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Der Allendorfer Nikelsmarkt

Die Allendorfer Stadtfahne
Die Allendorfer Stadtfahne
Allendorf (Lumda) | Der Anorfer Nikelsmarkt

Von Reinhold Gruninger

Es tut mir in der Seele weh, wenn ich nicht auf dem Nikelsmarkt sein konnte. Normalerweise gehe ich dann mit meinem Bruder Rolf durch die Gassen. Wir kommen oft nicht weit, weil wir ständig alte Bekannte treffen. Das kann nur der verstehen, der nicht wie ich in Allendorf aufgewachsen ist – und auch noch in der Nähe der Meätgass. Am Nikelsmarkt Dienstag konnte ich von unserem Haus in der Rheigass sehen, wie die Marktstände aufgebaut wurden. Sie bestanden damals meist aus einfachen Dachlatten. Das zu sehen waren glückliche Momente für mich.
Am späten Nachmittag und Abend fanden dann in den Gaststätten kleine, einfache Feiern statt, beispielsweise im 1. Stock im großen Raum beim Zinßer-Emil. Der Nikelsmarkt begann am Dienstagnachmittag und endete am Donnerstagmittag mit dem Abbau der Stände. Am Mittwochmittag war ein Platzkonzert beim alten Rathaus.
In der Volkshalle mussten wir dann als Schüler Stücke aufführen. Da saß dann der höchste Repräsentant der US-Streitkräfte, Herr Rix, neben ihm Bürgermeister Schwarz. Der freute sich immer sehr über
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uns, und seine weißen Zähne blitzten in seinem braunen, gutmütigen Gesicht, was uns wiederum freute. An einen Auftritt erinnere ich mich lebhaft: Eäwetz Rudi sang, man glaubt es nicht, das Lied vom Kunneroad; „… de Kurräh eän de Madde saß, hü Kunneroad, do werr ehm jo de Aasch so nass, hü Kunneroad …“
Am Mittwoch dann war großes Markttreiben in der Meätgass und in der Bahnhofstraße. Heute sind weitere Straßen, wie der Kirchberg, die Rheigass und weiteren Straßen ebenfalls eingebunden. Wir hatten zum Kaufen nur wenig Geld, beispielsweise kaufte ich mir beim Zelt vom Metzger Wießner neben dem Rathaus ein Brötchen mit Fleischsalat, das schmeckte wirklich gut! Dann reichte mein Geld noch für eine Tüte Waffelbruch.
Ich beobachtete die Menschen, besonders die Grinsche aus dem Ebsdorfer Grund, die gekommen waren um Gewürze für das Schlachten zu kaufen und auch lange Unterhosen und lange Hemden für den Winter. Diese Leute hatten eine andere Tracht und einen anderen Dialekt als die Anorfer.
An der Mühlgrabenbrücke saß traditionell der „billige Jakob“, ein armer Mann, dem man beide Beine amputiert hatte. Er saß auf einer Art Rollbrett und bot allerlei Krimskram feil, wie etwa unzerbrechliche Kämme.
Ich beobachtete fasziniert die Marktschreier. Einer verkaufte elastische Hosenträger – und führte deren Elastizität vor, schwups landete er im großen Baum vor Arnolds Haus.
Neben der Volkshalle fanden ein Viehmarkt und eine Landmaschinenausstellung statt.
Das war neben der Kirmes eine der Freuden des Jahres – und wir freuten uns auf den nächsten Nikelsmarkt.
Noch eines zum neueren Beätzebürcher:
Man nennt uns Anorfer die Beätze, ein Uzname, so wie man die Träser Muh-Spretzer nennt. Ich selbst, wie auch meine Freunde, hatten eine Beätz, die meine Mutter gestrickt hatte. Das war eine Art Halbkugel mit einer Bommel. Aber keinesfalls eine Zipfelmütze, wir Anorfer sind keine Zwerge.
Ich möchte aber auch an den Begründer des neuen Nikelsmarktes erinnern, der dies zusammen mit Brunhild Trenz geschaffen hat. Ich hoffe, die Allendorfer wissen das alles zu würdigen! Kurz vor seinem Tod haben bei einem Nikelsmarkt mein Bruder Rolf und ich mit ihm im 50er.Jahre-Haus noch einen Beätze-Schnaps getrunken.

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