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Genau am 1.Juli vor einem Jahr hat Thomas Benz erstmals hinter dem Schreibtisch im Bürgermeisterzimmer des Rathauses in Allendorf (Lumda) Platz genommen.

Allendorf (Lumda) | Seit einem Jahr ist Thomas Benz Bürgermeister der Stadt Allendorf (Lumda).
Interview mit Bürgermeister Thomas Benz

Er kam als Quereinsteiger und sagte selbst von sich, dass er viel dazu lernen müsse.
Das Auftreten des Bürgermeisters wird als angenehm empfunden. Benz präsentiert sich leise und freundlich, aber bestimmt.
Dem Bürgermeister ergeht es genauso wie seiner Vorgängerin Annette Bergen – Krause (SPD).
Das erste Jahr ist eine Eingewöhnungsphase, die nicht nur dem Kennenlernen der städtischen Mitarbeiter, sondern auch der besonderen Probleme einer Kommune gewidmet ist.
So prasselten gleich zu Beginn seiner Amtszeit zahlreiche Informationen auf den neuen Verwaltungschef ein.

Die Bürger Allendorfs haben Ihnen bei der Wahl am 19. Februar 2017 ihr Vertrauen ausgesprochen. Welche Aufgaben haben Sie als Bürgermeister?

Benz: „Die Aufgabe eines Bürgermeisters ist es zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger zu arbeiten und nicht den Zielen einer Partei zu dienen. Als Newcomer über 50 Prozent zu erreichen ist schon ein gutes Ergebnis. Sie wissen über die Stimmungslage während und nach der Wahl, wo ich gerade nach der Wahl viele positive Resonanzen erleben konnte, die mir zwar sagten, dass sie mich nicht gewählt hätten, jedoch nun hinter mir stünden.“

Sie sind, vor allem in den Stadtteilen, bei den Menschen sehr beliebt. Wie wichtig ist Ihnen dieses vertraute Miteinander?

Benz: „Ich bin der Bürgermeister für alle Allendorfer Bürger, auch für die, die mich, aus welchen Gründen auch immer, nicht gewählt haben. Dazu gehört auch die gute Verbindung zu der Bevölkerung. Ich möchte die Zukunft der Stadt aktiv gestalten, wozu auch die enge Rückkopplung mit den städtischen Gremien den Vereinen und der Bevölkerung gehört. Ich hatte schon im Wahlkampf erklärt, dass ich transparente Politik betreiben und die Bürger einbinden werde, daran wird sich nichts ändern.“

Was waren die schönsten Momente in Ihrem ersten Amtsjahr?

Benz: „Die Einweihung des MED Zentrums, die DKMS Aktion im Bürgerhaus, die Allendorfer und Nordecker Kirmes, das Haxenfest in Climbach, der Allendorfer Nikelsmarkt, die Bürgersprechstunden in Climbach, Nordeck und Winnen und die vielen positiven Signale aus der Bevölkerung.“

Die Haushaltsberatung 2018 war so kompliziert wie nie zuvor. Welche Lehren ziehen Sie daraus?

Benz: „Bei der Haushaltsberatung
ist leider viel Politik gemacht worden, die Allendorf Lumda) nichts genützt hat. Bei einer Spardiskussion gilt es aber auch für die Parteien, den Bürgern zu sagen, wo und wie gespart werden soll. Das geht aber nur, wenn man gleichzeitig der Bevölkerung sagt, wo sie mit Leistungseinschränkungen zu leben hat. Wenn man keine Leistungseinschränkungen vornehmen möchte, so muss man im Gegenzug sagen, wo und wie man Mehreinnahmen erzielen möchte. Oberste Aufgabe der Stadtverordnetenversammlung muss sein, einen ausgeglichenen Haushaltsplan zu verabschieden. Als Bürgermeister dieser Stadt sehe ich mich auch als Gestalter, damit sich unsere Stadt weiterentwickelt. Aber letztendlich haben die städtischen Gremien in den meisten Bereichen das letzte Wort, und die Beschlüsse liegen in ihren Händen.“

Wie wichtig ist die freiwillige Feuerwehr für unsere Stadt?

Benz: „Das Gemeinwesen lebt von der Einsatzbereitschaft seiner Bürger für das Gemeinwohl, denn dem Mitbürger in Gefahr beizustehen und Verantwortung für die öffentlichen Belange zu übernehmen sind Tugenden, die zu der Freiwilligen Feuerwehr gehören. Als Bürgermeister bin ich verantwortlich für unsere Wehr. Die Vorgaben für die Ausrüstungsgegenstände und Bestimmungen für die
Freiwilligen Feuerwehren werden von den Dienstvorschriften für den Brand- und Katastrophenschutz des Landes Hessen bestimmt. Wir, die Stadt Allendorf (Lumda), müssen diese Vorgaben umsetzen. Viele Mitbürgerinnen und Mitbürger sind in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Das tun sie in den meisten Fällen in ihrer Freizeit, nicht selten in der Nacht und am Wochenende. Statt Freizeit zu verbringen, sorgen sie sich um den Schutz von Menschen und Gebäuden in unserer Stadt. Die Freiwillige Feuerwehr und der Spielmannszug sind aus meiner Sicht ein Aushängeschild unserer Stadt, auf das wir stolz sein können.“

Der Akteneinsichtsausschuss Futterwiese ist so gut wie abgeschlossen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Stadt Allendorf (Lumda) nicht geplante Aufwendungen von 140.000 Euro im Jahr 2017 zusätzlich für die Erschließung des Ärztehauses leisten musste. Wie beurteilen Sie die Ergebnisse des Abschlussberichtes ?

Benz: „Zu dieser Thematik möchte ich mich nicht äußern. Nach der Veröffentlichung des Abschlussberichtes des Akteneinsichtsausschusses können sich die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Allendorf selbst eine Meinung bilden.“

Die Stadt Staufenberg verfügt bereits über eine E-Tankstelle. Die Gemeinde Rabenau hat 10.000 Euro im Haushalt für die E-Mobilität eingestellt. Hat die Stadt Allendorf inzwischen auch Konzepte für Elektromobilität erarbeitet?

Benz: „Auch wir beschäftigen uns mit dem Thema Ladeinfrastruktur für E- Fahrzeuge. Die Grünen haben diesbezüglichen bereits im Jahr 2017 einen Antrag eingebracht. Dieser befindet sich noch im Geschäftsgang. Sofern alle Fördermaßnahmen durch die Verwaltung abgeklärt sind, werden wir über das für und wider einer Ladestation im Parlament diskutieren.“

Was gehört zu den täglichen Aufgaben des Bürgermeisters?

Benz: „Ich habe ja schon erwähnt, dass es als Bürgermeister ziemlich abwechslungsreich ist. Es kommen jeden Tag andere und neue Aufgaben. Außerdem habe ich häufig Gespräche mit Bürgern und Vereinen. Dann werde ich, das finde ich sehr schön, auf viele Geburtstage und Hochzeiten eingeladen, und es gibt viele Treffen mit Kollegen. Ja und sonst steht immer unterschiedliches an. Aber eigentlich ist es auch das Beste an dem Beruf, dass immer was Neues passiert.“

Was macht Ihnen an Ihrem Beruf Spaß?

Benz: „Am meisten macht es mir Spaß, dass ich kreativ sein kann und meine Ideen einbringen kann. Der Kontakt und die Gespräche mit den Menschen macht viel Freude. Das muss man sich bewahren.

Wie viele Tage in der Woche und wie lange arbeiten Sie?

Benz: „Als Bürgermeister ist das immer ein bisschen schwierig zu beantworten. Ich bin ja gerade erst am Anfang meiner Amtszeit, ich bin im zweiten von sechs Jahren. Im Mai hatte ich zum Beispiel nur einen einzigen Abend frei. Auch vor Weihnachten kommen viele Termine, viele Einladungen. Aber das ist ja nichts Schlimmes und da gehe ich auch gerne hin. Ich habe so gut wie jede Woche Abendtermine, meistens freitags, samstags und sonntags. Aber wie schon gesagt, das ist ja auch sehr schön, dort eingeladen zu werden. Dadurch, dass ich aber viele Abendtermine habe, nehme ich mir die Freiheit die Arbeitszeit nach den Gegebenheiten zu Planen. In der Regel bin ich morgens um 8.00 Uhr im Büro.“

Haben Sie bei der vielen Arbeit auch Zeit für Hobbys?

Benz: „Nein, leider eigentlich gar nicht. Aber ich lese gerne Zeitung und dass muss ich ja auch, ich muss schließlich wissen, was in Allendorf (Lumda) und Umgebung passiert. Und dann noch ab und zu vielleicht Essen gehen mit meiner Familie. Mehr springt da nicht mehr heraus für meine Hobbys. Allerdings fahre ich ab und zu nach Hamburg zu meinem Fußballverein dem Hamburger SV, das ist dann auch noch so eine Art Hobby und kostet jetzt nicht mehr so viel.

Wofür setzen Sie sich in der Gemeinde ein?

Benz: „Die Arbeit vor Ort ist das, was die Menschen am meisten betrifft, deswegen setze ich mich gern dafür ein. Ich möchte, dass wir durch den Erhalt der Gesamtschule einen hohen Bildungsstand haben, und ich möchte, dass hier alle Kinder gut ausgebildet werden. Deswegen kümmere ich mich gern um unsere Schule und Kindergärten. Danach kommen dann die Vereine, auch für die setze ich mich gern ein. Wenn diese meine Unterstützung brauchen, dann bekommen sie die auch. Und dann noch ganz wichtig, der Klima- und Umweltschutz, dazu gehört auch die Lumdatalbahn sofern wir die finanziellen Mittel dafür bereitgestellt bekommen.“

Die Landrätin Anita Schneider stellte am 18.06.2018 im Bürgerhaus Nordeck die Vorteile der Wiederinbetriebnahme der Lumdatalbahn vor. Florian Langecker (Bürgermeister der Gemeinde Rabenau) hat sich ebenfalls in verschiedenen Zeitungsinterviews für die Reaktivierung ausgesprochen. Wie ist Ihre Meinung zur Reaktivierung der Lumdatalbahn?

Benz: „Ich habe mich im Wahlkampf schon mit diesem Thema befasst. An meiner Meinung zur Lumdatalbahn hat sich nichts geändert. Sie muss finanzierbar sein. Ich würde auch gerne die Bevölkerung hier mitnehmen und ggf. entscheiden lassen. Belastbare Zahlen liegen uns z.Zt. leider noch nicht vor“

Wie bewerten Sie aktuell das Klima in der Stadtverwaltung?

Benz: „Das Klima in der Stadtverwaltung ist grundsätzlich positiv. Denn es wird klar geführt, und die Mitarbeiter zielorientiert eingesetzt. Hier ist jedem bewusst, dass optimale Arbeit für unsere Stadt Allendorf (Lumda) geleistet werden muss. Und gerade das vorhergehend erwähnte Lob steht dabei im Vordergrund. Auch gerade das Miteinander mit der Personalvertretung, wo wir uns periodisch zusammensetzen, ist sehr gut ausgeprägt.“

Welche Ziele haben Sie sich für ihr zweites Amtsjahr als Bürgermeister gesetzt?

Benz: „Die schwierigste Aufgabe ist die Konsolidierung des Haushalts! Das Gelingen ist entscheidend für die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten unserer Stadt, denn jeder weiß: „Ohne Moos, nix los!“
Es gilt unsere guten Grundvoraussetzungen zu nutzen und auszubauen. Unsere schöne Stadt ist unsere Heimat. Es gilt die Lebensqualität in unserer Stadt zu erhalten und weiter auszubauen. Ich denke hier primär an die sozialen, infrastrukturellen und wirtschaftlichen Bereiche. Wichtig ist auch, dass wir unsere Stadtteile weiterentwickeln. Außerdem wird es weiterhin Bürgersprechstunden geben, da bekommt man ganz viele Informationen „aus erster Hand“.

Noch eine letzte Frage: Wir würden Sie das Verhältnis im Magistrat beschreiben?

Benz: „Entspannt und im Großen und Ganzen konstruktiv. Wir haben ein sehr gutes Miteinander.“

Vielen Dank Herr Bürgermeister für das Interview: Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie einen schönen Urlaub und alles Gute.
Anmerkung: Das Interview wurde bereits am 23.06.2018 mit dem Bürgermeister Thomas Benz geführt, da er sich vom 25.06.2018 bis 13.07.2018 im Urlaub befindet.

 
 
 
 

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von:  Helmut Wißner

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