isolde und Schwiegersohn Gerhard Polzer ein Siedlungshaus in der Waldstraße in Allendorf. Nach dem Einzug 1954 verstarb Josef Waschke plötzlich. Seine Ehefrau Anastasia folgte ihm 1966.


Verblieben sind neun Enkel, von denen noch sieben leben. Zwei davon wohnen in Allendorf.

Trotz schwieriger finanzieller Verhältnisse nach Vertreibung und Aufbau einer neuen Existenz in Allendorf und dem Neubau eines Eigenheimes beauftragte die Familie zum Andenken an den Verstorbenen die Fertigung eines individuellen Grabmals bei dem bekannten Bildhauer und Maler H.W. Arnold. Der Künstler hat Josef Waschke als Lehrer mit einem Schulkind auf dem Gedenkstein abgebildet.
Auf dem Sockel ist zu lesen „Alles Leid der Welt wird klein vor Gottes Thron“.
Das Aufstellen des jüngsten Grabmales hat die Firma Kurt Käs aus Staufenberg-Mainzlar kostenlos vorgenommen. Dafür nochmals herzlichen Dank.

Die Grabsteine stammen von dem Allendorfer Kirchhof, dem alten Friedhof in der Nordecker Strasse, dem neuen Friedhof in der Friedhofstraße und vom Friedhof in Winnen.

An den aufgeführten Beispielen wird deutlich, dass Friedhöfe ein Stück Kultur sind. Friedhöfe sollen Ausdruck des Kulturwillens einer menschlichen Gesellschaft sein. Zeigt die Gestaltung eines Friedhofes durchaus an, wie diese Gemeinschaft ihren Dank an die Dahingegangenen abstattet, ob sie sichtbar macht, dass die Toten durch ihr Gewesensein unser Dasein weiter mitbestimmen. Deshalb ist es auch Aller Aufgabe sich in diesem Sinne der Friedhofsgestaltung zu widmen.

Die Gedenktage im November sind dem Erinnern an die Verstorbenen gewidmet. Vielleicht hat der eine oder andere Muße sich das beeindruckende Ensemble am Museum anzusehen.

 
 
 

Kommentare zum Beitrag

Reinhard Koerber
35
Reinhard Koerber aus Gießen schrieb am 28.11.2019 um 21:05 Uhr
Super. Toll. Lesenswert und sehenswert dieser Beitrag und "Besuch der Grabsteine".
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda)

von:  Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda)

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Interessensgebiet: Allendorf (Lumda)
Heimat- und Verkehrsverein Allendorf (Lumda)
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