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Deftiges aus dem Backhaus: Gesangverein TeuTonia Nordeck bietet Gaumenschmaus

Ein wahrhaft "heißer Job" für Frank Schlichting
Ein wahrhaft "heißer Job" für Frank Schlichting
Allendorf (Lumda) | Man kann es nur schwer beschreiben: der Duft und der Geschmack von Lohkuchen, der nach alter oberhessischer Tradition hergestellt und gebacken wird, ist einfach einzigartig und eigentlich auch unbeschreiblich. Wer sich am Samstag in der Mittagszeit zufällig in der Nordecker Ortsmitte aufhielt, konnte Zeuge eines alten Brauchs werden, den der Gesangverein TeuTonia Nordeck nunmehr im 26. Jahr aufrechterhält. Viele Nordecker und Besucher aus den umliegenden Orten hatten sich den Termin allerdings auch schon vorgemerkt, so dass ein reger Ansturm auf die großen Bleche der oberhessischen Köstlichkeit zu verzeichnen war. Dabei hieß es für viele „Lohkuchen to go“ – bei anfangs sehr kühlem Wetter holten sich einige die Delikatessen einfach für ein gemütliches Mittagessen zu Hause ab – andere verzehrten den Lohkuchen mit einem heißen Kaffee in geselliger Runde auf dem Hof der Familie Bietz. Auch Zwiebelkuchen und Pizza wurden angeboten. Im nahegelegenen Backhaus „Auf der Linde“ war indes höchster Arbeitseinsatz von Frank Schlichting und Klaus Schlotter gefordert. Das fachmännische Anheizen und das Backen wollen gelernt sein . Schon am frühen Morgen hatten die Männer mit dem Anheizen begonnen. Das Backhaus, erbaut im Jahr 1898, fordert mit seinem Ofen ein großes Maß an Fingerspitzengefühl.
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Die Frauen des Gesangvereins hatten zuvor viele Bleche der regionalen Delikatesse zu Hause zubereitet. Dabei war jede ihrem eigenen Rezept gefolgt, so dass eine große Vielfalt an Lohkuchen angeboten werden konnte. „Das war früher ein typisches Arme-Leute-Essen“ weiß Käthi Hubka, langjähriges aktives Mitglied der TeuTonia, zu berichten. Das Brotbacken sei früher ein Ereignis gewesen, bei dem die ganze Familie eingebunden gewesen sei, erinnert sie sich. Der Belag sei meist aus Kartoffeln, Eiern, Milch und Speck, manchmal mit Schnittlauch zubereitet worden und auf die dünn ausgerollten Brotteigreste gestrichen worden. Der Lohkuchen, der stets nach den Brotlaiben im Backhaus gebacken worden sei, habe an Backtagen als Mittagessen gedient.
So vielfältig wie die wie die -früher nur mündlich tradierten- Rezeptvarianten sind auch die Bezeichnungen für den „Lohkuchen“ im hessischen Raum. Schon von einem Ort zum nächsten können die Bezeichnungen variieren – typisch für den mundartlichen Wortschatz. In Nordeck und Allendorf heißt es auf jeden
Fall: Lohkuchen. Woher kommt der Begriff? Das Wort „Lohe“ ist schon im Mittelalter belegt und wird auch im Deutschen Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm aus dem Jahr 1885 aufgeführt. Es hatte die Bedeutung: „ (wallende) Glut, Flamme“ und ist aus dem aktiven Sprachgebrauch der Gegenwart fast völlig verschwunden. In anderen Orten im Kreis Gießen (wie z.B. in Buseck) heißt die Spezialität „Lohplatz“. „Platz“ hat hier die Bedeutung „(flacher) Kuchen“ ; dieser Begriff ist für große Teile Hessens belegt. Davon zeugen das Hessen-Nassauische Wörterbuch von 1943 (Foto) sowie das Südhessische Wörterbuch. Nach dem Belag benannt sind die Begriffsvarianten „Schmierkuchen“ (Allertshausen und weitere Orte), oder „Schmierselkuchen“ (nordwestlicher Kreis Gießen).
Wie auch immer man diese Spezialität nennen mag: das Geschmackserlebnis ist Grund genug, diese alte Tradition fortzuführen.

Ein wahrhaft "heißer Job" für Frank Schlichting
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Kommentare zum Beitrag

Otmar Busse
410
Otmar Busse aus Lahnau schrieb am 17.09.2017 um 14:28 Uhr
Stichwort Schmierselkuchen und "mir läuft augenblicklich das Wasser im Mund zusammen". Schmierselkuchen das war bei uns die süße Variante. Genial wie die Komposition aus säuerlichem Brotteig (Sauerteig) und der Süße vom Belag miteinander harmonierten.
Leider war ja nie genug davon da ... als Kind hätte ich mich damit beknebeln können.
So und nun, nach diesem schönen und lehrreichen Bericht, weiß ich auch, dass das nicht Loblatz, sondern Lohplatz heisst. Meine Frau stammt nämlich aus Buseck und dort habe ich die deftige Version kennengelernt, aber immer verstanden ... Loblatz.
bettina hofmann-kaes
65
bettina hofmann-kaes aus Allendorf (Lumda) schrieb am 17.09.2017 um 22:08 Uhr
Ich freue mich, dass Ihnen mein Beitrag gefallen hat! Dankeschön :-)
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) bettina hofmann-kaes

von:  bettina hofmann-kaes

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Interessensgebiet: Allendorf (Lumda)
bettina hofmann-kaes
65
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