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Erläuterung des Begriffs Stundentakt im ÖPNV

studieren eines Fahrplanes am Bahnhof (Usingen in den 1990er Jahren) im Hintergrund der Bahnsteig
studieren eines Fahrplanes am Bahnhof (Usingen in den 1990er Jahren) im Hintergrund der Bahnsteig
Allendorf (Lumda) | Im Zusammenhang mit der Reaktivierung der Lumdatalbahn trugen Dritte kürzlich bestimmte Fragen vor, die nach und nach beantwortet werden sollen.

In Kurzform: Jede Stunde, jede Richtung;

Bedeutet für Fahrgäste an einer x-beliebigen Haltestelle immer zur gleichen Minute pro Stunde in beiden Richtungen einer Linie zyklisch wiederholend mit Linienbussen oder Regionalzügen abfahren zu können. Die Abfahrzeit bleibt stringent den ganzen Tag über beibehalten. Dies ist dann selbst für Fahrgäste, die nur gelegentlich unterwegs sind, leicht merkbar.


Langfassung:

Öffentlicher Personennahverkehr, das waren früher die Postkutschen, seit 1850 auch die Eisenbahn durch Lollar. Speziell die Eisenbahn und deren sich im 19. Jahrhundert rasant ausbreitendes Liniennetz schuf eine größere Bedeutung des Faktors Uhrzeit. Es macht sich in Abfahrzeit, Umsteigezeit und Reisezeit fest. Über Jahrzehnte prägten Bahnhofsuhren und Abfahrpläne das Geschehen für Reisende. Ein öffentlicher Fahrplan ist grundsätzlich nichts anderes, als ein "Deal" zwischen Fahrgästen und Verkehrsbetrieb: "trefft euch zu einer bestimmten
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Uhrzeit, wir holen euch dann dort ab!".  Die Abfahrzeiten der Vergangenheit waren jedoch der Verfügbarkeit von Fahrzeugen unterworfen. Die Verantwortlichen in den Eisenbahn-Gesellschaften "bastelten" aus den freien Ressourcen ihrer Fahrzeuge die Fahrpläne, die dann teilweise Lücken, teilweise aber auch starke Verdichtungen kannten. Hauptverkehrszeit, dann Schwachlastzeiten sowie Maschinenpflege,- und maximale Arbeitszeit der Beschäftigten wurden soweit als möglich aufeinander abgestimmt.

Mit Beginn des Intercity Verkehrs in den 1970er Jahren trat dann eine andere Betriebs.- oder Angebotsform in den Vordergrund. Die Elektro.- und Diesellokomotiven der Nachkriegsära hatten auch nicht mehr den wartungsintensiven Pflegeaufwand, wie zuvor die Dampfrösser. Es gelang im hochwertigen Stadt-zu-Stadtverkehr einen festen vertakteten Fahrplan nach und nach im alten Bundesgebiet umzusetzen. Weil dieses Angebot von Fahrgästen sehr gut angenommen wurde, begann man dieses System immer weiter auszubauen. Nach und nach also auch im D-Zug, Eilzug und Personennahverkehr. Es ist heute der Grundgedanke in der Fahrplangestaltung. Es wird versucht auch in wirklich abseits und bevölkerungsschach gelegenen Regionen umzusetzen, die nur wenige Male pro Tag per Linienbus angefahren werden

als würden Dämonen über die Zeit wachen, gesehen am Bahnhof in Gießen
als würden Dämonen über die Zeit wachen, gesehen am Bahnhof in Gießen
Im Personen - Nahverkehr heisst es konkret, dass ein einzelnes Fahrzeug auf einer Linie den ganzen Tag periodisch immer zur gleichen Minute ständig zwischen zwei Endhaltestellen hin und her fährt. Ringverkehre sind bei den realen Eisenbahnen sehr selten.

Ist die zu bedienende Linie etwas länger, müssen zwei Fahrzeuge dies bewerkstelligen, die sich dann irgendwo begegnen und kreuzen müssen. Je länger eine Linie und/oder je dichter eine Vertaktung, umso mehr Fahrzeuge und Kreuzungsstellen sind nötig.  Wenn eine Bahnlinie aus zwei Gleisen besteht, kann die Begegnung x-beliebig eingeplant werden.

Wenn ein ganzes Liniennetz mit vielen Umsteige und Verbindungstellen einem Taktgefügte unterworfen ist, sprechen Verkehrsplaner vom integralen Taktfahrplan (ITF). Es bedeutet, an jeder Umsteigestelle jeder einzelnen Linie, dann im Idealfall immer zur gleichen Minute pro Stunde die Anschlüsse, in andere Richtungen vorzufinden. Die Gewissheit eines passenden Anschlusses macht die ÖPNV Nutzung für Fahrgäste attraktiv.  Im regionalen Schienenverkehr auf den Bahnlinien nach oder durch Gießen ist der 30 Minuten-Takt als Verdichtung des Stundentaktes häufig in Fahrplänen anzutreffen.  Im Gießener Stadbusverkehr gelten überwiegend noch deutlich kürzere Taktintervalle.

Beispiel eines einfachen Taktfahrplanes
Beispiel eines einfachen Taktfahrplanes
Die betriebliche Planung der Personale sowie auch der Fahrzeuge liegt heute immer noch in Händen der Eisenbahn-Gesellschaften oder Busunternehmen.

In einer Region -wie dem Lumdatal-  mit vielen Bushaltestellen und zu bedienenden Ortslagen ist es verkehrsplanerisch bis heute schwierig und für eine Reihe von Haltestellen nicht gelungen, diesen stringenten (Linienbus-)Taktfahrplan umzusetzen. Vgl. als Beispiel:  Hst. Staufenberg-Treis/Kirche an Werktagen. Grund: Haltestellen und Ortslagen der Linie werden unterschiedlich bedient. (der Bus fährt mal so, mal anders)

Nicht zuletzt deshalb bietet sich die reaktivierte Lumdatalbahn auf einer unmissverständlich klaren Linienführung an. Sie bildet das Rückgrat eines ÖPNV-Systems und kann den stringenten Taktfahrplan auf dem Schienenweg umsetzen.  Natürlich sollen/müssen ergänzend Linienbusse jene Ortslagen oder Stadtteile ohne Bahnhaltestelle versorgen.

Insofern kommt der Reaktivierung der Horlofftalbahn zwischen Hungen und Wölfersheim neben den Fahrzeitvorteilen auch ein Netz-Lückenschluss-Charakter zu. 

Indess sind heute Bahnhofsuhren und Aushangfahrpläne wegen den internetbasierten Parallelangeboten in Echtzeit,
Linienschaubild mit unabänderlicher Linienführung
Linienschaubild mit unabänderlicher Linienführung
die per Handy und App abgerufen werden können, fast verzichtbar geworden. An den Stationen Lollar, Oswaldsgarten und Gießen-Bf. erwartet die Fahrgäste zudem ein digitales Fahrgastinformationssystem, welches die Fahrgäste auch über Unregelmässigkeiten im Betriebsablauf informiert.

Begriffserläuterungen aus der Verkehrsplanung:
ÖPNV = öffentlicher Personennahverkehr
SPNV = Schienenpersonennahverkehr


weitere Links mit Infos zum Thema:
Wikipedia/Stundentakt
https://de.wikipedia.org/wiki/Taktfahrplan

Youtube/Bahn, wie geht´s pünktlich
https://www.youtube.com/watch?v=ZFjxZjdM76o

Initiative Main-Weser-Bahn im Takt/Vorschläge
http://www.probahn-bus.org/mwb-im-takt/index.php?cat=Vorschl%C3%A4ge&PHPSESSID=52bfdc13464f1e8a6573b0573bb5839b

zum Schienennetzplan des RMV
https://www.rmv.de/c/de/linien-netze/streckennetz/liniennetzplaene/rmv-liniennetzplaene/#c19465

eine Bilderfolge zum mittelhessischen Schienennetz
https://www.facebook.com/LB.Legacy/photos/a.325445150913704.1073741831.133326420125579/325629114228641/?type=3&theater

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Kommentare zum Beitrag

Karl Wagner
133
Karl Wagner aus Buseck schrieb am 11.01.2018 um 13:53 Uhr
SWR-Sendung „mal ehrlich....ersticken wir am Verkehr?“ 10.01.2018, 21.50 -23.00 Uhr
Karl Wagner
133
Karl Wagner aus Buseck schrieb am 11.01.2018 um 14:08 Uhr
SWR-Sendung „mal ehrlich....ersticken wir am Verkehr?“ 10.01.2018, 21.50 -23.00 Uhr,

sehr interessanter Beitrag, der sich kritisch mit den derzeitigen vielen Fragen des Individualverkehrs und deren Auswirkungen befasst! Der ländliche Raum wird hierbei nicht ausgeschlossen! Feinstaub scheint eine besonders nachdenkenswerte Rolle zu spielen! Beitrag wird derzeit in der SWR Mediathek vorgehalten! Sollten Hobbykommunalpolitiker aus dem Lumdatal und darüber hinaus einfach mal anschauen! Städte wie Lollar, Staufenberg und Gießen sind deutlich mit im Geschäft!
Karl Wagner
133
Karl Wagner aus Buseck schrieb am 11.01.2018 um 14:17 Uhr
https://pdodswr-a.akamaihd.net/swr/swr-fernsehen/mal-ehrlich/20180110/992729.l.mp4

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von:  Lumdatal Bahn

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