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Verwaltungsakt wurde vor 24 Jahren wirksam

Ein Schmaadleckershuttle im Jahre 2004 in Mainzlar. Im Hintergrund die Silhouette der Burg Staufenberg.
Ein Schmaadleckershuttle im Jahre 2004 in Mainzlar. Im Hintergrund die Silhouette der Burg Staufenberg.
Allendorf (Lumda) | Zur Jahreswende 1993/1994 wurde die bundesweit gültige Bahnreform der Regierung von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl wirksam. Damit entstand unter anderem auch ein neues allgemeines Eisenbahn Gesetz (AEG). Aus der Deutschen Bundesbahn mit ihrer Behördenstruktur wurde die Deutsche Bahn AG mit einer Unternehmensphilosophie.

Kennzeichnend war fortan auch eine Unterscheidung zwischen Eisenbahn Verkehrsleistungen und Eisenbahn-Infrastruktur-Angelegenheiten. Aber ebenso auch eine Besteller/Ersteller-Abhängigkeit der Verkehrs-Dienst-Leistungen im ÖPNV. Letztere regelt, wonach Eisenbahn-Verkehrsleistungen, speziell des Nahverkehrs durch einen Aufgabenträger zu bestellen sind. In unserer Region nimmt die Funktion des Aufgabenträgers der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ein.

Für den Bereich der Eisenbahn Infrastrukturen ergaben sich in 1994 dann aber auch einige Änderungen, die im -AEG- näher geregelt sind. Das vorher gültige Stillegungsverfahren nach Bundesbahnrecht wurde abgeschafft und durch den § 11 (AEG) ersetzt.

Für die Situation der Lumdatalbahn sieht das nun wie folgt aus:
Per 30.Mai 1981 erfolgte die Einstellung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) aus damaligen verkehrspolitischen Erwägungen heraus und gegen den damals schon erklärten Bürgerwillen.

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ÖPNV (71)Verkehrspolitik (14)Stillegung (1)Staufenberg (196)Rabenau (200)Mietpreis-Bremse (5)Mahnmal (3)Lumdatalbahn (78)Landkreis Gießen (1812)Bahnreform (1)Bahnlinie (7)Allendorf/Lumda (201)
Mit der Einstellung des SPNV ging dann aber noch nicht die Stillegung des eigentlichen Gleises einher. Vielmehr fand noch in den 1980er Jahren bedarfsweiserer Güterverkehr nach Londorf und Allendorf/Lda. statt, wo damals Holzstämme umgeschlagen wurden. In Allendorf (Lumda) empfing der Landesproduktehändler Reuning mehrere Wagenladungen mit unterschiedlichen Gütern, u.a. Briketts und Kohlen.

Bekannt in dieser Zeit der 1980er Jahre sind auch mehrere Senioren-Sonderzüge, die ab Londorf wie ein Gesellschafts-Sonderzug mit Tanzwagen zu verschiedenen Zielen in Tagestouren aufbrachen.

Nach damals noch gültigem Bundesbahn-Recht wurde dann aber im Herbst 1990 das Stillegungsverfahren für die Lumdatalbahn beim zuständigen Bundesverkehrsminister von "höheren Dienststellen der Bundesbahn" beantragt. Dieser Verwaltungsakt wurde folgend über die Wintermonate im Bundesverkehrsminsterium bearbeitet und schließlich zum 01.April 1991 als Erlaß formal rechtskräftig.

Mit dieser Formalität war es nun -streng genommen- nicht mehr zulässig, den öffentlichen Verkehrsweg der Eisenbahn im Lumdatal zwischen Londorf und Mainzlar mit Eisenbahn Fahrzeugen zu nutzen. -Streng genommen- beinhaltete damals aber auch Ausnahmeregelungen: Wenn nach Maßgabe des technisch einwandfreien Zustandes der Schienen für die Ingenieure ein unfallfreier Fahrtverlauf zu erwarten ist, konnte diesem Begehren stattgegeben werden. Diese Sonderregelung griff nach dem 01.April 1991 für die Sonderfahrten, die dann am 31.Okt 1993 zum Allendorfer Nikelsmarkt stattfanden. Selbst die Umstrukturierungen der Bahnreform in 1993/94 konnte einem weiteren Fahrtag am 21.Juli 1996 auch bis Allendorf nicht beeinflussen. In letzterem Fall war für einen Tag die Bahnstrecke der Lumdatalbahn formal nicht stilliegend und ein nichtbundeseigenes Infrastruktur-Unternehmen stand als autorisierter Netzbetreiber konkret Pate, führte vorbereitend auch nötige technische Reparaturen durch.

Im jetzt beginnenden 2.Quartal 2015 wollen wir auf den Unterschied zwischen der Einstellung der Personenverkehrsleistungen am 30.Mai 1981 einerseits, und der förmlichen Stillegung der Lumdatalbahn per 01.April 1991 als Verwaltungsakt andererseits aufmerksam machen. Dies wird dann real durch die geplante Einweihung einer Gedenktafel am Bahnsteig in Daubringen sichtbar werden.

Der Verein Lumdatalbahn e.V. begreift dies zugleich mit einer Inwertsetzung öffentlichen Verkehrsraumes. Einer Welt, die quasi eine Diktatur kommerzieller Interessen auslebt, müssen Räume und Plätze zum innehalten, bzw zur Vergegenwärtigung alternativer Mobilität (per Schiene) geboten werden.

Heute würde sich eine gute verkehrliche ÖPNV- Erschließung für die Region positiv bemerkbar machen, die sogar den Mietpreisdruck im Ballungsraum zu lindern vermag.
Diese Voraussetzungen dafür sind in der Verkehrsplanung hinlänglich bekannt:
*) Gutachten über den Nutzen und die Kosten mit einem Ergebnis, welches eine Förderfähigkeit nach GVFG ausdrückt (die Lumdatalbahn hat bekanntlich den "Lackmustest" bestanden)
*) darin enthaltener gutachterlich empfohlener Takt-Fahrplan
*) gute, passende Anschlüsse
*) moderne und leise Fahrzeuge
*) überschaubare Tarife (die Tarife des RMV werden zurzeit überarbeitet)
*) Region mit touristischen Angeboten
*) ausreichend leistungsfähige Infrastruktur (bleibt eingleisig und nicht elektifiziert; an ESTW angeschlossen)
*) regionale Verbundenheit und Nähe des Eisenbahn-Unternehmens (besser als die Anonymität eines "Weltkonzerns")
*) Kundenorientierung der Mitarbeiter

Warum leistet sich eine Gesellschaft den Auftrag, mindestens zeitweise übervolle Linienbusse, auch Gelenkbusse, durch eigentlich busuntaugliche, weil enge Ortsdurchfahrten (wie in Treis/Lda. , Daubringen oder Allendorf/Lda.) zu schicken, während nebenan ein öffentlicher Verkehrsweg der Eisenbahn mit ausreichend Kapazität und anerkannter Fahrzeitverkürzung brach liegt?

Die zu montierende Gedenktafel ist bereits fertig, sogar schon im Internet zu finden unter:
http://phpbb.hunsrueckquerbahn.de/phpBB3/download/file.php?id=1762&mode=view

Foto aus 1980 mit einem Akku-Triebwagen im SPNV in Allendorf:
http://www.drehscheibe-online.de/galerie/ds_galerie.php?DS=3&action=show&id=1398&ix=8&PHPSESSID=7288820a1918bbe93d6ddcf23bdc92c3

Die Liste der Bundesverkehrsminister:
http://www.deutschland-auf-einen-blick.de/politik/bundesminister/verkehrsminister.php
Der am 01.April 1991 amtierende Bundesverkehrsminister hieß Dr. Günther Krause.

Hinweise zum -AEG-:
http://www.eba.bund.de/SharedDocs/Publikationen/DE/GesetzeundRegelwerk/Bundesrecht/11_aeg.pdf?__blob=publicationFile&v=4

Sh-2-Tafel als Kennzeichen eines stilliegenden Gleises:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lumdatalbahn#mediaviewer/Datei:-Sh2-Tafel_im_Gleis.jpg
Bedeutet soviel wie: Verbot für Fahrzeuge aller Art!

Liste der in der BRD zugelassenen Infrastrukturbetriebe:
http://www.eba.bund.de/DE/HauptNavi/Infrastruktur/EIU/eiu_node.html

Nein, auch wenn diese Zeilen möglicherweise als Aprilscherz anmuten, dies ist Realität.

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