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Treffen 60 Jahre nach der Schulentlassung

Allendorf (Lumda) | Von Reinhold Gruninger

Die meisten meiner Klassenkameradinnen und Klassenkameraden wurden wie ich 1947 in die Volksschule, so hieß sie damals, eingeschult. Wir mussten oft genug erst einmal Hochdeutsch lernen, Ich hatte Glück, denn ich war befreundet mit gleichaltrigen Söhnen Heimatvertriebener, meist aus dem Sudetenland. In meiner 1. Klasse waren aber auch „ausgebombte“, meist aus Frankfurt.

In der Zeit meiner ersten vier Jahre der Volksschule wurde ein neues Schulgebäude gebaut und zwar zwischen die beiden alten Volksschulgebäude. Es sollte die Mittelpunktschule des Lumdatales werden, eine Realschule. Die erste Realschulklasse entstand 1949. Die Schüler kamen damals aus dem gesamten Lumdatal.

Gegen Ende meiner vierten Klasse mussten wir eine schriftliche Eignungsprüfung ablegen, Rechenaufgaben und ein Aufsatz. Ich bestand glücklicherweise diese Prüfung und kam statt in die fünfte Klasse der Volksschule in die erste Klasse der Realschule. Wir waren die dritte Realschulklasse.

Es waren so viele neue Realschüler, dass zwei Klassen gebildet werden mussten. Aber zum Ende der ersten Realschulklasse gab es nur noch eine Klasse, so groß war der Schwund.

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Mittlerweile hatte ich meine neuen Klassenkameradinnen und Klassenkameraden kennen gelernt und wusste, aus welchen Orten sie kamen. Viele hatten es wirklich schwer, zur Schule zu gelangen. Beispielsweise kamen sie aus Rüddingshausen und mussten nach Odenhausen zum Zug laufen oder, falls vorhanden, mit dem Fahrrad kommen. Elterntaxi gab es damals nicht, kaum jemand hatte ein Auto. Gott sei Dank gab es damals die Lumdatalbahn noch. Sie führte von Lollar bis nach Grünberg(!) Man kann sich die Mühen dieser Mitschüler kaum ausmalen, besonders im Winter. Damals waren die Winter länger und härter als heute.

Eine weitere Klassenkameradin kam aus Ilschhausen, ein guter Freund kam sogar aus Hachborn im Ebsdorfergrund – da gab es weder Bahn noch Busverbindung. Zwei Mitschüler kamen aus dem Hofgut Fortbach, ein Weg durch den Wald – heute kaum vorstellbar.

Unsere Lehrer waren neu an die Schule Allendorf gekommen und stammten meist aus dem Sudetenland. Ich erinnere mich gern an unsere damaligen Lehrer, beispielsweise an Josef Kesselgruber, den wir noch oft bis zu seinem Tod besuchten. Josef musste nicht autoritär werden, er hatte natürliche Autorität! Ich habe viel von ihm als späterer Lehrer gelernt. Ich erinnere mich auch gern an unseren Mathematiklehrer Adolf Kimmel, der mit uns streng war und gute Noten nicht so einfach verschenkte. Es gab auch gleich zwei Lehrer mit dem Namen Schlegel: Horst Schlegel, das war der mit der 98er NSU Fox, die mit dem sonoren Klang, und den Musikschlegel, der kam aus der DDR. Unsere Englischlehrerin war Fräulein Kuhne, sie stammte aus dem ehemaligen Sporthaus Kuhne in Gießen.

Während die erste Realschulklasse noch eine Abschlussprüfung nach der sechsten Klasse ablegen musste, blieb uns das Gott sei Dank erspart. Ich sehe heute noch die damaligen Prüflinge zitternd an den Fenstern stehen.

Und so mussten wir uns mit unseren Halbjahreszeugnissen 1958/59 bewerben. Die Zeiten waren schlecht, und es gab kaum Lehrstellen. Wir mussten nehmen was es gab. Aber aus uns ist etwas geworden – wahrscheinlich weil wir als Kriegskinder, oft ohne Vater, durch eine harte Lehre gegangen sind. Das hat uns geprägt.
Nach dem Ende der 5. Klasse gingen unsere Lehrer Kesselgruber und Lück an die Schule in Wieseck.

2019 sind wir also 60 Jahre aus der Schule Allendorf entlassen. Das haben wir am 29.09.2019 gefeiert. Dabei gedachten wir auch den Kameradinnen und Kameraden, die schon verstorben sind, es sind etliche. Die Feier fand in Allendorf im Künstlerkaffee Arnold statt. Die Feier begann mit einem Mittagessen und endete mit Kaffee und Kuchen. Es kamen, oft mit Partner, insgesamt 17 Schulkameradinnen und –kameraden. 60 Jahre, unfassbar, wie schnell die Jahre vergehen. Da gab es natürlich viel zu erzählen und Erinnerungen aufzufrischen. Den Abschluss bildete ein Besuch im schönen Heimatmuseum Allendorf, indem sich auch meine große Blechspielzeugsammlung befindet.

Wir haben uns gegenseitig versprochen, das nächste Treffen in 2-3 Jahren zu veranstalten und nicht zu lange zu warten – der Grund ist ein natürlicher.

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